KUKA Roboter bietet seine Steuerungstechnologie künftig auch unabhängig vom Roboter an. Für welche anderen Kinematiken sich die KMC-genannte Steuerung einsetzen lässt, zeigte das Unternehmen bereits auf der SPS/IPC/DRIVES.
Auf dem Messestand stand von KHS Maschinen- und Anlagenbau eine Verpackungsmaschine für Flaschen mit integriertem dreiachsigen Scara-Roboter, die mit der KMC automatisiert wurde, sowie ein Portalroboter von FPT Robotik. Für ihre neuen Einsatzfelder wurde die bisherige KR C2-Steuerung nicht nur in Kuka Motion Control (KMC) umgetauft, sondern auch erweitert und optimiert. Technisches Highlight der Verpackungsapplikation ist das Ansteuern des Scaras durch die Roboter-Steuerungssoftware, während zwei Zusatzachsen über Motion Control Function Blocks (MCFBs) der Soft-SPS angesteuert werden.
Die Roboter-Steuerungssoftware und die PLCopen-konformen MCFBs laufen dabei auf derselben PC-basierenden Steuerung. Dazu Heinrich Munz vom Strategischen Produktmanagement bei Kuka: „Mit unserer Technologie ist es weltweit erstmals möglich, komplexe Kinematikbewegungen von Robotern auf ei‧ner Steuerung mit umfangreichen, SPS-gestützten Einzelbewegungen und synchronisierten Mehrachsbewegungen zu kombinieren.“
Logisch, dass man als Mechanik auch Kuka-Roboter verwenden kann, die sich künftig mit zusätzlichen Achsbewegungen ausrüsten lassen. Ebenso sind die Motion Control-Bausteine der Soft-SPS ohne Roboter-Steuerungssoftware nutzbar. Eine Vermarktung dieser Technologie ohne Steuerungs-Hardware von Kuka schloss Munz allerdings aus. Mit der KMC will Kuka ihren bestehenden Kunden eine Steuerungslösung für die roboternahen Funktionen anbieten. Mittel- und langfristig will man damit auch in die Märkte der General Motion Control- (GMC) Applikationen vorstoßen, zu denen Verpacken, Abfüllen und Drucken gehören. Umgekehrt versuchen die in diesen Bereichen etablierten Steuerungsanbieter schon seit geraumer Zeit, ihre GMC-Steuerungen um Roboterfunktionen zu ergänzen. Dazu Munz: „Auf Grund der Komplexität von Kinematiksteuerungen fällt dies allerdings sehr schwer.“
Zeitgleich wird auch eine spezielle OEM-Version der Soft-SPS WinAC unter dem Namen WinAC-VxR in das Echtzeit-Steuerungssystem der Roboter integriert. „Auch diese speziell von Siemens für uns auf VxWorks portierte originale WinAC-Version läuft auf derselben Steuerungshardware“, betonte Munz. Damit erübrigt sich der Einsatz einer externen SPS.
Speziell die Automobilbauer dürfte das freuen, die im Rohbau für die Verkettung der vielen Schweißroboter – oft von Kuka – noch jede Menge Steuerungstechnik – meist von Siemens – brauchen. Aber freuen die Kuka-Aktivitäten auch die anderen Steuerungshersteller?
Auf der SPS startete ein potentes Unternehmen seinen Markteintritt in die Automatisierungstechnik. Wer weltweit über 50000 Roboter und damit ebenso viele Steuerungen im Feld hat, der versteht das Automatisierungshandwerk, der kennt seine Kunden und ihre Anforderungen. Und wer das Komplexe beherrscht, kann auch einfachere Aufgaben lösen. So gesehen war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann Kuka diesen Schritt macht – den ersten. Denn die mit der KMC anvisierten Branchen wollen von einem Anbieter nicht nur die Steuerungstechnik beziehen, sondern möglichst die komplette Automatisierungsausrüstung.