Auf 59 Seiten beschreibt das Weißbuch „Sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ die Lücken in der aktuellen Standardisierung.

Auf 59 Seiten beschreibt das Weißbuch „Sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ die Lücken in der aktuellen Standardisierung.VDE

Medizinische Geräte müssen heute auch im Operationssaal verlässlich und interoperabel kommunizieren. Allerdings werden die Medizingeräteausstattungen im OP laut VDE zurzeit von herstellerspezifischen Lösungen weniger Anbieter dominiert. Gefragt sind daher standardisierte Schnittstellen. Hierzu haben die Normungsexperten von VDE|DKE mit Unterstützung des DIN (Deutsches Institut für Normung), IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) und HL7 (Health Level Seven) das Weißbuch „Sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ erarbeitet. Dort analysieren die Experten den aktuellen Stand der Medizingerätevernetzung im OP, sie identifizieren Standardisierungslücken und -bedarfe und weisen den Weg hin zu einer detaillierten Normungs-Roadmap. „Jeder interessierte Experte kann an ihrer Erstellung mitarbeiten“, erklärt Johannes Dehm vom VDE. Ziel der Normungs-Roadmap „Vernetzung in OP und Klinik“ sei es, die Lücken zu beschreiben und auf die zukünftig notwendigen nationalen und internationalen Normungsaktivitäten hinzuweisen.

Dipl.-Ing. Johannes Dehm, VDE MedTech, ist einer der Autoren des Weißbuchs.

Dipl.-Ing. Johannes Dehm, VDE MedTech, ist einer der Autoren des Weißbuchs.VDE

Zu den Erkenntnissen der Weißbuch-Analyse zählt, dass bestehende Standards eine gute, aber noch unvollständige Ausgangsbasis für die Vernetzung von Medizingeräten darstellen. Dies betrifft unter anderem die DIN EN ISO 11073 („Medizinische Informatik – Kommunikation patientennaher medizinischer Geräte“). Die in dieser Standardfamilie definierten Bestandteile eines Systems ermöglichen die Kommunikation von Geräten für die persönliche Gesundheit. Dabei werden etwa Vitaldaten zwischen unterschiedlichen medizinischen Geräten ausgetauscht, ausgewertet und Geräte ferngesteuert. Organisationen wie DICOM (Digital Imaging and Communications in Medicine) und HL7 bieten andere Bausteine zur OP-Kommunikation, etwa die Integration mit Bildarchiven in der Klinik.

Was jedoch fehlt ist ein horizontaler Standard, der die bestehenden Ansätze so integriert, dass ein schlüssiges technisches Gesamtkonzept für den Einsatz innerhalb und außerhalb des OPs entsteht. Die Handlungsempfehlungen im Weißbuch zielen insbesondere darauf ab, die vorhandenen Normensätze zu erweitern und IHE als Bindeglied für die Entwicklung der nötigen Use Cases beispielsweise für die Neurochirurgie und laparoskopische Chirurgie zu nutzen. Damit würden IHE-Profile an die Stelle bisher fehlender horizontalen Standards treten. Des Weiteren gilt es, Anforderungen zur Dokumentation von Geräten festzulegen und Zertifizierungs- und Testkonzepte zu erörtern. Auch sind in der entstehenden Standardarchitektur an allen kritischen Stellen Zugriffsrechte und Datenschutz so sicherzustellen, wie dies für andere Teile des Krankenhauses bereits der Fall ist.

Die Idee, die erforderliche Interoperabilität zwischen Produkten unterschiedlicher Hersteller in einen gemeinsamen weltweit gültigen Standard für die Medizintechnik und Medizin-IT zu organisieren, entwickelte sich aus dem BMBF-geförderten Projekt OR.NET, in dem über 50 Partnerinstitutionen aus Forschung, Klinik und Industrie zusammenarbeiten. Das Weißbuch „Sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ steht im VDE-Info-Center auf www.vde.com kostenlos zum Download bereit.