Alle für das Ladesystem notwendigen Fähigkeiten besitzen die beteiligten Komponenten bereits, denn auch innerhalb des elektrischen Antriebsstrangs wird ständig zwischen Gleich- und Wechselstrom verschiedener Spannungslagen hin und her gewandelt. Diese Eigenschaft nutzt Continental nun, um damit die Anforderungen unterschiedlicher Ladetechniken im Fahrzeug abzudecken. Auf diese Weise kann der Fahrer nicht nur an jeder im Moment im Einsatz befindlichen Ladestation vorfahren und mit bis zu 800 V und bis zu 350 kW Ladeleistung „tanken“ – er hat bei Bedarf im Fahrzeug 230 V Wechselstrom zur Verfügung. Mit seiner Vehicle-2-Device Technologie kann das All-Charge-System zudem mobile elektrische Geräte wie etwa einen Laptop oder eine Bohrmaschine aus der Fahrzeugbatterie mit Strom versorgen.

as bidirektionale All-Charge-Ladesystem eröffnet neue Nutzungsmöglichkeiten für die in der Fahrzeugbatterie gespeicherte Energiemenge, beispielsweise am Campingplatz.

Das bidirektionale All-Charge-Ladesystem eröffnet neue Nutzungsmöglichkeiten für die in der Fahrzeugbatterie gespeicherte Energiemenge, beispielsweise am Campingplatz. Continental

Das Nachladen einer Fahrzeugbatterie stellt sich aktuell oft noch wenig praktikabel dar: Entweder kann die Ladestation nur langsames, einphasiges Wechselstromladen (AC-Laden) oder die Ladestation bietet vielleicht schnelles DC-Laden (Gleichstromladen) – aber das Fahrzeug verfügt nicht über die entsprechende Technologie zum DC-Laden. Der Ausbau der Infrastruktur steht dabei vor einem Dilemma: Die kostengünstigen und deshalb am weitesten verbreiteten ein- und drei-phasigen AC-Ladestationen bringen eine verhältnismäßig lange Ladezeit mit sich. Die leistungsfähigen DC-Ladestationen sind wegen der teuren Gleichstromtechnik immer noch sehr selten. Zudem können viele Elektroautos noch nicht mit hoher DC-Spannung laden.

Ladesystem mit Zusatzfunktion

„Bisher fehlt so eine Art Universalschlüssel für das Laden, der für jede beliebige Säule passt“, sagte Dr. Martin Brüll, verantwortlicher Experte für das neue Ladesystem bei Continental. Diese Schlüsselfunktion sieht Brüll im All-Charge-Ladesystem umgesetzt. Das System ist ein weiterentwickelter elektrischer Antrieb, bei dem Elektromotor und Inverter (Wandler, der zwischen Gleich- und Wechselstrom hin und her wandelt) für die Zusatzaufgabe des Ladens ertüchtigt wurden. Als einzige Zusatzkomponente gehört zu diesem System ein DC/DC-Wandler, der die Spannung zur Batterie hin optimiert.

Von einem einzigen Kabelanschluss am Fahrzeug aus führen zwei Strompfade zur Batterie: Entweder fließt Wechselstrom von der Ladesäule durch den Elektromotor zum Inverter, wo er in Gleichstrom gewandelt wird, der weiter zur Batterie fließt; oder Gleichstrom von der Ladesäule fließt direkt durch den DC/DC-Wandler zur Batterie. Egal, welche Ladetechnik angezapft wird, kann das AllCharge-System bis zu 800 V Spannung und Leistungen von derzeit 150 kW und perspektivisch bis zu 350 kW für Premiumanwendungen annehmen. Auf der Continental Tech Show und der IAA 2017 wird das AllCharge-Ladesystem erstmals live demonstriert.