Palatschinken, Wiener Schnitzel, berühmte Wintersportler und tausende erstklassige Pisten-Kilometer; der Film „Sieben Jahre in Tibet“ mit Brad Pitt wurde in Österreich gedreht. In fast jedem Fluss, Bach und See ist kristallklares Trinkwasser. Horden weltberühmter Komponisten wie Mozart, Strauss, Haydn, Bruckner, Mahler und andere hat das Alpenland hervorgebracht. Auch die 85. Oscar-Verleihung in diesem Jahr war für die Österreicher ein riesiger Erfolg. Gleich zwei Oscars gab es für das Nachbarland Deutschlands. Christoph Waltz und Michael Haneke haben in Los Angeles den international begehrtesten Preis der Filmbranche erhalten. Aber Österreich ist nicht nur ein Land von Kultur, Musik und Tourismus, sondern auch eine hochtechnologisierte Industrienation.

Viele Unternehmen – von Infineon, Eaton, AKG, Alcatel über Hewlett Packard bis zu Siemens und Sony – errichten sowohl ihre internationalen F&E-Zentren als auch Werke für die Fertigung von Qualitätsprodukten in dem kleinen Land, das sich vom Bodensee bis zum Neusiedlersee erstreckt. Aber nicht nur die großen Konzerne tragen zum Erfolg der österreichischen Elektronikindustrie bei. Das Alpenland ist auch geprägt von vielen kleinen bis mittleren Unternehmen, die sich in Nischen etablieren und dort oftmals eine Technologie-führende, dominante Position erobern.

300-mm-Dünnwafer-Serienfertigung in Villach

Anfang dieses Jahres hat der Halbleiterhersteller Infineon nach knapp dreijähriger Vorbereitung nun die Serienfertigung mit 300-mm-Dünnwafern auf der Pilotlinie am Standort in Villach, dem Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter, begonnen.

Anfang dieses Jahres hat der Halbleiterhersteller Infineon nach knapp dreijähriger Vorbereitung nun die Serienfertigung mit 300-mm-Dünnwafern auf der Pilotlinie am Standort in Villach, dem Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter, begonnen. Infineon

Anfang dieses Jahres hat der Halbleiterhersteller Infineon nach knapp dreijähriger Vorbereitung nun die Serienfertigung mit 300-mm-Dünnwafern auf der Pilotlinie am Standort in Villach, dem Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter, begonnen. Die dazu nötige Forschung und Entwicklung hat ebenfalls Infineon Österreich, Tochter des deutschen Infineon-Konzerns, getragen, von der Projektidee über erste Machbarkeitsstudien bis zur heutigen Serienreife. In Villach werden demnächst weitere Leistungshalbleiter-Technologien auf die 300-Millimeter-Linie transferiert und gefertigt. Parallel dazu läuft in Villach auch die Forschung an alternativen Halbleitermaterialien wie SiC (Siliziumkarbid) und GaN (Galliumnitrid). Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich in Villach, Graz, Klagenfurt und Linz. Infineon investiert weiterhin kräftig in die Österreich-Tochter. Von der neuen Technologie verspricht sich das Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil: Die Fertigung auf den 300-mm-Dünnwafern bietet höhere Ausbeuten und einen geringeren Materialverbrauch als die herkömmliche Produktionsweise. Dank des größeren Durchmessers könnten im Vergleich zu den gängigen 200-mm-Scheiben zweieinhalbmal so viele Chips gefertigt werden und die Kosten lassen sich, so das Unternehmen, dadurch um 20 bis 30 Prozent senken.

HSMtec-Platinenwürfel: Die Platinetechnik HSMtec ist für den Einsatz in Hochstromanwendungen ausgelegt.

HSMtec-Platinenwürfel: Die Platinetechnik HSMtec ist für den Einsatz in Hochstromanwendungen ausgelegt. Häusermann

Häusermann, ansässig in Gars hat sich mit der Herstellung von Leiterplatten und Folientastaturen von einem Pionier in der Leiterplattenproduktion zu einem führenden High-Tech-Unternehmen entwickelt. Das Leiterplatten-Portfolio reicht von HDI/Microvia und Multilayer über starrflexible und doppelseitige Platinen. Herausragend ist die HSMtec-Technologie, die sich für eine Vielzahl von Anwendungen eignet, die hohe Ströme verwenden und ein effizientes Wärmemanagement benötigen. Bei hohen Strömen drosselt HSMtec die Hitzeentwicklung zügig auf zulässige Partial- und Systemtemperaturen. Die integrierten Kupferelemente stemmen Ströme von bis zu 500 A. Über acht technische Herausforderungen wurden in der Baugruppe umgesetzt, wie etwa die Abstände für Luft und Kriechstrecken, Stromtragfähigkeit der elf Leistungspfade bei einer Umgebungstemperatur von 150 °C und geringem Wärmeeintrag, mäanderförmige Verschachtelung der Platzierung, analoge Strommessung der Wechselrichter, niederohmige Spannungsversorgung und getrennt geführte Bussysteme.

AMS ist Anbieter von Hochleistungs- und Standard-Analog-ICs sowie Sensoren. Die hauptsächlichen Anwendungsbereiche der Produkte sind Kommunikations-, Industrie-, Medizin- und Automobiltechnik.

AMS ist Anbieter von Hochleistungs- und Standard-Analog-ICs sowie Sensoren. Die hauptsächlichen Anwendungsbereiche der Produkte sind Kommunikations-, Industrie-, Medizin- und Automobiltechnik. AMS

AMS ist Anbieter von Hochleistungs- und Standard-Analog-ICs sowie Sensoren mit Hauptsitz in Unterpremstetten im Bezirk Graz-Umgebung. Die hauptsächlichen Anwendungsbereiche der AMS-Produkte sind Kommunikations-, Industrie-, Medizin- und Automobiltechnik. Der Halbleiterhersteller plant, in eine neue Technologie 35 Millionen Euro zu investieren. Damit sollen auch in der Steiermark rund 20 neue Arbeitsplätze geschaffen werden: ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Österreich. Geplant ist die Investition in eine sogenannte TSV-Linie. Bei diesem Verfahren werden Halbleiter, die zum Beispiel in Autos, Handys oder Computern eingebaut sind, vor äußeren Einflüssen geschützt. Mit dieser Technologie kann ein Vorgang, der vor zehn Jahren nach Asien ausgelagert wurde, wieder in die Fertigung nach Österreich zurückgeholt werden. Die hohen Investitionen in Entwicklung und Technologie will das Unternehmen ungern aus der Hand geben.

Ein weiteres Beispiel für High-Tech aus Österreich ist Codico (Component Distributing Company), tätig im Design-In-Vertrieb hochwertiger elektronischer Bauelemente in den Bereichen aktive und passive Bauelemente sowie Verbindungstechnik. Der Distributor agiert vom österreichischen Headquarter in Perchtoldsdorf im Süden Wiens als unabhängiges, in Privatbesitz befindliches Unternehmen mit 17 Vertriebsbüros in Deutschland und je einem Büro in Dänemark, Italien, Frankreich, UK sowie acht Partnerunternehmen in Zentral- und Osteuropa. Der im Jahr 1977 gegründete Distributor erwirtschaftete in 2012 mit 121 Mitarbeitern knapp über 80 Millionen Euro.

Ginzinger electronic systems ist ein Eigentümer-geführtes Unternehmen mit 70 Mitarbeitern und ansässig in Weng im Innkreis. Die Hauptmärkte des Problemlösungsspezialisten für Entwicklung und Fertigung maßgeschneiderter elektronischer Baugruppen in der Industrie- und Automatisierungsbranche befinden sich im deutschsprachigen Raum. Speziell im Bereich der Entwicklung von Leistungselektronik, Embedded-Lösungen sowie kundenspezifischer Steuerungstechnik verfügt das Unternehmen bereits über mehr als 19 Jahre an Erfahrung und Know-how.

Das Spielkarten-große System-on-Module lässt sich in sehr widrigen Umgebungen einsetzen.

Das Spielkarten-große System-on-Module lässt sich in sehr widrigen Umgebungen einsetzen. Bluetechnix

Das 2004 gegründete österreichische Unternehmen Bluetechnix bietet eine breite Produkt- und Dienstleistungspalette im Embedded-Systems-Bereich an; angefangen von der Idee über das Schaltungsdesign mit abschließender Serienreife bis hin zur EMV-Optimierung. Die so entstandenen drei Bereiche Products, Solutions und Laboratories decken die Geschäftsfelder von Bluetechnix von der Herstellung vom SoM (System-on-Modules) bis hin zur kundenspezifischen Entwicklung von Embedded-Systemen sowie EMV-Messung und Zertifizierung im eigenen EMV-Labor und in Partnerschaft mit dem TüV Austria ab. Mit dem CM-i.MX6 bringt der Wiener Embedded-Spezialist ein neues System-on-Module auf den Markt, bei dem der Kunde zwischen drei verschiedenen ARM-Prozessoren von Freescale wählen kann, bei gleichbleibender Pin-Belegung. Von einem 1-GHz-Single-Core-Cortex-A9 bis hin zu einem 1,2-GHz-Quad-Core mit 1 MByte Cache und drei Grafik-Engines, davon eine mit 3D-Unterstützung und vier Shadern, werden alle Zwischenstufen angeboten. Ein Hardware-Update von Endprodukten durch Prozessor- und Speicher-Upgrades kann somit ohne Entwicklungsarbeit am fertigen Produkt erfolgen. Vor allem bildgebende Multimedia-Geräte im Security-Bereich, hochverfügbare Sicherheitslösungen und belastbare industrielle Geräte stehen somit im Anwender-Fokus beim CM-i.MX6.

Ebenfalls tätig auf dem Gebiet Forschung und Entwicklung im Bereich Embedded-Electronic ist das 90 Mitarbeiter große Unternehmen Technosert. Eigenprodukte gibt es nicht. Der in Wartberg ansässige Elektronik-Dienstleister betreut seine Kunden von der Idee bis zur Serienreife des Produktes. Die im Auftrag produzierten Geräte und Module werden auch im Feldeinsatz betreut.

Zu einem führenden österreichischen E2MS-Unternehmen hat sich Becom in den letzten Jahren entwickelt. Seit 1985 beschäftigt sich die Firma mit Sitz in Lockenhaus mit der Auftragsabwicklung beziehungsweise -fertigung von elektronischen beziehungsweise elektromechanischen Baugruppen und Geräten, von Musterbauten über Nullserien bis zur Serienproduktion.

Die für die Zeitsynchronisierung bestimmten Geräte OTMC 100i (gelb)  und OTMC 100p. Die rote Version unterstützt auch das Power-Profil gemäß IEEE C37.238-2011.

Die für die Zeitsynchronisierung bestimmten Geräte OTMC 100i (gelb) und OTMC 100p. Die rote Version unterstützt auch das Power-Profil gemäß IEEE C37.238-2011. Omicron Lab

Die 2006 ins Leben gerufene Omicron Lab, mit Sitz in der Gemeinde Klaus im Bundesland Vorarlberg, ist ein auf Messtechnik spezialisierter Unternehmensbereich der Firma Omicron electronics. Er liefert professionelle intelligente elektronische Messlösungen und bedient mehr als 40 Länder mit Niederlassungen in Europa, Amerika, Ost-Asien und ein internationales Netz von Distributoren. Eine der aktuellen Produktentwicklungen sind die PTP Grandmaster Clocks der OTMC 100-Serie. Sie ermöglichen die präzise und einfache Zeitsynchronisierung von Messgeräten mittels Precision Time Protocol (PTP) gemäß IEEE 1588-2008. Eine aktive Antenne und ein 12-Kanal GPS-Empfänger mit sehr hoher Empfindlichkeit sorgen dafür, dass auch unter schwierigsten Empfangsbedingungen verlässliche Zeitreferenzsignale zur Verfügung stehen.

Sein Programm an hoch effizienten Mini-Netzteilen im Leistungsbereich bis 10 W erweitert Recom. Die neuen Mini-Netzteile RAC04/277 (4 W) und RAC10/277 (10 W) sind für die Leiterplatten-Montage konzipiert und zeichnen sich durch besonders niedrige Leerlaufleistungen von 50 mW für das 4-W-Modul beziehungsweise 300 mW für das 10-W-Modul aus. Damit liegen die Module bis Faktor zehn unterhalb der in der EuP-Richtlinie für Standby- und Scheinaus-Betrieb fixierten Grenzwerte.

Mit den Serien RAC04/277 (4 W) und RAC10/277 (10 W) erweitert Recom sein Programm an hoch effizienten Mini-Netzteilen im Leistungsbereich bis 10 W.

Mit den Serien RAC04/277 (4 W) und RAC10/277 (10 W) erweitert Recom sein Programm an hoch effizienten Mini-Netzteilen im Leistungsbereich bis 10 W. Recom

Zweitgrößte Industriebranche

Die Elektro- und Elektronikindustrie in Österreich ist die zweitgrößte Industriebranche des Landes und exportiert rund 70 Prozent ihrer Produktion. Die Unternehmen der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie leisten mit ihren Produkten, Systemen und Komponenten einen entscheidenden Beitrag dafür, dass die Energienetze der Zukunft intelligent, die Mobilität innovativ, die Kommunikations- und Informationsübertragung noch schneller und das Gesundheitswesen effizienter wird. Die Interessen der etwa 300 Unternehmen dieser Branche mit mehr als 60.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 12,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 werden vom Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie  vertreten. Zu den wichtigsten Fachbereichen gehören dabei die Energie- und Verkehrstechnik, Beleuchtung, Consumer Electronics, Antriebstechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Elektronik und Automatisierungstechnik.

Als einer der innovativsten Industriezweige des Acht-Millionen-Einwohner-Landes tätigt die Elektro- und Elektronikindustrie rund ein Drittel der F&E-Investitionen. Diese überdurchschnittlich hohen Forschungsinvestitionen waren und sind sicher einer der Hauptursachen für den beachtlichen Erfolg der Elektronikindustrie. In der regionalen Betrachtung der F&E-Ausgaben allgemein entfallen, aufgeteilt nach den neun Bundesländern, 38,1 Prozent aller Aktivitäten auf Wien. Die Steiermark folgt mit 17,8 Prozent, vor Oberösterreich mit 15,2 Prozent. Tirol (9,1 Prozent) und Niederösterreich (8 Prozent) rangieren dahinter. Kärnten kommt auf einen Anteil von 5,2 Prozent, Salzburg auf 3,2 Prozent, Vorarlberg liegt bei 2,7 Prozent und das Burgenland bei 0,5 Prozent.

Auf Platz drei im EU-Vergleich

Trotz der Eurokrise stehen die Österreicher der Europäischen Union weiterhin überwiegend positiv gegenüber. Bezogen auf die Wirtschaftskraft pro Person der Bevölkerung ist Österreich im EU-Vergleich auf Platz drei vorgerückt. Insgesamt rechnen Ökonomen für 2013 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gemäß WIFO und 1,7 Prozent gemäß IHS. Für die österreichische Volkswirtschaft wird ein reales Wachstum im Jahr 2013 von 1,0 Prozent und für 2014 von 1,8 Prozent erwartet. Einen wesentlichen Beitrag für das Wirtschaftswachstum in Österreich leisteten intelligente Energiesysteme, smarte Mobilität und mobile Kommunikation. Im Jahr 2011 legte der Bereich Energietechnik mit 16 Prozent zu, bei Bauelementen betrug die Steigerung beeindruckende 47 Prozent.