Für Dr. Michio Kaku ist Toyotas neues Wasserstoffauto ein „Game Changer“.

Für Dr. Michio Kaku ist Toyotas neues Wasserstoffauto ein „Game Changer“.Alfred Vollmer

Auch in diesem Jahr holte Toyota wieder zu einem Marketing-Schlag am offiziellen Pressetag der International CES in Las Vegas aus: In 2015 ließ Toyota zu Beginn seiner Pressekonferenz zunächst den in der amerikanischen Öffentlichkeit wohl bekanntesten Physiker ein Loblied auf die Wasserstofftechnik singen: Dr. Michio Kaku zeigte sich sichtlich beeindruckt von den Fakten, die Toyota ihm zur Verfügung gestellt hatte. Drei bis fünf Minuten für das Volltanken mit Wasserstoff für eine Reise von bis zu 300 Meilen (480 km) klingt nun einmal gut. Er erinnerte daran, dass kein Element im Universum häufiger vorkommt als Wasserstoff und dass Umweltkatastrophen wie beim Tanker Exxon Valdez oder bei der Bohrplattform Deepwater Horizon mit Wasserstoff nicht vorkommen könnten. Für ihn ist Toyotas neues Wasserstoffauto ein „Game Changer“.

Innenansicht des Toyota Mirai.

Innenansicht des Toyota Mirai.Alfred Vollmer

Mirai: das erste H2-Serienfahrzeug

Nach über 14 Minuten übernahm dann Toyotas Nordamerika-Chef Bob Carter die Funktion des Redners auf der Bühne. Carters Rede war zwar genauso flüssig wie die von Dr. Kaku, aber Carter laß quasi jedes Wort von den Telepromptern ab. So stellte Carter gleich zu Beginn klar, worum es in dieser Pressekonferenz geht: „In unserer Ankündigung geht es um die Vorhersage der Zukunft.“ Ab Oktober 2015 werde Toyota sein Mirai genanntes Wasserstofffahrzeug in den USA verkaufen. Auch bei -30 °C starte der Mirai noch ordnungsgemäß, und auch sonst sei das Fahrzeug rundum serientauglich.

Im Jahr 2015 will Toyota bereits 700 Wasserstofffahrzeuge ausliefern. Bis 2020 soll die Produktion dann auf „einige Zehntausend pro Jahr“ hochfahren.

Toyota-Nordamerika-Chef Bob Carter demonstriert, wie das Auto als Notstromaggregat für das Haus dienen kann.

Toyota-Nordamerika-Chef Bob Carter demonstriert, wie das Auto als Notstromaggregat für das Haus dienen kann.Toyota

Das Auto als Notstromversorgung

Bei einem Ausfall der Netzstromversorgung kann der Mirai auch ein Haus mit Strom versorgen – ein Vorgang den Bob Carter optisch höchst wirkungsvoll in Szene setzte. Wer die Störungsanfälligkeit des fast überall (auch im Ortsnetz) überirdisch verlegten Stromnetzes kennt, der weiß, dass dieser Aspekt in den USA ein echtes Argument sein kann. Unter anderem auch deshalb ist sich Carter über eines sicher: „Wir glauben, dass aus Wasserstoff gewonnene Elektrizität für die nächsten hundert Jahre die primäre Kraftstoffquelle sein wird.“

Infrastruktur und kostenlose Patente

Eine Füllung des Wasserstofftanks beim Mirai soll für 300 Meilen (knapp 500 km) reichen.

Eine Füllung des Wasserstofftanks beim Mirai soll für 300 Meilen (knapp 500 km) reichen.Toyota

Damit auch die Versorgung der Fahrzeuge mit Wasserstoff gewährleistet ist, arbeitet Toyota gemeinsam mit Air Liquide intensiv am Ausbau der H2-Infrastruktur mit. Seine 70 Patente rund um die Wasserstofftankstellen stellt Toyota „den Tankstellen-Herstellern unendlich lange lizenzfrei zur Verfügung“. Insgesamt halte Toyota 5680 Patente rund um die Wasserstoff-Brennstoffzelle. Auch diese Patente werde Toyota kostenlos auf dem Markt zur Verfügung stellen, aber Carter sagte dabei bewusst nicht die Worte „über einen unbegrenzten Zeitraum hinweg“. Inoffiziellen Angaben zufolge soll die Patent-Nutzung aber zumindest bis 2020 „royalty-free“ bleiben.

Der Mirai ist als agiles Fahrzeug konzipiert und liefert beachtliche Beschleunigungswerte.

Der Mirai ist als agiles Fahrzeug konzipiert und liefert beachtliche Beschleunigungswerte.Toyota