Mit sperrigem Gepäck fahren Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ((www.ise.fraunhofer.de)) im Februar nach Tokio zur Nanotech 2008, der weltweit größten Nanotechnologie-Fachmesse. Das Farbstoff-Solarmodul, das sie bei der BMBF-Marketing-Kampagne „Nanotech Germany“ präsentieren, hat die Abmessungen einer Türe – 2m hoch und 60 cm breit.

Die Kernkomponente der neuen Module ist ein organischer Farbstoff, der in Kombination mit Nanopartikeln Sonnenlicht in Strom umwandelt. Die Nanopartikel ermöglichen aufgrund ihrer geringen Größe, dass die Solarmodule semitransparent sind. Sie eignen sich daher für die Integration in Fassaden. Der Prototyp eines Solarmoduls, den die Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hergestellt haben, schimmert bernsteinfarben. Doch es lassen sich auch andere Farben herstellen und sogar Motive einarbeiten, sodass die Module wie Dekorscheiben aussehen.

Die ausgestellten Modulprototypen erreichen einen Wirkungsgrad von 4 %. Das ist für Anwendungen auf dem Dach im Vergleich zu kristallinen Siliziumsolarzellen noch zu gering. Doch hat die Technologie einen entscheidenden Vorteil für den Einsatz in Fassaden. Die hauchdünne stromerzeugende Schicht, die zwischen zwei Glasscheiben steckt, wird aus Nanopartikeln im Siebdruck aufgetragen, einem technisch ausgereiften Verfahren. Das macht es möglich, beliebige Motive einzuarbeiten. Eine Glasfassade aus diesem Material lässt sich dekorativ und werbewirksam gestalten, zum Beispiel mit einem bunten Firmenlogo, das obendrein Strom liefert.

Noch ist das Farbstoffmodul nur ein Prototyp. Diesen haben die Fraunhofer-Forscher zusammen mit namhaften Industriepartnern im Color-Sol-Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF entwickelt. Die besondere Herausforderung bei der neuen Technologie war die Präzision: Der feine Spalt zwischen den beiden Glasscheiben muss hermetisch verschlossen sein, damit keine Luft die reaktiven Substanzen zerstört. Die Fraunhofer-Experten haben sich dabei etwas Besonderes einfallen lassen. Statt einen polymeren Kleber zu verwenden wie die Konkurrenz, arbeiten sie mit Glaslot: Glaspulver wird im Siebdruck aufgetragen und verschmilzt bei Temperaturen von rund 600 °C mit den Scheiben. Dauertests bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen haben gezeigt, dass die Solarzellen auch nach mehreren tausend Stunden noch voll funktionsfähig sein können.