Wir können sicher sein, dass der Automobilzulieferer Valeo und der in den Bereichen Luftfahrt, Verteidigung und Security tätige Konzern Safran den Ort für ihre komplett in französischer Sprache abgehaltene Presseveranstaltung sehr bewusst gewählt haben: Im Hôtel des Invalides in Paris, gleich neben den Grab Napoleons I und direkt unter einem Portrait des Königs Ludwigs XIV verkündeten Jean-Paul Herteman, Chairman und CEO des französischen Konzerns Safran, und Jacques Aschenbroich, CEO von Valeo, in einem mit antiken Waffen dekorierten Saal die Details der Partnerschaft.

Die CEOs von Valeo (rechts) und Safran (links) erläutern Details rund um „ein echtes französisches Zentrum technologischer Exzellenz“.

Die CEOs von Valeo (rechts) und Safran (links) erläutern Details rund um „ein echtes französisches Zentrum technologischer Exzellenz“.Alfred Vollmer

„Schon bald werden wir Safran-Technologie in Valeo-Produkten finden und Valeo-Technologie in Safran-Produkten“, erklärte Jacques Aschenbroich. „Die Arbeiten basieren auf konkreten Zielen, die schnell Ergebnisse erzeugten. Unsere Teams sind vereint, sie arbeiten gut zusammen und respektieren sich gegenseitig. Mit anderen Worten: Wir sind ein Team, das dieselben Werte und die gleiche Obsession zur Innovation und zügigen Umsetzung teilt. Dies ist nur der Start einer langen Geschichte, die klar unsere Fähigkeit widerspiegelt, ein echtes französisches Zentrum technologischer Exzellenz zu entwickeln.“

„Safran und Valeo haben sich zusammengetan, weil wir an ähnlichen Technologien und Aspekten arbeiteten – jeder für seine eigenen Märkte“, kommentierte Jean-Paul Herteman. „Unsere Forschung fokussierte sich auf Bereiche wie die Steuerung automatisierter Fahrzeuge und von Drohnen in komplexen Umgebungen, Sicht unter schwierigen Bedingungen, 3D-Displays und Augmented Reality, Biometrie und Security-Features sowie Sensoren in den Bereichen Bildgebung, Akustik, Radar und Laser.“ Jacques Aschenbroich betonte, dass die Unternehmen sich direkt bei der Produktentwicklung unterstützen und dass es sich hier um einen „Transfer von Know-how ohne Begrenzungen“ handle. Im Rahmen der technischen Detailerklärungen sprach Aschenbroich unter anderem auch von Skalierungen und flexiblen Lösungen.

Beachtliche Ergebnisse

Zwar hatten die Unternehmen direkt vor dem Hôtel des Invalides eine Drohne und diverse andere Demo-Projekte beider Firmen als Ergebnis der Kooperation platziert, aber das unbestrittene Highlight war ein hochautomatisiertes Experimentalfahrzeug. Als Weltpremiere zeigte Valeo sein Cruise4U genanntes System. Vor dem Drive4U-Fahrzeug, einem modifizierten Volkswagen Passat, bildeten sich lange Schlangen, weil die ganzen Kamerateams und Vertreter der französischen Wirtschafts- und Publikumspresse damit unbedingt eine Runde auf dem abgesperrten Vorplatz fahren wollten; auf einen simulierten Verkehrsstau und eine rote Ampel, die dann auf grün wechselte, reagierte das Fahrzeug stets adäquat bei seiner Fahrt auf den vorgegebenen Trajektorien. Von Valeos Lidarsensor, der höchstwahrscheinlich 2016 in Serie gehen wird, und von Radar- oder Kamerasensoren war dabei kaum die Rede, wohl aber von der Software, in die Elemente aus dem Hause Safran eingeflossen sind. Auch Safrans ursprünglich für Verteidigungsanwendungen entwickelte Technologie zur Trägheitsnavigation kam in diesem Fahrzeug zur Anwendung.

Im Gegenzug zeigte Safran beispielsweise den Einsatz einer nach dem Stitching-Verfahren arbeitenden Kamera, die Valeo ursprünglich für Automotive-Applikationen entwickelte – und zwar in einem Militärfahrzeug. Diverse Anwendungen in den Bereichen Zugangssysteme (Security) und Connectivity rundeten die Exponate genauso ab wie Gesichtserkennung im Fahrzeug und ein Bildschirm statt Außenspiegel.

Man merkt, dass Safran und Valeo sich auf von beiden Unternehmen genutzte technologische Disziplinen fokussieren wollen, um die Entwicklung wirklich innovativer Produkte zu beschleunigen. Ob es durch die mögliche Nutzung militärischer Technologie, deren Entwicklung eventuell mit staatlichen Fördergeldern finanziert wurde, in Automobil-Anwendungen unter Umständen vielleicht zu wettbewerbsrechtlichen Verzerrungen kommen könnte, war zu keinem Zeitpunkt der Veranstaltung ein Thema.