"Wir wollen von Anfang an eine sehr große Gerätebasis per FDI managen." Stefan Bollmeyer, Produktmanager bei ABB

„Wir wollen von Anfang an eine sehr große Gerätebasis per FDI managen.“ Stefan Bollmeyer, Produktmanager bei ABB Redaktion Chemietechnik

Noch bevor es FDI-DTMs in der Breite gibt, bringt ABB ein passendes Tool auf den Markt, das sowohl die neue FDI-Gerätebeschreibungen nutzt, als auch die wichtigsten Parameter vorhandener Geräte über ein generisches Hart-Device-Package einbindet. Dabei zielt das Werkzeug nicht nur auf die langfristige Geräteintegration, auch die Parametrierung soll das Tool beschleu­nigen. Denn in der Praxis beginnen die Probleme, wenn während des Anlagenbetriebs Geräte getauscht oder neu parametriert werden müssen. Sind die notwendigen Gerätetreiber alle vorhanden? Und ebenso wichtig: Passen die Versionen für ­Gerät und Leitsystem noch zusammen?

Häufig ist die Suche nach den passenden Software-Werkzeugen und -versionen zeitaufwendiger als die Anpassung der Geräteparameter. „Wie benutzerfreundlich eine Software tatsächlich ist, zeigt sich erst im Betrieb“, weiß Stefan Bollmeyer, Produktmanager bei ABB.

Schluss mit den verästelten Konfigurationsbäumen: Entsprechend der Aufgaben sind die Einstellungsoptionen organisiert.

Schluss mit den verästelten Konfigurationsbäumen: Entsprechend der Aufgaben sind die Einstellungsoptionen organisiert. ABB

Geräteparametrierung beschleunigen

Auf Basis der 2014 verabschiedeten FDI-Spezifikation für gemeinsame Host-Komponenten und der integrierten Entwicklungsumgebung für FDI-Gerätepakete stellt ABB in Hannover ein FDI-gestütztes Gerätemanagement-Werkzeug vor. Dieses soll einerseits die Geräteparametrierung durch die Anwender vereinfachen; zum anderen die Grundlage für ein umfassendes Asset-Management bilden. Auch will man damit weitere Gerätehersteller für die FDI-Technik begeistern. Ziel ist, Akzeptanz für die Einführung von FDI im Markt zu schaffen. „Wir wollen mit dem Tool, das in der Basisvariante Anwendern und Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt wird, den drohenden ‚Henne-Ei-Deadlock‘ verhindern,“ so Bollmeyer im Februar auf einer Pressekonferenz.

Geräteanbieter sollen mit der Software einfach prüfen können, ob die Interoperabilität ihrer FDI-Device-Packages auf ­Basis der Common Components gegeben ist. Anwender soll die Software schnell in die Lage versetzen, Geräte zu testen und zu parametrieren. „Die Installation von Software-Werkzeugen für das Gerätemanagement dauert heute in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten. Mit unserem Field Information Manager, kurz FIM, liegen zwischen dem ersten Installationsschritt und der Online-Kommunikation mit dem Gerät nur drei Minuten und rund 15 Mausklicks“, verdeutlicht Bollmeyer. Die Windows-Software wird nicht nur für Desktop-PC, Server und Laptop angeboten, sondern kann auch mit Windows-Tablets vor Ort in der Anlage oder in der Werkstatt genutzt werden.

Zum Vermarktungsstart sollen für die meistgekauften Geräte des Herstellers FDI-Device-Packages vorinstalliert sein. Daneben gibt es ein generisches Hart ­Device Package, das die wichtigsten Parameter aller Hart-Geräte enthält. Dies versetzt Anwender in die Lage, die wichtigsten Geräte ihrer installierten Basis auf Anhieb via FDI-Gerätemanagement parametrieren zu können.

FDI-basiertes Gerätemanagement kombiniert mit den Bedienphilosophien von Windows Tablet beschleunigt das Parametrieren im Feld und in der Warte.

FDI-basiertes Gerätemanagement kombiniert mit den Bedienphilosophien von Windows Tablet beschleunigt das Parametrieren im Feld und in der Warte. ABB

Vereinfachte Benutzer-Schnittstelle

Damit Anwender möglichst schnell zu den relevanten Parametern gelangen, wurde beim Aufbau der Benutzerschnittstelle nicht das klassische Menüsystem der Office-Tools verwendet, sondern die situationsbezogene Systematik des Prozessleitsystems 800xA. Ein ‚Device-­Menü‘ vereinfacht den Zugriff auf Standardmenüs wie ‚Operate‘, und ‚Diagnostics‘ sowie weitere gerätespezifische Menüs. Anstatt in Kontextmenüs und Menübäumen nach der richtigen Funktion zu suchen, stehen diese intuitiv zur Verfügung. Dabei können Anwender zwischen allen geöffneten Gerätesichten wechseln oder ein anderes Gerät aufrufen.

Interessant ist auch die Unterstützung wiederkehrender, gleicher Aufgaben. Die Software merkt sich häufig genutzte Funktionen sowie verwendete Parameter und lernt kontinuierlich, wie Parameter und Funktionen der Geräte verwendet werden. Über die daraus generierte Liste lässt sich einfach auf einzelne Parameter zugreifen und als ‚Favorit‘ kennzeichnen.

Zur Hannover Messe wird FIM eingeführt und im Mai auf der Unternehmens-Webseite zum kostenlosen Download bereitstehen. Zukünftige Editionen haben einen erweiterten Funktionsumfang und sollen kostenpflichtig sein. „Ziel ist es, künftige Versionen zu einem Komplettsystem für das Field Asset Management zu entwickeln. Das schließt dann die Integration in Leitsysteme sowie in ERP-Systeme ein“, ergänzt Bollmeyer. Hierin wird auch das FDI Device Model der OPC UA für den generellen Zugriff auf Geräte­informationen enthalten sein.

Hannover Messe 2015
Halle 11, Stand A35