Patrick Schwarzkopf (links), Geschäftsführer VDMA Robotik+Automation, und Falk Senger, Geschäftsführer Messe München

Patrick Schwarzkopf (links), Geschäftsführer VDMA Robotik+Automation, und Falk Senger, Geschäftsführer Messe München Melanie Swiatloch, Redaktion IEE

„Auf der Automatica 2014 war Industrie 4.0 noch eine Vision, heute ist Industrie 4.0 in der Industrie angekommen“, so das Urteil von Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München. Ein Beispiel dafür ist die Mensch-Roboter-Kollaboration, die durch die digitale Vernetzung möglich wird. Gleichzeitig spielen Software, Bildverarbeitungssysteme und Sensoren eine immer größere Rolle, denn sie „erlauben es Robotern und Maschinen, mit der Infrastruktur einfach und sicher zu kommunizieren“, sagt Senger. Unternehmen aus all diesen Bereichen waren auf der Automatica vertreten. Der „durch Industrie 4.0 bedingte Automatisierungsboom“ spiegele sich im steigenden Interesse an der Automatica wieder. Dementsprechend konnte der Messeveranstalter in allen Bereichen einen Ausstellerzuwachs verzeichnen. Bei der Robotik waren zum Beispiel mit 258 Ausstellern 14 % mehr als auf der Automatica 2014 vertreten.

Ergebnisse des Automatica Trend-Index 2016

Aus dem Automatica Trend-Index 2016: Die Teilnehmer wurden unter anderem gefragt, wie es bei ihnen im Betrieb um den Einsatz von Robotern bestellt ist.

Aus dem Automatica Trend-Index 2016: Die Teilnehmer wurden unter anderem gefragt, wie es bei ihnen im Betrieb um den Einsatz von Robotern bestellt ist. Messe München

Aber was denken Automatisierungsentscheider zum Thema Industrie 4.0? Im Auftrag der Messe wurden dazu im Vorfeld 100 Manager in Deutschland befragt, die darüber entscheiden, ob und welche Automatisierungstechnik in ihrem Unternehmen zum Einsatz kommt. Sie stammen aus den Branchen Fertigungsindustrie, Transport und Lagerung sowie Großhandel. Das Ergebnis: 83 % der Befragten sehen Roboter als Schlüsseltechnologie für I 4.0. Fast genauso viele meinen, dass der Einsatz von Industrierobotern in mittelständischen Betrieben nicht mehr eine Frage des ‚ob‘ als vielmehr des ‚wann‘ ist. Dabei werden insbesondere die kollaborativen Roboter, sogenannte Cobots (collaborative robot), in die Unternehmen einziehen. „Der Siegeszug von Industrierobotern in kleinen und mittelgroßen Unternehmen wird durch die günstigeren Preise der neuen Generation von Leichtbaurobotern und die flexible Bedienbarkeit vorangetrieben“, erläutert Senger. Viele der Cobots lassen sich per Teach-In programmieren, indem ein Mitarbeiter einfach den Roboterarm führt. Dies befinden 89 % der Befragten für wichtig. Die gleiche Menge der Befragten glaubt, dass Mensch-Roboter-Teams die Kreativität der Werker und die Präzisionsfähigkeit der Roboter vorteilhaft verbinden.

Problemfelder bleiben: für einige der Befragten bei der Datensicherheit. So ist der Einsatz von Cobots in diesem Zusammenhang ein Hindernis für 41 %. Fast ebenso viele Umfrageteilnehmer sehen aber auch bei den klassischen Industrierobotern darin ein Problem. Insgesamt betrachtet, haben sich bislang aber nur 5 % der Befragten gegen den Einsatz von Robotern entschieden. Die restlichen Teilnehmer zeigen Interesse (27 %), analysieren Einsatzmöglichkeiten (27%) beziehungsweise haben sich bereits für den künftigen Einsatz entschieden (8%). Bei 17 % der Befragten unterstützen Roboter bereits die Produktion. 16 % sind noch unentschlossen.

Erfolgsjahr für die Robotik

Die Roboter kommen: Für 2016 geht der VDMA von einem Branchen-Umsatz von 12,5 Milliarden Euro aus.

Die Roboter kommen: Für 2016 geht der VDMA von einem Branchen-Umsatz von 12,5 Milliarden Euro aus. Melanie Swiatloch, Redaktion IEE

2015 hat die deutsche Robotik und Automation ein Umsatzvolumen von 12,2 Milliarden Euro erzielt. Rekord! Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Plus bei 7 %. Die einzelnen Segmente erreichten folgende Umsatzvolumen: Integrated Assembly Solutions (vormals Montage- und Handhabungstechnik) 6,9 Milliarden Euro (plus 10 %), Robotik 3,3 Milliarden Euro (plus 1 %), Industrielle Bildverarbeitung zwei Milliarden Euro (plus 9 %).

Im Jahr 2016 hat letztere die Nase laut VDMA vorn: „Wir glauben, dass die  industrielle Bildverarbeitung 2016 nach unseren aktuellen Analysen sehr deutlich zunehmen wird, nämlich um 8 %. Dann wird sie einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erreichen“, erläutert Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Robotik+Automation. Dies führt der Verband vor allem auf den weltweiten Trend zur Automatisierung und Digitalisierung zurück, für den die Bildverarbeitung eine Schlüsselkomponente darstellt. Für die Robotik erwartet der Verband einen Zuwachs von 2 % auf 3,4 Milliarden Euro. Bei dem Segment Integrated Assembly Solutions, zu dem wiederum die Bereiche Systeme und Komponenten zählen, ist dagegen davon auszugehen, dass das aktuelle Niveau gehalten wird. Dies hängt unter anderem mit den teils großen zeitlichen Abständen zwischen Auftragseingang und Rechnungsstellung zusammen. Für 2016 erwarten die Systemhersteller nach dem starken Wachstum 2015 und 2014 dementsprechend einen leichten Umsatzrückgang. Der Komponentenumsatz setzt sein  Wachstum dagegen fort.

Insgesamt betreachtet, wird der Umsatz der Robotik und Automation im laufenden Jahr nach Einschätzung des VDMA auf 12,5 Milliarden Euro steigen, was einem Plus von 2 % entsprechen würde.