Der Lenkungskreis der Plattform Industrie 4.0 hat den Begriff „Industrie 4.0“ wie folgt neu definiert:

„Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, einer neuen Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Dieser Zyklus orientiert sich an zunehmend individualisierten Kundenwünschen und erstreckt sich von der Idee, dem Auftrag über die Entwicklung und Fertigung, die Auslieferung eines Produkts an den Endkunden bis hin zum Recycling, einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen. Basis ist die Verfügbarkeit aller relevanten Informationen in Echtzeit durch Vernetzung aller an der Wertschöpfung beteiligten Instanzen sowie die Fähigkeit, aus den Daten den zu jedem Zeitpunkt optimalen Wertschöpfungsfluss abzuleiten. Durch die Verbindung von Menschen, Objekten und Systemen entstehen dynamische, echtzeitoptimierte und selbst organisierende, unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke, die sich nach unterschiedlichen Kriterien wie bspw. Kosten, Verfügbarkeit und Ressourcenverbrauch optimieren lassen.“

In dem Whitepaper hat die Arbeitsgemeinschaft „Forschung und Innovation“ der Plattform Industrie 4.0 die Schlüsselthemen identifiziert, die Industrie 4.0 in Zukunft am dringendsten angehen muss.

In dem Whitepaper hat die Arbeitsgemeinschaft „Forschung und Innovation“ der Plattform Industrie 4.0 die Schlüsselthemen identifiziert, die Industrie 4.0 in Zukunft am dringendsten angehen muss.Bild: acatech

Konkrete Chancen für die Industrie

Der wissenschaftliche Beirat der Plattform Industrie 4.0 hat desweiteren 17 Thesen zu Industrie 4.0 formuliert, welche konkreten Chancen sich tatsächlich damit ergeben. Sie helfen bei der kritischen Analyse der zahlreichen Angebote, die unter dem Label Industrie 4.0 firmieren, aber nicht immer auch einen echten Beitrag dazu leisten. Die Thesen beschreiben, wohin Industrie 4.0 führt – aus den Perspektiven Mensch, Technik und Organisation:

  • Mit Blick auf die Menschen stellt der Wissenschaftliche Beirat die humanorientierte Gestaltung der Arbeitsorganisation in den Mittelpunkt. Industrie 4.0 sei ein soziotechnisches System, das das Aufgabenspektrum, die Qualifikationen und die Handlungsspielräume der Belegschaften erweitert. Werkzeuge werden in der Industrie 4.0 zu Lernzeugen.
  • In technischer Hinsicht definiert der Beirat, welche Komponenten zur Industrie 4.0 gehören und welche Potenziale sie mit Blick auf die Individualisierung, Vernetzung und Ressourceneffizienz bieten. Zentral sind intelligente Produkte als aktive Informationsträger und Systemkomponenten, die innerhalb von Produktionsmitteln adressier- und identifizierbar sind.
  • In der Organisation steht Industrie 4.0 für ein neues wirtschaftliches Paradigma: Produkt, Produktion und Service werden in Wertschöpfungsnetzwerken integriert, die eine dynamische Variation der Arbeitsteilung ermöglichen. Zusammenarbeit und Wettbewerb prägen das Wirtschaften gleichermaßen (Coopetition).

Whitepaper definiert vorrangige Forschungsfelder

Für den Weg in die Industrie 4.0 sind Forschung und Entwicklung in den verschiedensten Bereichen erforderlich. Die AG „Forschung und Innovation“ der Plattform Industrie 4.0 hat diesen Bedarf im engen Austausch mit dem Wissenschaftlichen Beirat in einem Whitepaper beschrieben. Darin werden zunächst zwölf vorrangige Forschungsfelder und ihre erwarteten Ergebnisse aufgezeigt. Diese Forschungsfelder sind:

  • Neue Geschäftsmodelle
  • Framework Wertschöpfungsnetzwerke 
  • Automatisierung von Wertschöpfungsnetzwerken 
  • Integration von realer und virtueller Welt
  • Systems Engineering
  • Sensordatenanalyse und Ableitung einer datenbasierten
  • Prozesssteuerung
  • Intelligenz, Flexibilität und Wandelbarkeit
  • Multimodale Assistenzsysteme
  • Technologieakzeptanz und Arbeitsgestaltung
  • Funkkommunikation für Industrie 4.0 Szenarien
  • Security & Safety
  • Industrie 4.0-Plattform mit Referenzarchitekturen und Verteilte
  • Dienste-orientierte Architektur

Auf Basis des nun vorliegenden Whitepapers erarbeitet die Plattform Industrie 4.0 in den kommenden Monaten eine detaillierte Forschungs-Roadmap, die weitere Themen, notwendige Voraussetzungen, gegenseitige Abhängigkeiten und Meilensteine benennt und die in regelmäßigen Abständen aktualisiert wird.

Über die „Plattform Industrie 4.0“

Die „Plattform Industrie 4.0“ ist ein gemeinsames Projekt der drei Industrieverbände Bitkom, VDMA und ZVEI. Es knüpft an das „Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ an, das im Rahmen der „Hightech-Strategie 2020“ von der Bundesregierung gestartet wurde. Erste Umsetzungsempfehlungen erarbeitete der Arbeitskreis Industrie 4.0 bereits 2012, koordiniert von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Der Abschlussbericht wurde der Bundesregierung auf der Hannover Messe 2013 übergeben.

Weblinks zum Thema

Die 17 Thesen (PDF, 8 Seiten) des wissenschaftlichen Beirats der Plattform Industrie 4.0 finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) oder direkt hier.
Das Whitepaper „Industrie 4.0 – Whitepaper FuE-Themen“ (PDF, 20 Seiten) des wissenschaftlichen Beirats der „Plattform Industrie 4.0“ finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), der Internetseite des Projektes Industrie 4.0 oder direkt hier.
Zur Internettseite der Plattform Industrie 4.0 gelangen Sie hier.