Die Elektronikindustrie war schon immer sehr schnelllebig. Neue Technologien und Trends erscheinen genauso schnell auf der Bühne wie andere wieder verschwinden. Das hat erhebliche Auswirkung auf Distributoren. Etwas das sich aber vor allem für diese Unternehmen geändert hat, sind die Erwartungen, die man an sie stellt.

Die Distribution hat sich inzwischen weiterentwickelt und Firmen wie Farnell Element 14 verschicken schon lange nicht mehr nur Bauteile. Distributoren verstehen längst genau, wie ihre Produkte Einsatz finden. Durch die Übernahme der beiden Unternehmen Embest und Avid kann Farnell Element 14 mittlerweile Ingenieure in den Bereichen Produktdesign und Fertigung unterstützen. Das R-IoT-Board von Freescale und die Wolfson Audio-Card (heute Cirrus Logic) für den Raspberry-Pi sind zwei Beispiele dafür.

Eckdaten

Dev-Kits helfen dabei, die Entwicklungszeit zu verkürzen. Für die Distribution liegt hierbei die Herausforderung darin, das Feedback von Kunden und Lieferanten aufzunehmen und es daraufhin wieder zurück in den Entwicklungsprozess fließen zu lassen.

Mit der Bereitstellung von zusätzlichen Daten und Hilfestellungen haben die Kunden laut Farnell dadurch zu jeder Zeit einen Mehrwert, der sich von der Entwicklung bis hin zur Vermarktung erstreckt. Denn die richtige Lösung senkt die Kosten, verkürzt die Time-to-Market und verringert die Zeit für Tests – aber nur, wenn man den richtigen Ansatz fährt.

Entwicklungskits und IoT

Farnell Element 14 hat kürzlich eine Umfrage zu dem Thema Entwicklungskits abgeschlossen. Die Ergebnisse beweisen die wachsende Bedeutung. Demnach geben 44 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Arbeit nicht ohne Kits erledigen könnten. Und gleichzeitig steigt die Zahl an Produkten rasant an. Daher hat Farnell Element 14 mit seinem Design Center eine eigene Online-Plattform mit ausführlichen Informationen zu den über 2000 erhältlichen Kits aufgesetzt. Mit Embest gibt es die Möglichkeit, mit Herstellern Boards zu entwickeln und zu fertigen.

Deutlich spürbar sind die aktuellen Entwicklungen bei einem Trend, von dem wir heute täglich hören: Das Internet der Dinge (IoT). Um ein IoT-Projekt komplett bei Null zu starten, müssen Designer sich beispielsweise mit Kommunikationsstandards auseinandersetzen und Übertragungstechnologien samt deren Interoperabilität verstehen, bevor sie überhaupt mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit beginnen können. Somit geht wertvolle Zeit verloren, die in die kreative Arbeit der Lösung fließen sollte.

Darum haben Entwicklungsingenieure immer größeres Interesse daran, vorgefertigte Entwicklungsmodule zu kaufen, um ihre Projekte zu vereinfachen und sich nicht um die Basiskonfigurationen kümmern zu müssen, sondern sich auf die eigentliche Innovation konzentrieren zu können. Im November 2014 gab es bereits vorläufige Ergebnisse des Projektes Dream-Board: Ingenieure wurden gefragt, wie ihr ideales Dev-Kit aussieht – vom Prozessor über Fragen der Konnektivität bis hin zu Aspekten der Software.

Aufbauend auf einer Umfrage, wie das ideale Dev-Kit aussähe, entstand die Konzeptidee des Dreamboards.

Aufbauend auf einer Umfrage, wie das ideale Dev-Kit aussähe, entstand die Konzeptidee des Dreamboards.Farnell Element 14

Natürlich ist das Dream-Board, zumindest vorerst, erst einmal nur eine Konzeptidee. Aber es geht genau um diese Art der Customization, die die Ingenieure nachfragen. Das alles klingt einmal nach einer zusätzlichen Last für den Lieferanten, tatsächlich aber bedeutet das eine Chance für den Distributor. Dieser erweiterte Aufgabenbereich von Distributoren eröffnet viele Möglichkeiten und es lässt sich Einfluss darauf nehmen wie Unternehmen auf dem europäischen Markt agieren.

Ein typisches Gespräch mit einem Lieferanten drehte sich noch im letzten Jahr hauptsächlich darum, wie viele Komponenten man wohl aus deren Portfolio in den Katalog übernehmen könne. Heute spricht Farnell als Distributor direkt mit den Produktentwicklungsteams. Man arbeitet gemeinsam daran, einen Mehrwert bei neuen Produktangeboten zu schaffen, sodass man Kunden bei vielen Anwendungen unterstützen kann.

Wo die Reise hingeht

Farnell Element 14 tauscht sich direkt mit den Ingenieuren aus; die gewonnenen Informationen lassen sich dadurch bei der Produktentwicklung berücksichtigen. Für die Lieferanten wiederum bedeutet das, dass ihre Produktlinien auf echtem Feedback von Ingenieuren beruhen und Farnell Element 14 hat so einen frühen Zugang zu den Produkten, die Kunden nachfragen.

Diese Beziehungen sind für alle, die von den entstehenden Möglichkeiten profitieren möchten, lebensnotwendig. Da sich Trends, Technologien und Designansätze immer weiter entwickeln, müssen diejenigen, die solche Pakete liefern, in der Lage sein, ihren Kunden zuzuhören, zu antworten, sowie Lösungen zu schaffen, die deren Bedürfnissen entsprechen. Das erfordert eine enge Vernetzung mit den Lieferanten und, wie bei Farnell Element 14, strategische Akquisitionen wie sie Embest, Cad-Soft und Avid sind. Das ermöglicht einen breiteren Ansatz. So lassen sich Entwicklungen komplett über alle Phasen von Design über Test bis zur Fertigung unterstützen.

Das von Freescale und Farnell Element 14 entworfene und als Open-Source-Projekt freigegebene R-IoT-Board.

Das von Freescale und Farnell Element 14 entworfene und als Open-Source-Projekt freigegebene R-IoT-Board. Farnell Element 14

Es gibt Dev-Kits, wie das Freescale R-IoT, die es ohne Input nie gegeben hätte. Und der Erfolg dieser Module zeigt, dass der Bedarf dafür vorhanden ist. All diese Aspekte beeinflussen die Dynamik beim Design, bei der Distribution und in der Lieferkette auf den globalen Elektronikmärkten enorm. Die Kunden gehen nicht mehr alle gleich an ihre Designs heran und sie erwarten Unterstützung – während des gesamten Ablaufs, von Beginn des Entwicklungsprozesses bis hin zur Herstellung.

Für die Distribution liegt die Herausforderung darin, das Feedback von Kunden und Lieferanten aufzunehmen und es zurück in den Entwicklungsprozess zu tragen. Für Unternehmen, denen das gelingt, eröffnen sich viele Möglichkeiten, die man einfach nur nutzen muss.