Broadcom hat Qualcomm einen Deal vorgelegt, der einem Gesamtwert von 130 Milliarden US-Dollar entsprechen würde. Konkret bot das Unternehmen aus Singapur Anteilseignern pro Qualcomm-Aktie 60 US-Dollar Cash sowie 10 US-Dollar in Broadcom-Anteilen an. Damit liegt das Angebot 28 Prozent über dem Schlusspreis der Qualcomm-Aktie vom Freitag. Käme der Deal zustande, würde es sich um die bis dato größte Übernahme innerhalb der Branche handeln. Der auf diese Weise entstehende Konzern dürfte vor allem Chiphersteller Intel in arge Bedrängnis bringen.

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Kommt die Rekordübernahme bei den Computerchips? Broadcom plant die Übernahme von Qualcomm. Coolcaesar, Wikipedia, eigenes Werk

Die Akquisitionspläne sind aus mehreren Gründen bemerkenswert: Einerseits wären sie das Meisterstück für das vor allem für WLAN- und Bluetooth-Chips bekannte Broadcom. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Singapur, das vormals als Avago firmierte, befindet sich seit Längerem auf einem aggressiven Expansionskurs. Zu den Übernahmen zählte unter anderem die US-Firma Broadcom Corporation 2015, deren Namen im Zuge dessen Avago für die 37 Milliarden US-Dollar gleich mit akquirierte.

Qualcomm ist dagegen nicht nur das Ziel eines Mega-Mergers, sondern steckt selbst mitten in der Übernahme der niederländischen RFID-Chip-Spezialisten NXP: Der Deal für 38 Milliarden US-Dollar liegt derzeit wegen der Bedenken europäischer Regulierungsbehörden auf Eis.

Auch Broadcoms Gebot für Qualcomm könnte die Wettbewerbsbehörden auf den Plan rufen: Will das singapurische Unternehmen die US-Firma kaufen, ist eine gesonderte Erlaubnis der amerikanischen Regierung erforderlich. Die Chancen dafür stehen jedoch gut, da Broadcom-CEO Hock Tan bereits ankündigte, seinen Hauptsitz in die USA zu verlegen. Damit wäre die Sondergenehmigung in dieser Hinsicht wohl hinfällig. Ein Merger zwischen den viert- und sechstgrößten Halbleiterkonzernen könnte dennoch das für Kartellangelegenheiten zuständige Justizministerium auf den Plan rufen.