Der ‚Industrie-4.0-Check-Up‘ ist ein Werkzeug, das Unternehmen bei der systematischen Analyse ihrer Potenziale und der Planung von Industrie-4.0-Vorhaben unterstützt.

Der ‚Industrie-4.0-Check-Up‘ ist ein Werkzeug, das Unternehmen bei der systematischen Analyse ihrer Potenziale und der Planung von Industrie-4.0-Vorhaben unterstützt. Fraunhofer IFF

Bei der Einführung von Industrie- oder Logistik 4.0 gilt es wohlüberlegt zu handeln. Unternehmen müssen ihre individuelle Situation exakt prüfen und die Digitalisierung präzise planen, denn nicht jedes Vorhaben zur Nutzung von Industrie-4.0-Technologien ist zielführend und wirtschaftlich. Prof. Michael Schenk, Leiter des Fraunhofer IFF, erklärt: „Es gibt keine 4.0-Lösungen von der Stange, sondern stets individuelle Lösungen.“ Auf dem Deutschen Logistik-Kongress in Berlin stellt das Forschungsinstitut die neue Analysemöglichkeit vor.

Was wird beim Check-Up untersucht?

Der Check-Up auf Basis eines Reifegradmodells macht schrittweise deutlich, auf welcher Stufe von Industrie 4.0 sich ein Unternehmen befindet. Unter Berücksichtigung der jeweiligen individuellen Rahmenbedingungen der Unternehmen können die einzelnen Schritte geplant und die Auswirkungen von Maßnahmen auf bestimmte Prozesse simuliert werden. „Am Ende steht das Ziel einer möglichst prozessübergreifenden Digitalisierung und Vernetzung, die auch die Unternehmenspartner mit einbezieht“, sagt Schenk. „Die Höhe der Wertschöpfung steigt mit der Verknüpfung der allerorts zunehmenden und vielfältigen Insellösungen zu einer produktiven, durchgängigen digitalen Infrastruktur.“

Praxisbeispiel einer Industrie-4.0-Lösung

Wie solche Lösungen den Alltag in Unternehmen vereinfachen und zu neuen Geschäftsmodellen führen können, zeigen die Fraunhofer-Forscher anhand von RFID-markierten Kunststoffpaletten. Die vom Palettenhersteller Cabka-IPS entwickelten Paletten sind mit mehr als 1 Million Exemplaren im Einzelhandel in Umlauf. Durch die RFID-Transponder lassen sich die wiederverwendbaren Paletten innerhalb der Supply Chain nachverfolgen. Dies bietet vielfältige Möglichkeiten, Produktions- und Logistikprozesse gezielt zu steuern, zu überwachen und somit effizienter zu gestalten. Verladekontrollen, Warenbewegungen und Sendungsverfolgung sind eindeutig abbildbar und stehen in Echtzeit zur Verfügung. Durch die RFIDs wird der Lebenszyklus der einzelnen Palette nachvollziehbar – von der Produktion jeder Palette über die Nutzungszyklen im Einzelhandel bis zur Reparatur oder Demontage der Palette.

Das Fraunhofer IFF hat diese RFID-Integration von Anfang an begleitet – beginnend mit der Analyse und technologischen Beratung bis hin zum produktiven Einsatz spezieller Fraunhofer-Lösungen zur Lagerhaltung und Datenbank-Verwaltung der Paletten.

Prof. Klaus Richter, Projektleiter am Fraunhofer IFF, verweist weiterhin auf neue Geschäftsmodelle, die durch das digitalisierte Datenmanagement ermöglicht werden: „Dank der individuellen Identifikation jeder Palette kennen Hersteller, Palettenpooler und Kunde die Nutzungszeiten jeder Palette. Davon profitieren beide Seiten. Der Produzent kann bei hoher Qualität seiner Produkte den Gewinn mit jedem weiteren Umlauf steigern. Und der Kunde zahlt mit ‚pay per use‘ und muss sich nicht mit eventuell schlechten oder defekten Produkten herumschlagen.“