Ein kompletter Werksneubau an anderer Stelle, wie angekündigt, dauert den verbliebenen Kunden offenbar zu lange. Unimicron stoppte daher dieses Projekt „definitiv“, wie Geschäftsführer van Dierendonck Anfang April offiziell mitteilte. Erst wenige Wochen zuvor hatte er das 100-Millionen-Neubauprojekt verkündet: Der Mutterkonzern Unimicron aus Taiwan habe grünes Licht gegeben, man sei sich einig mit der Stadt als Genehmigungsbehörde auch über Grunderwerb an anderer Stelle und auch die Versicherungen trügen diese Lösung mit.

Über die Jahrzehnte gewachsen: Der aus einem alten Vorkriegsschlachthof entstandene Ruwel-Standort seit dem Start im Jahr 1951 viele Umbauten und Werksanbauten erlebt.

Über die Jahrzehnte gewachsen: Der aus einem alten Vorkriegsschlachthof entstandene Ruwel-Standort seit dem Start im Jahr 1951 viele Umbauten und Werksanbauten erlebt. Productronic-Archiv

Das war bereits die dritte Variante, wie es mit dem Leiterplattenhersteller weitergehen soll. Dreieinhalb Monate nach dem Großbrand, war man wieder ganz am Anfang und wägt die ersten beiden Varianten – den Wiederaufbau des abgebrannten Werkes gegen einen Neubau einer Innenlagenfertigung auf der grünen Wiese nebenan – ab. Auch jetzt, einen Monat später, gibt es keinerlei aktuellen neuen Informationen. Die Internetseite des Unternehmens verkündet immer noch den längst überholten kompletten Neubau beider Werke.

Eine undankbare Situation auch für die Standortkommune Geldern: Diese war erleichtert über die Umsiedlung des Industrieunternehmens, das die problemlose Vermarktung eines Neubaugebiets in unmittelbarer Werksnähe aufgrund von Lärm- und Geruchsemissionen nachhaltig erschwerte. Jetzt bleibt Unimicron Germany, ehemals Ruwel, nach derzeitigem Stand an alter Stelle und wird mit umfangreichen Bauauflagen zum Schutz des Wohngebietes rechnen müssen. Andererseits stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Hatten Experten an dieser Stelle die extrem optimistischen Zeitprognosen des Geschäftsführers van Dierendonck mehrfach angezweifelt, musste auch er schließlich in der Lokalpresse eingestehen, dass man „in allen Richtungen auf Verzögerungen zulaufe.“ Von „Herausforderungen“ durch die Kunden, sprach der Manager in der örtlichen Rheinischen Post: „Die wollen so schnell wie möglich wieder Leiterplatten aus Geldern haben.“ Das verwundert nicht. Schließlich verlangt die qualitätskritische Automobilkundschaft schon bei einzelnen Prozessänderungen erneute Freigaben, Prüfmuster und Audits.

Der Erhalt des Unimicron-Standorts in Geldern sei sicher, wird van Dierendonck nicht müde, öffentlich zu beteuern. Schließlich habe man schon für Millionenbeträge neue Maschinen bestellt. Die stehen dem taiwanesischen Konzern von der Versicherung ja auch zu. Nur diese müssen nicht zwangsweise in Geldern ans Netz gehen.