Wie mehrere japanische Medien berichten, soll unter der Führung von Western Digital ein Konsortium entstanden sein, das die Speichersparte des schwer angeschlagenen Toshiba-Konzerns für einen Preis von umgerechnet 18,3 Milliarden Euro übernehmen will. Ihm gehören neben der US-Beteiligungsgesellschaft KKR auch das Innovation Network Corp. of Japan (INCJ) und die Development Bank of Japan (DBJ) an. Nach dem Verkauf soll Western Digital einen Anteil von 20 Prozent an der Halbleitersparte von Toshiba halten und zunächst innerhalb des Konzerns nicht stimmberechtigt sein.

Western Digital

Schon seit Monaten ist Toshiba (Bild: Europa-Zentrale in Neuss) auf der Suche nach einem Käufer für seine Speichersparte. Toshiba

Eine endgültige Erklärung der Verhandlungspartner wird für Donnerstag erwartet. Seit dem Bankrott seines US-Atomgeschäfts Westinghouse ist Toshiba dringend auf den Verkauf seiner Speichersparte angewiesen und möchte diesen bis zum Ende des Finanzjahres im März 2018 abschließen, um nicht zum zweiten Mal in Folge eine negative Bilanz ausweisen zu müssen. Dennoch haben einige Mitglieder der Toshiba-Führungsriege ihren Rücktritt angekündigt, sollte der Deal mit Western Digital zustande kommen, berichtet Reuters unter Berufung auf interne Quellen.

Das Verhältnis des schwer angeschlagenen Toshiba-Konzerns zu seinem amerikanischen Joint-Venture-Partner Western Digital gilt als zerrüttet. Western Digital, das seit dem Kauf von SanDisk an der NAND-Flash-Speicher-Einheit von Toshiba beteiligt ist, pocht auf Erstkauf- und Zustimmungsrechte bei der Veräußerung der Speichersparte des japanischen Konzerns. Ihre Ansprüche suchten die Amerikaner mehrfach auf juristischem Weg durchzusetzen. Die Japaner bevorzugten hingegen lange einen Verkauf an ein Konsortium um den südkoreanischen Halbleiterhersteller SK Hynix und die Investorengruppe Bain Capital, an denen das halbstaatliche INCJ und die DBJ beteiligt waren. Diesen Verkauf blockierte jedoch Western Digital, das von Toshiba im Gegenzug von Investments an der Toshiba-Fab in Yokkaichi ausgeschlossen wurde.

Dass Western Digital im internen Wettkampf die Oberhand zu gewinnen scheint, liegt wohl vor allem an den Bedenken, die die halbstaatlichen Organisationen INCJ und DBJ an der Beteiligung des unmittelbaren Toshiba-Konkurrenten SK Hynix an einem Käuferkonsortium hatten.