Unverbindlich testen, hohe Einstiegskosten und das Risiko von Hackerangriffen vermeiden –In der gewonnenen Zeit würden die viele eher privat surfen statt zu arbeiten: Die meisten Deutschen steht dem autonomen Fahren interessiert, aber noch deutlich skeptisch gegenüber.  In einer repräsentative Umfrage hat die Managementberatung Detecon in Zusammenarbeit mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg unter deutschen Verbrauchern die Akzeptanz autonom fahrender Fahrzeuge in allen Käuferschichten empirisch untersucht.

Akzeptanz sinkt mit zunehmendem Nutzeralter

Die Grafik zeigt die Nutzung autonomer Fahrzeuge in Verbindung mit Carsharing nach Alter.

Die Grafik zeigt die Nutzung autonomer Fahrzeuge in Verbindung mit Carsharing nach Alter. Detecon

Über die Hälfte der Deutschen (50,9 %) kann sich die Nutzung autonom fahrender Fahrzeuge prinzipiell vorstellen oder steht dieser neutral gegenüber (15,7 %). Die Akzeptanz in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen liegt sogar bei rund zwei Dritteln, sinkt aber mit zunehmendem Lebensalter deutlich. Nur ein Drittel der befragten Personen (33,4 %) kann sich das autonome Fahren überhaupt nicht
vorstellen.

68 % der Befragten würden autonom fahrende Fahrzeuge im Rahmen von Carsharing-Angeboten unverbindlich testen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Bei den jüngeren Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren wären es sogar 79 %. „Über Carsharing können die Hersteller die neue Technologie unter Marktbedingungen erproben und für Marktdurchdringung sorgen“, erklärt Dr. Stefan Gladbach, Senior Consultant bei Detecon und Co-Autor der Studie. „Das wäre ein wichtiger Schritt, denn die große Mehrheit der Befragten lehnt einen deutlichen Aufpreis für autonome Fahrzeuge generell ab.“ Nur jeder Vierte würde einen Mehrpreis von 5000 Euro in Kauf nehmen. Bis zu 10.000 Euro zusätzlich würden gerade mal 7 % für ein Auto ausgeben wollen, das teils oder komplett autonom fährt.

Angst vor Hackern

Bereitschaft zur Zahlung eines Mehrpreises für autonome Fahrzeuge: Nur jeder Vierte würde einen
Mehrpreis von 5.000 Euro in Kauf nehmen.

Bereitschaft zur Zahlung eines Mehrpreises für autonome Fahrzeuge: Nur jeder Vierte würde einen
Mehrpreis von 5.000 Euro in Kauf nehmen. Detecon

Hauptgrund für die Skepsis: Die Mehrheit der Deutschen vertraut der Sicherheit nicht. 66 % fürchten laut Studie technische Mängel und 56 % schreckt vor allem „das Risiko, dass ein autonom fahrendes Fahrzeug gehackt werden könnte“ ab. 63 % befürchten gar, dass Cyber-Kriminelle während der Fahrt die Kontrolle über das Fahrzeug erlangen könnten. „Automobilhersteller müssen diese Ängste ernst nehmen“, meint Gladbach und prognostiziert: „Die nächsten fünf bis zehn Jahre sind entscheidend. Wer bis dahin nicht das Vertrauen der Kunden in die Daten- und Betriebssicherheit des autonom fahrenden Fahrzeugs gewinnt, bleibt beim Mobilitätswandel auf der Strecke.“

Die Studie hat auch untersucht, wie die Zeit während der Fahrt genutzt würde, die sich durch autonom fahrende Fahrzeuge gewinnen lässt: Schlafen kommt für 65 % auf keinen Fall in Frage. Am ehesten würden die meisten Deutschen die Zeit nutzen, um zu mailen, zu telefonieren oder im Internet zu surfen. Während der Fahrt zu arbeiten, das lehnt die Mehrheit der Befragten (54 %) allerdings ab – selbst dann, wenn die Zeit als Arbeitszeit angerechnet würde. „Entertainment-Angebote sind im Auto offenbar wichtiger als Business-Anwendungen“, erklärt Gladbach. „Auch
darauf sollten sich die Automobilhersteller einstellen und entsprechende Angebote als zusätzliche Möglichkeit zur Kundenbindung nutzen.“