Licht ins Dunkel der EU-Verordnungen verspricht der neu aufgelegte FBDi-Umwelt- und Konformitätskompass.

Licht ins Dunkel der EU-Verordnungen verspricht der neu aufgelegte FBDi-Umwelt- und Konformitätskompass.FBDi

Er bietet allen Herstellern entlang der Lieferkette übergreifend in allen Branchen ein einfacheres Handling der Direktiven und Gesetzgebungen für elektronische Bauelemente auf EU-Ebene.

Seit dem 13. August 2012 ist die neue WEEE-Richtlinie 2012/19/EU in Kraft. EU-Kommission und EU-Parlament hatten sich mit dem Europarat auf einen Kompromiss geeinigt. Dabei haben sie offensichtlich lange um eine Übereinkunft gerungen, denn die zeitgleich gestartete Überarbeitung der RoHS-Richtlinie war da schon seit über einem Jahr abgeschlossen.

Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen bleibt die WEEE-Richtlinie weiterhin eine große Hürde. Deutlich verbessert wurde die erweiterte Fassung hinsichtlich des Umweltschutzes: höhere Sammelquoten, höhere Verwertungsquoten, mehr Geräte fallen unter die WEEE 2.0, wie etwa PV-Module, die der neuen Kategorie 4 zugeordnet wurden. Sicherlich positiv für die Umwelt ist auch die strengere Fassung hinsichtlich des Exports von Altgeräten.

Neuerungen bei RoHS2 und REACh

Neuerungen gibt es auch mit RoHS2. Unter der EU-Verordnung 768/2008 sind die CE-Richtlinien und die Begriffe unter der Rahmengesetzgebung der New Legislation Framework sozusagen harmonisiert und damit vereinheitlicht. Neu ist auch, dass mit Inkrafttreten von RoHS 2.0 im Januar 2013 alle Produkte, die derzeit unter die RoHS-Richtlinie fallen, auch den CE-Anforderungen entsprechen müssen. Das trifft dann auch auf derzeit ausgenommene Produkte zu, sobald sie unter den Geltungsbereich fallen. Was bedeutet dies konkret? Wer ein Elektronikgerät herstellt, muss ab diesem Jahr (2013) eine Konformitätserklärung ausfüllen. Dabei handelt es sich nicht um eine Absichtserklärung, sondern um ein offizielles Dokument auf gesetzlicher Grundlage. Eine wesentliche Änderung in der neuen RoHS-Richtlinie ist, dass Geräte dann nicht mehr unter RoHS 2.0 fallen, wenn sie ausschließlich zu Zwecken der Forschung und Entwicklung dienen: Ausgenommen sind damit also Referenz-Boards und Evaluation-Kits. Damit, so scheint es, möchte die EU den Entwicklungsstandort Europa hochhalten, um die Innovationsinitiative „Horizon 2020″ zu untermauern.

Für besonders hohen Arbeitsaufwand in der Elektronikindustrie sorgt die Chemikalienverordnung REACh, die schädliche Substanzen in den Erzeugnissen in der Lieferkette reguliert. Die Kandidatenliste der REACh-Verordnung verzeichnet mittlerweile 84 Substanzen. Unter dem Begriff Substances of Very High Concern (SVHCs) sind die als besonders besorgniserregend geltenden Stoffe gebündelt. Darunter sind auch einige Substanzen, die in der Elektronik breiten Einsatz finden wie etwa Weichmacher oder Flammhemmer. Wer solche Chemikalien in bestimmten Mengen in seinen oder den von ihm verkauften Erzeugnissen hat, muss das der ECHA melden (Notifizierungspflicht). Diese Stoffe können in den Anhang XIV (Verzeichnis der zulassungspflichtigen Stoffe) aufgenommen werden. Allerdings bedeutet die Aufnahme eines Stoffes in die SVHC-Liste nicht zwingend, dass dieser automatisch verboten ist. Vielmehr heißt dies erst einmal, dass diese Stoffe einem Evaluierungsprozess unterworfen sind, und unter klar definierten Kriterien eine Informationspflicht innerhalb der Lieferkette besteht. Eine Aufnahme in den Anhang XIV würde dann aber ein schrittweises Verbot bedeuten.

Durch den Dschungel der EU-Regularien navigieren

Auf weniger als 150 Seiten fasst der vom Fachverband Bauelemente-Distribution ausgearbeitete Umwelt- und Konformitätskompass die EU-Regularien in drei einander ergänzenden Teilen zusammen. Die neuen Direktiven WEEE2 und RoHS2 sind in der aktualisierten, nun auch in englischer Sprache erhältlichen Version berücksichtigt. Der Kompass adressiert alle Wirtschaftsakteure in der Lieferkette, nicht nur die Distributoren. Dabei schafft er Transparenz im Umgang mit Fragen zur Konformität mit den relevanten EU-Gesetzen, derzeit immerhin über 33 an der Zahl. Dazu fasst das Kompendium über 180.000 Seiten zumeist nur schwer verständliche Direktiven kompakt zusammen und erläutert deren Handhabung anhand von Flowcharts und Hinweisen.

Damit die Anforderungen auch für Hersteller auf anderen Kontinenten nachvollziehbar und ausführbar bleiben, beschränkt sich der FBDi-Kompass auf ein notwendiges Minimum an Daten. Zugleich stellt er sicher, dass alle Wirtschaftsakteure in der Lieferkette bezüglich der anwendbaren EU-Vorschriften die gleiche Sprache sprechen und wissen, welche Daten zur Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtungen notwendig und erforderlich sind, unabhängig vom Übermittlungsformat. Die komplett überarbeiteten, übersichtlich gestalteten Flussdiagramme (Flowcharts), die zügig durch die Regularien weisen. Das Prinzip funktioniert immer gleich – dank seiner Matrix lässt sich die Frage „Betroffen oder nicht?“ für jedes Produkt schnell klären. Jeder Schritt endet mit einem Hinweis darauf, was als nächstes zu prüfen ist. Die Autoren haben auf die flexible Handhabung besonderen Wert gelegt. Alle Teile seien logisch aufeinander aufgebaut und mit Querverbindungen zueinander versehen. Daher lässt sich mit dem FBDi-Kompass auf mehrere Arten arbeiten.

Verschiedene Suchmodi sind möglich. So gibt der Teil 1 „Betroffenheitsanalyse“ Auskunft über die eigene Akteursrolle, und führt den Kompass-Anwender gleich weiter zu den für sein Produkt relevanten Vorschriften. Teil 2 „Klassifizierungsalbum“ besagt, in welche Produktkategorie das Produkt gehört. Anhand von Beispielbildern kann man sich hier auch rückversichern, dass man sein Produkt der richtigen Kategorie zugeordnet hat. Auch die wichtigsten Verordnungen sind hier erwähnt. Kennt man hingegen die für das Produkt zutreffende Kategorie, reicht der Blick in den Teil 3 „Mandatory Data“. Hier sind die erforderlichen Daten übersichtlich zusammengestellt, so dass man die erforderlichen Schritte für die Regularien gezielt nachlesen kann

Die Version 2.0 in deutscher und englischer Sprache ist ab sofort in digitaler Version erhältlich.