In Form, Funktion und Funktionalität etablierte Maschinen weiterzuentwickeln und die Leistungsfähigkeit kontinuierlich auf die Bedürfnisse der Anwender und Märkte zu optimieren – das hat sich Fuji Machine Europe seit 1992 auf die Fahne geschrieben. Kein Wunder also, wenn sich der japanische Hersteller von Bestückplattformen zum Jahresende 2016 anlässlich des 25. Jubiläums selbst feiert und dabei ins Kurhaus, dem Prunk- und Herzstück der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden einlud. Der im klassizistischen Stil gehaltene Blickfang an der Wilhelmstraße hat sich als modernes Veranstaltungszentrum seinen glanzvollen Stil aus wilhelminischer Zeit und seinen einzigartigen Charme der Belle Epoque bewahren können. Und genau die gelungene Synthese des Veranstaltungsortes spiegelte sich im Motto „The Spirit of 25 Years Innovation“ der Open-House-Veranstaltung wider.

Feierlich ging es auf der Open-House-Veranstaltung zu – inklusive Enthüllung der Bestückplattform Aimex III.

Feierlich ging es auf der Open-House-Veranstaltung zu – inklusive Enthüllung der Bestückplattform Aimex III. Marisa Robles Consee

Den Erfolg und gleichzeitiges Alleinstellungsmerkmal sieht Fuji Machine vor allem darin begründet, dass sich die Produktionswerke für Maschinen- und Bestückautomaten akkurat ergänzen. Startete das japanische Unternehmen 1959 als Hersteller von Werkzeugmaschinen für den Automobilhersteller Toyota, so werden heute 90 Prozent des Umsatzes mit Bestückautomaten generiert. NXT, Aimex und Smart-Fab sind nun die aktuellen Bestückplattformen, parallel dazu hat Fuji Machine Schablonendrucker im Programm. Im November 1991 wurde Fuji Machine Europe GmbH (FME) von Hirooh Itoh gegründet. Nur wenige Monate später, im Juni 1992, wurde das Vertriebs- und Supportbüro in Mainz-Kastel mit 10 Mitarbeitern und sechs Abteilungen eröffnet. Seither legte die für Europa zuständige Niederlassung rasant zu: von 3,9 Mio. Euro Umsatz in 1992 bis hin zur 50-Million-Euro-Marke im Jahr 2015. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeiter mit steigender Tendenz. Zahlreiche Industriepreise belegen überdies die Innovationsfreude. Mit Full-Line-Supplier vom Board Handling über Klebe-Dispenser bis hin zum Pastendrucker sieht sich Fuji Machine gut gerüstet für die Zukunft – vor allem mit einem Neubau. Der etwa 773 m² große Eigenbau im Gewerbegebiet Staudenäcker der Stadt Kelsterbach nahe Frankfurt am Main soll ab dem Frühjahr 2018 als neue Europazentrale dienen. Christin Lutz von der IHK Wiesbaden ließ es sich nicht nehmen, Klaus Gross mit einer Urkunde zu ehren, als Anerkennung für 25 Jahre unternehmerische Leistung.

Die Keynote untermauerte das Erfolgsgeheimnis von Fuji Machine: Der bekannte Schiedsrichter Lutz Wagner wechselte nach fast 20 Jahren als Bundesligaschiedsrichter mit Erreichen der Altersgrenze die kurzen gegen die langen Hosen. Als verantwortlicher Koordinator für Schiedsrichterausbildung beim DFB und als Coach der Bundesligaschiedsrichter gibt er heute sein Wissen als Führungskräftecoach preis. Entscheiden in Stresssituationen sei gar nicht so einfach. Und um eine Kostprobe zu geben, lud er sein Publikum via Videoclips ein, selbst Schiedsrichter zu spielen und entsprechend rote oder gelbe Karte zu zücken. Übertragen auf die Führungsqualitäten heutiger Unternehmer appelliert er, dass „es wichtig sei, Entscheidungen überhaupt zu treffen – ob richtig oder falsch, ist erst mal zweitrangig!“ Etwa 75.000 Schiedsrichter sind Woche für Woche im Einsatz, damit 1,5 Mio. Fußballspiele in ganz Deutschland Jahr für Jahr stattfinden können. Innerhalb von Sekundenbruchteilen muss die Entscheidung fallen, ob gegen geltende Fußballregeln verstoßen wurde. Unabdingbar ist eine gewisse Vorbereitung, die Wagner in zwei Phasen teilt: Die erste Phase diene der Informationsbeschaffung, während die zweite Phase daraus bestünde, „an sich selbst zu glauben und darauf zu hoffen, dass die getroffene Entscheidung die richtige war“, erläutert und bekräftigt dabei: „Einen guten Entscheider erkennt man daran, wie gut er eine umstrittene Entscheidung verkauft.“ Ein weiteres ausschlaggebendes Kriterium um Fehlerquoten zu minimieren sei, zu „agieren, statt zu reagieren“, resümiert er.

Smart-Fab: Projekt mit Siemens

Mit Smart-Fab schickt Fuji Machine ein völlig neues Maschinenkonzept für die Backend-Automation ins Rennen. Die modular aufgebaute Arbeitszelle eignet sich für viele Anwendungen wie etwa in der Leistungselektronik, der MID-/3D-Bestückung, aber auch für die radiale und axiale Bestückung inklusive Cut and Clinch. Durch ihre Modularität ist sie sehr flexibel einsetzbar. Transporteinheiten und Zuführungen, Prozess- und Bestückköpfe, Kamerasysteme und Greifervarianten lassen sich je nach Anforderung und Bedarf zusammenstellen. Das wird möglich, weil alle Komponenten mit Intelligenz bestückt sind und völlig unabhängig voneinander während des Prozesses mit der Maschinenbasis interagieren können. Stefan Janssen, stellvertretender Geschäftsführer von Fuji Machine Europe, hat dabei den gesamten Bereich der Automation im Visier und damit alle Bereiche vor der Maschine. Schließlich gelte es, manuelle Montagearbeiten zu automatisieren und gleichzeitig hohe Produktivität bei höchster Qualität zu erreichen. Mit Smart-Fab habe man dieses Ziel erreicht, bietet Smart-Fab doch die verschiedensten Adaptierungsmöglichkeiten: Die Bestückplattform unterstützt verschiedenste Bauteilzuführungen wie Radial-; Axialgurte, Trays, Sticks und Bulkförderer. Dabei bietet das modulare System die Möglichkeit, Komponenten von 1608 (0603″) bis 190 x 190 mm und einer Höhe bis 75 mm sowie Gewichte bis 200 g zu verarbeiten.

Probeweise Schiri spielen: In Stresssituationen zu enscheiden ist gar nicht so einfach.

Probeweise Schiri spielen: In Stresssituationen zu enscheiden ist gar nicht so einfach. Marisa Robles Consee

„Smart-Fab ist eine Lösung, um die Automatisierung und Produktionskonzepte im Sinne von Industrie 4.0 und Internet of Things voranzutreiben“, versichert Janssen und veranschaulicht dies anhand eines Siemens-Projektes, das im März 2016 begann und zwischenzeitlich abgeschlossen ist. Anhand der Zusammenarbeit mit dem Messgerätewerk Berlin von Siemens wurde verdeutlicht, wozu diese Arbeitszelle in der Lage ist: Smart-Fab ersetzt die Handbestückung von Flachbaugruppen im Backend. Basis war eine Grunddatenermittlung der Baugruppen-Stückzahlen vor allem in Bezug auf die THT-Bestückung bis 2020. Dabei wurden die verschiedenen Bauteile als Produktgruppen analysiert und insgesamt acht „Renner“-Produkte ermittelt. Entsprechend wurden Zuführungen adaptiert. Somit wurde jedes Bauteil einer Zulieferform zugeordnet. Anschließend standen die Taktzeitberechnung und die Systemkonfiguration auf dem Prüfstand. Die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Smart-Fab erfuhr bereits im Juli 2016 die Vorabnahme in Japan und im August 2016 wurde die Installation bei Siemens in Berlin vorgenommen.

Vorstellung der Aimex-Bestückplattform

Von spektakulärer Musik begleitet, wurde live aus dem angrenzenden Veranstaltungsraum die Bestückplattform Aimex III enthüllt. Hartmut Eger, Key Account Manager National + International von Fuji Machine, stellte die technischen Besonderheiten der Plattform vor. Neben der Aimex II und IIS ist die Aimex III vor allem für die Bestückung von 774 mm x 710 mm großen Leiterplatten und für die Großserienbestückung konzipiert. Von der Standfläche etwas größer als ihre Schwestern, nimmt der Bestückautomat beidseitig bis zu 130 8-mm-Feeder auf, beherbergt den bereits bei der NXT-Plattform im Einsatz befindlichen Bestückkopf H24G, der eine Bestückleistung von bis zu 37.000 BE/h im Geschwindigkeits-Modus, bei einer gleichzeitigen Genauigkeit von ± 38 µm erzielt. Der Bestückkopf vermag Winzlinge 03015m bis hin zu 5 mm x 5 mm großen Bauteilen mit einer maximalen Höhe von 2 mm zu bestücken. Auch der Allrounder-Bestückkopf Dynahead mit einer Bestückleistung von 27.000 BE/h wird von Aimex III problemlos unterstützt. Der dynamische Bestückkopf ermöglicht es gerade im High-Mix Bereich, ein komplettes Produkt mit nur einer Maschine unter Verwendung eines einzigen Kopfes zu fertigen, da der automatische Kopfwechsel beziehungsweiseToolwechsel in weniger als 3 s erfolgt und der Bestückkopf somit immer den richtigen Kopf für das richtige Bauteil zur Verfügung stellt. Der Dynahead kann mit seinen zwei Revolvern und dem Greifer – mit nur einer Maschine – das komplette Bauteilspektrum von kleinen 01005-Bauteilen bis hin zu 74 mm x 74 mm großen Bauteilen bestücken.

Bestückplattformen zum Anfassen: Fachbesucher konnten Details unter die Lupe nehmen.

Bestückplattformen zum Anfassen: Fachbesucher konnten Details unter die Lupe nehmen. Marisa Robles Consee

Eine weitere Besonderheit stellt die Tray-Zuführung dar: Es lassen sich zwei Trayunits einsetzen – vorne und hinten – sodass sich maximal 96 verschiedene Traybauteile verarbeiten lassen. Parallel dazu ermöglichen die 130 Feeder eine hohe Maschinenverfügbarkeit. Die Maschine gibt es als Einzel- oder Doppelspur und auch mit einer Pufferstation für Leiterplatten. Mit der Doppelspurkonfiguration lassen sich verschiedene Leiterplattentypen sowie unterschiedliche Programme und Produktionsweisen für die Bestückung verwenden. Die Teachfunktion zur Programmerstellung am 12 Zoll großen Touchdisplay erleichtert die Bedienung: Hochleistungs-Fertigung für neue Produkte und Prototypen sowie eventuelle Fehler-Rückmeldungen lassen sich schneller als je zuvor mit On-Machine Bearbeitung behandeln, verspricht Eger. Der sogenannte LCR-Check zur Kontrolle von Spulen, Widerständen und Kondensatoren prüft elektrisch die Bausteineigenschaften um Masse-Fehlbestückungen zu vermeiden. Die optionale Koplanaritäts-Check-Einheit erkennt Bauteilmängel vor der Platzierung, wodurch zudem eine hohe Bestückqualität gewahrt wird.

 

Smart-Factory als Treiber

Der Konferenz angegliedert war der ausgestellte Maschinenpark, durch den Thomas Linnemann führte. Neben der Highlight-Maschine Aimex III mit dem Bestückkopf Dynahead war zudem die Bestückplattformen NXT III in Kombination mit einer Aimex IIC mit dem H24G-Bestückkopf ausgestellt. Zudem gab es die Stationen der Auto-Feeder- und Auto-Reel-Loader sowie Smart-Nozzle- und Auto-Head-Cleaner. Darüber hinaus wurde die Nexim-Software demonstriert. Alles in allem will Fuji sich als Lösungspartner auf dem Weg zu Industrie 4.0 präsentieren. Nicht von ungefähr ist der Hersteller auch Gründungsmitglied des Verbands Smart Electronic Factory (SEF): In einer Smart Factory sinken die Kosten, Kapazitäten werden besser ausgelastet, Ressourcen sparsamer genutzt und Kundenwünsche individueller bedient. Mit den technologischen Möglichkeiten einer Industrie 4.0 lässt sich selbst die Fertigung von Losgröße 1 rentabel organisieren.

Open-House-Konferenz

Durch die zweitägige Open-House-Konferenz moderierte Uta Rötzer, Service Assistant von Fuji Machine Europe. Das Programm wurde durch weitere Referenten ergänzt:

  • Florian Ritter von Asys: Smart Factory mit Pulse
  • Ulf Oestermann vom Fraunhofer IZM: Industrie 4.0 – Wenn Maschinen rebellieren oder wenn der Bestückautomat den Dash-Button drückt
  • Dr. Werner Laub von Staufen und Heinz Floren von Insta Electro: Weg zur Wertschöpfungsexzellenz

Das zeigte sich auch in der abschließenden Podiumsdiskussion der zweitägigen Konferenz: Dieter Meuser, CTO von Itac Software, Gerd Ohl, Geschäftsführer von Limtronik, Marcel Pannu, SMT-Leiter von Limtronik und Prof. Dr. Gerrit Sames der Technischen Hochschule Mittelhessen diskutierten unter der Moderation von Jonas Ernst, Area Sales Manager von Fuji Machine Europe, die Rolle des Verbands Smart Electronic Factory (SEF) im Zuge der weiteren Digitalisierung von Industrie 4.0 in Deutschland. Die im SEF vereinten Mitglieder entwickeln Lösungen und Standards für Industrie 4.0, die vor allem den Mittelstand helfen sollen, ihre Zukunftsfähigkeit zu bewahren.

SMT Hybrid Packaging 2017: Halle 4, Stand 131 und Halle 5, Stand 434