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Seit Rutroniks Einstieg in die Logistik im Jahr 1996 haben sich Supply-Chain-Management-Lösungen zu einem sehr wichtigen Geschäftsfeld entwickelt und entsprechend etabliert.
Durch moderne Logistik­systeme erreicht ­Rutronik selbst in ­Allokationszeiten ­eine Lieferperformance von 99 Prozent.
Flächenscanner erkennen die transportierten Pakete und ermöglichen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Bauteile.

Heute sind es immer mehr Unternehmen, die die Vorteile moderner Logistiksysteme erkennen und von praktisch 100-prozentiger Versorgungssicherheit profitieren. Seit Rutroniks Einstieg in die Logistik im Jahr 1996 haben sich Supply-Chain-Management-Lösungen zu einem sehr wichtigen Geschäftsfeld entwickelt und entsprechend etabliert. Inzwischen wickelt der Distributor rund 40 Prozent seines gesamten Umsatzes über diesen Geschäftsbereich ab. Zu den Logistikkunden zählen auch einige weltweit agierende Tier-1 aus der Automobilindustrie. Ein weiterer wesentlicher Anteil davon findet sich in über 150 Konsignationslagern auf der ganzen Welt.

Der Distributor Rutronik setzt auf individuelle Supply-Chain-Lösungen und spezifische Entwicklungs­unterstützung für die Automotive-Branche und andere Märkte.

Der Distributor Rutronik setzt auf individuelle Supply-Chain-Lösungen und spezifische Entwicklungs­unterstützung für die Automotive-Branche und andere Märkte.Rutronik

An die Kundenbedürfnisse angepasst

„Jedes Logistiksystem wird an die individuellen Bedürfnisse der Kunden angepasst, sodass auch bei über 500 verschiedenen Rutronik-Logistiksystemen beziehungsweise -Kunden kein Logistiksystem dem anderen zu 100 Prozent gleicht“, erklärt Joachim Kaiser, Geschäftsführer Logistik bei Rutronik.

Auch wenn die modernen Logistiksysteme auf den drei klassischen Modellen Konsignation, Kanban und Lieferplan basieren, unterscheiden sie sich sogar innerhalb desselben Unternehmens. Welches für den jeweiligen Kunden am besten passt, ergibt sich aus den Gegebenheiten und der Relevanz mehrerer Faktoren für den Kunden. Wesentliche Aspekte sind zum Beispiel, wie viel Platz im Wareneingang beziehungsweise im Lager zur Verfügung steht oder wie regelmäßig die Produktion verläuft. „Diese Faktoren analysiert Rutronik vor der Implementierung eines Systems genau, damit jeder Kunde sein maßgeschneidertes Logistiksystem erhält“, hebt Joachim Kaiser hervor.

Eckdaten

Supply-Chain-Lösungen sind zu einem zentralen Aufgabenfeld der Distributoren geworden. Moderne Logistik­systeme basieren zwar auf den drei klassischen Modellen Konsignation, Kanban und Lieferplan – da sich die Anforderungen aber im Detail unterscheiden, passt Rutronik die Systeme kundenspezifisch an. Insbesondere bei Automotive-Kunden spielt auch die technische Unterstützung bei der Auswahl der Komponenten und Technologien eine immer größere Rolle. Wie Rutronik damit umgeht, erklärt Uwe Rahn im Interview.

„Als Broadliner kann Rutronik seine Kunden besonders effizient bedienen, da sie oft über 80 bis 90 Prozent ihres Bauteilebedarfs über den Distributor erhalten – und zwar rund um den Globus“, führt Joachim Kaiser weiter aus. Die Forecast-Daten der Kunden bilden die Grundlage für die Beschaffungs- und Belieferungsprozesse, die bei jedem Logistiksystem praktisch gleich ablaufen. Die Kunden sind dabei aufgerufen, ihre Forecasts so früh wie möglich mitzuteilen. Rutronik lädt diese Daten dann in sein System und disponiert entsprechend langfristig.

Verfügbarkeit und Flexibilität

Über ein Backlog-Management sorgt das Unternehmen für Verfügbarkeit und Flexibilität. „Wir haben die Möglichkeit, diese Planungsinformation Monate im Voraus bei unseren Franchise-Herstellern zu platzieren, sodass wir die Artikel kennen, die der Kunde benötigt, und auch den Zeitpunkt und die ungefähre Menge“, erläutert Joachim Kaiser. „Wir erzielen durch diese detaillierten Informationen auf Artikelebene sogar in Allokationszeiten eine Lieferperformance von 99 Prozent.“ Dass dadurch ein einziges Sicherheitslager für alle Beteiligten ausreicht, schlägt sich natürlich in geringeren Lagerhaltungskosten und damit einer niedrigeren Kapitalbindung nieder.

Geschwindigkeit und Sicherheit

Wo die Abläufe im Zusammenhang mit Smart Factory schneller werden, müssen auch die Logistiksysteme einen umfassenden Datenaustausch auf elektronischem Weg sicherstellen. Schon lange setzt Rutronik auf EDI (Electronic Data Interchange) und erzielt mit den automatischen Up- und Downloads nach Angaben von Joachim Kaiser „eine enorme Kostensenkung auf beiden Seiten der Lieferkette bei zugleich höherer Prozesseffizienz“. So reduziere der automatisierte Bestellvorgang die Fehlerquellen auf beiden Seiten drastisch.

Außenansicht des Rutronik-Lagers in Eisingen.

Außenansicht des Rutronik-Lagers in Eisingen.Rutronik

Viele Kunden liefern bereits strukturierte Messages wie Edifact und VDA. Rutronik ist aber auch in der Lage, SAP-IDocs wie standardisierte Messages ebenso wie jede Text-, CSV- oder XML-Datei zu verarbeiten. „Über ein spezielles Frontend kann ein Produktmanager automatisch das Mapping ausführen; das reicht aus, um Forecast und Auftrag zu generieren“, berichtet Joachim Kaiser aus der Praxis. „Verglichen mit manueller Eingabe reduzieren die automatischen Up- und Downloads die Fehlerraten um Faktoren. Wir erzielen damit eine sehr gute Transparenz und hohe Liefersicherheit. Außerdem werden viele Prozessschritte in der Beschaffung vereinfacht oder entfallen komplett.“

Als Unterscheidungsmerkmal zum Wettbewerb sieht Joachim Kaiser „das weltweit einheitliche, redundant ausgelegte Computersystem von Rutronik, auf das alle Büros weltweit zugreifen“. Zudem sei Rutronik nicht über lokale Profit-Center in verschiedenen Kontinenten limitiert, was eine weltweit problemlose Belieferung der Kunden ermögliche. So kann der Distributor Unternehmen global mit den gleichen Logistik-Dienstleistungen bedienen.

Ein gutes Beispiel für solche Services sind kundenspezifische Labels. „Ob ein Konsignationslager in Mexiko oder in Europa geführt wird, macht im Prinzip keinen Unterschied, bis auf jeweils zu berücksichtigende steuerliche und vertragliche Bedingungen und Vorschriften“, erklärt Joachim Kaiser. Nicht zuletzt beim Thema Traceability spielen eindeutige Logistikprozesse eine wichtige Rolle. Besonders bei teuren und haftungsintensiven Geräten ist die lückenlose Rückverfolgbarkeit der Bauteile und deren Komponenten durch die gesamte Supply-Chain unverzichtbar. Neben diesen Logistik-Lösungen bietet Rutronik seinen Kunden Entwicklungsunterstützung von der Idee bis zur Serienproduktion. Speziell für die Automobilzulieferer-Kunden hat Rutronik nun eine eigene Automotive Business Unit gegründet. Die Hintergründe hierzu erfahren Sie im folgenden Interview.

Uwe Rahn, Senior Manager und Leiter der Automotive Business Unit bei der Rutronik Elektronische Bauelemente.

Uwe Rahn, Senior Manager und Leiter der Automotive Business Unit bei der Rutronik Elektronische Bauelemente.Rutronik

Kurzinterview mit Uwe Rahn

Die Redaktion sprach mit Uwe Rahn, Senior Manager und Leiter der Automotive Business Unit bei der Rutronik Elektronische Bauelemente GmbH.

all-electronics: Warum steigt Rutronik ins Automotive-Geschäft ein?

Uwe Rahn: In den 18 Jahren, in denen ich nun für Rutronik arbeite, war unser Unternehmen schon immer im Automotive-Markt aktiv: mit Demand-Creation-Aktivitäten für alle Produktbereiche, mit aktiver Design-Unterstützung bei den High-Tech-Produkten und nicht zuletzt mit umfangreichen Logistik-Services. Seit etwa acht Jahren ist Automotive einer unserer strategischen vertikalen Märkte neben Industrie, Medical und erneuerbare Energien.

all-electronics: Warum gründen Sie jetzt nach so vielen Jahren im Automobilgeschäft eine Automotive Business Unit?

Uwe Rahn: Der Bedarf unserer Automotive-Kunden nach technischem Support ist stetig gewachsen. Zwar haben wir sehr viele Applikationsingenieure, aber für spezifische Automotive-Anwendungen benötigen wir mittlerweile dedizierte Fachkräfte, die sich voll auf diesen Bereich konzentrieren. Da lag der Schritt nahe, innerhalb unserer Matrix-Organisation eine separate Automotive Business Unit zu gründen, gezielt für die Distributionskunden. Wir werden hierzu noch dieses Jahr über hochinteressante Details sprechen können.

all-electronics: Wie hoch ist der Automotive-Anteil an Rutroniks Gesamt­umsatz?

Uwe Rahn: Wir machen schon heute weltweit 45 % unseres Geschäfts im Automotive-Bereich. Da wurde es Zeit, dass wir diese Kunden nicht nur im Rahmen unseres Tagesgeschäfts unterstützen. Wir wollen uns vielmehr zielstrebig mit einigen dedizierten Herstellern verstärkt auf Automotive-Kunden fokussieren. Dabei sind wir uns darüber im Klaren, dass wir mit den technologischen Schlüsselbauelementen das Design gewinnen, aber wir wissen auch, dass die Schaltung ohne die passiven Bauteile und Standard-Halbleiter nun einmal nicht funktioniert. Da wir das komplette Spektrum führen, bieten wir unseren Kunden einen echten Mehrwert.

all-electronics: Was heißt für Sie „Fokussierung auf Automotive“ ganz konkret?

Uwe Rahn: Es gibt viele Aspekte, die wir berücksichtigen. Zum ersten ist da unsere globale Ausrichtung mit zentral gesteuerten Prozessen, um unseren Kunden unabhängig von deren Entwicklungs- oder Fertigungsstandorten auf allen Kontinenten den gleichen Servicelevel anzubieten. Zum zweiten sind es nur speziell selektierte Produkte und Hersteller, die nachweislich alle geforderte Automotive-Qualifikationen und -Zertifizierungen vorweisen. Darüber hinaus muss das Portfolio des Herstellers auf die Zielanwendungen passen, denn wir konzentrieren uns auf Body-Elektronik, Chassis, Safety, Ambient Lighting und andere Licht-Anwendungen im Fahrzeug. Bei den Halbleiterherstellern erfüllen unsere Top-Hersteller Renesas, Infineon, Rohm und STMicroelectronics diese Kriterien. Auf der passiven und elektromechanischen Seite stehen der Steckverbinder-Hersteller JAE und der Hersteller AVX ganz oben auf der Liste unserer ABU, also der Automotive Business Unit. Bei diesen Herstellern haben wir einen direkten Draht zu den Experten, die sonst direkt für die OEMs zuständig sind.

Wir haben unsere zirka 150 Top-Automotive-Kunden weltweit im Detail analysiert, 50 Prozent davon werden wir im ersten Schritt mit der ABU konkret angehen und supporten. Das heißt ein quasi Premium-Service wie bei einer Hersteller-Direktbetreuung, aber gepaart mit den Vorteilen und dem Servicepaket der Rutronik-Distribution, die nur wir in dieser Form bieten können.

all-electronics: Wieviele Rutronik-Mitarbeiter unterstützen die Kunden?

Uwe Rahn: Alle Mitarbeiter unserer Automotive Business Unit haben den Status „Senior“. Mein Kollege Lutz Henckel betreut von seinem Standort München aus primär den kommerziellen Teil der ABU, während ich deren Leitung übernommen habe. Aus jedem Fachbereich arbeiten uns Rutronik-Mitarbeiter zu. Diese Mitarbeiter sind Spezialisten in Bereichen wie Power-MOSFETs, Mikrocontroller, Kondensatoren oder Steckverbinder für die Automotive-Welt.

Wir unterstützen unsere Automotive-Kunden nicht nur technisch, sondern auch bei Themen rund um Qualitätsmanagement und Normen. So können wir den Tier-2 bei ihren Fragen rund um PPAP-Level, ISO-Normungen und anderen Themen direkten Support liefern. Wir gehen mit viel technischem Know-how und tiefgehendem Spezialwissen auf unsere Kunden zu, denn Bauteileverkauf war gestern; heute geht es um Applikationsvorschläge und den richtigen Support.

all-electronics: Ab welcher Stelle des Automotive-Design-Prozesses ist Rutronik mit von der Partie?

Uwe Rahn: Wir diskutieren bereits in einem sehr frühen Stadium der Vorentwicklung mit den Kunden, was er in drei bis fünf Jahren machen möchte und wo der Trend hin geht. Somit unterstützen wir die Kunden schon sehr lange vor dem eigentlichen Design-In. Ansonsten gilt unser Motto „Alles aus einer Hand“, denn wir bieten unseren Kunden nicht nur aktive Bauelemente sondern auch Passive und Elektromechanik – und das auch zu den Rahmenbedingungen der Automotive-Branche. Die Kunden erhalten sehr schnell Muster. So können sie rasch Prototypen aufbauen und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.