In gewisser Hinsicht lässt sich die heutige Distribution mit Mobiltelefonen vergleichen: Die eigentliche Hauptfunktion, die des Telefonierens, ist nebensächlich. Die Nutzer entscheiden beim Kauf anhand der Zusatzfunktionen. So ist es auch bei der Wahl des Distributors: Dessen eigentliche Hauptaufgabe, der Vertrieb von Bauelementen, rückt fast schon in den Hintergrund. Was zählt, sind die zusätzlich von ihm gebotenen Services.

Diese Spezialisierung erlaubt es dem Kunden, genau den Partner für die Bauteilbeschaffung zu finden, der seine Bedürfnisse am besten erfüllen kann. Wer also auf die permanente Verfügbarkeit eines sehr umfangreichen Sortiments Wert legt, der entscheidet sich für Distributor A, während Distributor B vielleicht für die Zusammenarbeit im Rahmen der Massenproduktion besonders geeignet ist. Distributor C wiederum ist für diejenigen die erste Wahl, bei denen produktlebenslange Reparatur- und Wartungsdienste (MRO) ganz oben auf der Anforderungsliste stehen, und „für wen die Unterstützung beim Design-Engineering unverzichtbar ist, der wendet sich an Mouser Electronics“, konstatiert Graham Maggs, Director of Marketing EMEA bei Mouser Electronics.

Graham Maggs (Mouser): „Die vollständige Fokussierung auf die Design Engineering Community ist quasi unser Alleinstellungsmerkmal.“

Graham Maggs (Mouser): „Die vollständige Fokussierung auf die Design Engineering Community ist quasi unser Alleinstellungsmerkmal.“ Mouser

„Die vollständige Fokussierung auf die Design Engineering Community ist quasi unser Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Graham Maggs das Ziel des Unternehmens, mit dem Angebot an Tools und Services die Anforderungen in der Entwicklung zu erfüllen. „Wenn das Design dann in die Serienproduktion geht, gehen wir davon aus, dass sich ein Produktions-Fulfillment-Unternehmen wie unsere Muttergesellschaft TTI um alles weitere kümmert“, führt Maggs die Strategie weiter aus.

Das Kit macht den Chip

Komplexe Halbleiterbauteile erfordern zunehmend ausgeklügeltere Software- und Hardware-Entwicklungs-Tools, weshalb auch Distributoren ihr Leistungsangebot erweitern müssen. Designs beginnen oft mit einem Referenzdesign oder Entwicklungs-Kit, und da Distributoren häufig die erste Anlaufstelle für Entwickler sind, wenn ein neuer Entwurf auf Mikroprozessor-, Mikrocontroller-, DSP- oder FPGA-Basis aufgelegt wird, müssen Distributoren einfach mehr anbieten, als nur die Chips per se.

„Weil wir hauptsächlich mit Entwicklungsingenieuren arbeiten, haben wir diesen Trend schon vor geraumer Zeit erkannt und unser Leistungsangebot so strukturiert, dass wir das volle Technologie-Ökosystem bieten können, also das eigentliche Bauteil, die Software-Entwicklungsumgebung, das Entwicklungs-Board, die Design-Ansätze und die entsprechende Dokumentation“, fasst Maggs das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens zusammen. So sei Mouser zum Beispiel davon überzeugt, dass nicht nur die Chips der führenden Marken wie Intel, TI, Maxim, ST, Analog Devices, Altera, Microchip und NXP im Angebot sein sollten sondern auch die größtmögliche Auswahl an Entwicklungs-Kits.

Einen weiteren Trend in der Distribution bestimmt das Internet der Dinge. Mouser sieht „eigentlich alle Marktsegmente in Bewegung“, aber das Internet der Dinge (IoT) – in seinen verschiedenen Erscheinungsformen als Industrie 4.0, am Körper tragbare Medizintechnik oder als Wohngebäudeautomation – zeige sich hier besonders lebhaft. „Das einzige Merkmal, das alle IoT-Anwendungen gemeinsam haben, ist, dass sie einen Sensor irgendeiner Ausprägung brauchen, um die reale Welt mit der notwendigen elektronischen Rechenleistung verbinden zu können“, bringt es der Marketingdirektor auf den Punkt. Deshalb legt Mouser besonderes Augenmerk auf die Sensoren und erweitert sein Angebot ständig um neue Anbieter und Support-Dienste.

Leiterplattenentwurf

Doch um welche Tools handelt es sich nun konkret, die dem Entwickler die Arbeit erleichtern sollen? Da wäre als erstes Multisim Blue zu nennen. Dieses integrierte Tool für den Leiterplattenentwurf hat Mouser Electronics vor über einem Jahr herausgebracht. Jetzt ist neben der kostenlosen Originalversion mit Multisim Blue Premium auch ein Upgrade erhältlich. Bei Multisim Blue, das in Zusammenarbeit mit National Instruments (NI) entstand, kommt die Spice-Engine von Berkeley zum Einsat; es verfügt über eine vorinstallierte Bauteilebibliothek mit mehr als 100.000 häufig verwendeten Komponenten aus mehreren Mouser-Datenbanken.

Bild 1: Mit dem kostenlosen Tool Multisim Blue lässt sich die Konvergenz des Entwurfs noch vor dem eigentlichen Layout analysieren.

Bild 1: Mit dem kostenlosen Tool Multisim Blue lässt sich die Konvergenz des Entwurfs noch vor dem eigentlichen Layout analysieren. Mouser

Multisim Blue zeigt quasi in Echtzeit an, was die Teile auf der Stückliste für das entsprechende Design aktuell kosten, und durch die Aktualisierung der Bauteiledatenbank erhöht sich die Effizienz. Das Tool, mit dem sich die Konvergenz des Entwurfs noch vor dem eigentlichen Layout analysieren lässt, unterstützt die Mixed-Signal-Simulation und verarbeitet Bauelemente, die so komplex wie BGAs sind, mit über 1000 Kontakten und einem Rastermaß bis auf 0,8 mm herunter. Multisim Blue bietet ebenfalls eine 3D-Visualisierung der Leiterplatte ohne Begrenzung bei Größe und Form und ermöglicht so mehr Freiheit und Flexibilität beim Entwurf. Es läuft auf Windows XP, 7, 8 und Vista, und die Funktion für den Leiterplattenentwurf ist kompatibel zu den Standardformaten der Ausgabedateien wie Gerber 274X und 274D, DXF, 3D DXF, 3D IGES sowie IPC-D-356A Netlist, was die unkomplizierte Erstellung und Verifizierung der Entwürfe und der Entwurfsdateien erleichtert.

Zusätzlich erfährt Multisim Blue Unterstützung durch Berkeley Short-channel IGFET Model (BSIM) sowie von weiteren Modellparametern für die anwenderfreundliche und nahtlose Funktionssimulation linearer Schaltungen. „Durch die Echtzeit-Aktualisierung der hinterlegten Bauteiledatenbank bietet Mouser den Herstellern einen kontinuierlichen, technischen Rund-um-die-Uhr-Support“, konstatiert Graham Maggs.

Er betont auch die Online-Tools, mit denen sich der Designzyklus vereinfachen und verkürzen lässt, „während sichergestellt ist, dass der Kunde die neusten Fortschritte im Bereich der Bauelemente nutzen kann“. Mit dem intelligenten Stücklisten-Importtool BOM können Benutzer ihre persönlichen Einstellungen setzen und die eigene Formatierung beibehalten. „Das erste Tool mit einer intelligenten Teilesuche mit Part-Resolution-Intelligence ermöglicht es dem Benutzer, Bauteile auch ohne vollständige Teilenummer zu finden”, erläutert Graham Maggs. „Stücklisten lassen sich als einfache Teillisten oder im Excel-Originalformat des Kunden in das Tool laden. Darüber hinaus ist es das einzige Online-Tool für die Stücklistenerstellung, mit dem sich bis zu fünf Spalten kundenspezifischer Mengenangaben verarbeiten lassen. Ebenfalls einzigartig ist die Möglichkeit, die Teilenummern der Wettbewerber in der Teilesuche mit anzugeben, und die automatische Spaltenauswahl anhand der Spaltenüberschriften des Kunden.“ Zum Funktionsumfang gehören auch die Suche nach Alternativteilen sowie die Bereitstellung detaillierter Informationen zu Bauteilstatus, Preis, Lagermenge, Lieferzeit und RoHS-Konformität. Für zukünftige Bestellungen lassen sich die Stücklisten speichern.

Wer suchet, der findet

Mit dem neuen Search-Accelerator für die beschleunigte Suche wird jeder Webbrowser zu einem Bauteilefinder: Der Anwender kann von jeder Website aus Teile nach Nummer oder Schlüsselwort suchen und deren Verfügbarkeit auf www.mouser.com prüfen, ohne die aktuelle Website verlassen zu müssen. Dadurch verkürzt sich die Suche nach neuen Bauteilen. Zudem kann der Search-Accelerator jetzt in Kombination mit dem Microsoft Office-Paket zum Einsatz kommen, was die Recherche nach Bauteilinformationen aus oft genutzten Programmen ermöglicht. Hierfür markiert der Anwender eine Teilenummer oder ein Schlüsselwort in einer Outlook-E-Mail oder einem Excel-Arbeitsblatt und klickt anschließend auf „Search Mouser“, um die Suchergebnisse und Produktdetails zu sehen.

„Das Internet ist für das Geschäftsmodell von Mouser von größter Wichtigkeit“, erklärt Graham Maggs. „Es ermöglicht uns nicht nur, den Entwicklern die neusten Produkte vor jedem anderen Anbieter an die Hand zu geben sondern auch detaillierte Design-Inhalte anzubieten. Referenzdesigns, Entwurfsansätze, Whitepaper und Artikel stellen eine sehr wichtige, umfassende und aktuelle Informationsquelle dar, die jederzeit und kostenlos jedem zur Verfügung steht, der ein neues Produkt entwerfen möchte.

Trotz des starken Engagements für internetbasierte Tools hat Mouser aber die Tatsache vor den Augen, dass Menschen Geschäfte mit Menschen machen. „Deshalb haben wir neun Geschäftsstellen in Europa eingerichtet, damit die Leute in Echtzeit und in ihrer Sprache mit jemandem sprechen können, der mit den lokalen Geschäftspraktiken vertraut ist“, erklärt Maggs die Strategie außerhalb des World-Wide-Web, und ist davon überzeugt, „dass diese Kombination aus Online-Service und persönlichem Kundendienst Mouser einzigartig macht.“