Vor vier Jahren übernahm das chinesische Unternehmen Joyson das deutsche Traditionsunternehmen Preh, und vor zwei Jahren erklärte Preh-Chef Dr. Michael Roesnick auf dem 17. Automobil-Elektronik-Kongress in Ludwigsburg, dass es sich hierbei um eine erfolgreiche Partnerschaft handelt. Schon damals stellte Dr. Roesnick fest, dass Preh vom Kauf durch Joyson profitiert hat. AUTOMOBIL-ELEKTRONIK hat sich nun auf Spurensuche begeben und dabei den Eindruck gewonnen, dass nicht nur die deutsch-chinesische Chemie stimmt, sondern auch das Business.

Jeff Wang im Firmen-Showroom in Ningbo/China vor einer Technologiedemo von Preh.

Jeff Wang im Firmen-Showroom in Ningbo/China vor einer Technologiedemo von Preh.Alfred Vollmer

Wer wissen möchte, warum Preh mit seinem neuen Eigentümer so zufrieden ist, der muss nach China reisen und Jeff Wang treffen, der mit seiner Familie 95 % der Firmenanteile der Joyson Holding hält. Jeff Wang begegnet der Presse in lässig-ruhiger, freundlicher und höflicher Art, aber definitiv nicht neureich-überheblich, obwohl er mit seinem erst im Jahr 2004 gegründeten Unternehmen im Jahr 2014 mit über 7000 Mitarbeitern bereits über eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftete.

„Das wichtigste ist Vertrauen“

Jeff Wang (Mitte) und Christoph Hummel (rechts) im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer.

Jeff Wang (Mitte) und Christoph Hummel (rechts) im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer. Alfred Vollmer

„Joyson ist ein chinesisches Unternehmen, und wir sind mit dem chinesischen Markt sowie den chinesischen Kunden bestens vertraut“, erläutert Jeff Wang. „Wir ermöglichen Preh den Zugang zum chinesischen Markt, unterstützen Preh in China aber auch mit Fertigungsstätten, Maschinen und mehr.“ Dabei erklärt er auch, dass die deutsche Preh-Geschäftsführung analog dazu die größere Expertise für die Märkte in Europa und Nordamerika habe. Von daher ist es für Jeff Wang vollkommen logisch, dass die Preh-Geschäftsführer Dr. Michael Roesnick und Christoph Hummel für diese westlichen Märkte verantwortlich sind und Joyson mit seinen Stammprodukten so einen Zugang zu diesen Märkten erhält. Besonders stolz ist Jeff Wang darauf, dass alle Manager der zugekauften Firmen nach wie vor für die entsprechenden Unternehmen arbeiten und dass er in Deutschland stets Personal aufgebaut hat: bei Preh, beim Trim-Spezialisten Quin (ein Hersteller von Premium-Zierelementen) und beim in Amberg ansässigen Automationsspezialisten IMA. Wangs Management-Motto lautet dabei stets: „Das wichtigste ist Vertrauen.“

Die Fertigung von Bediensystemen erfolgt auch in China.

Die Fertigung von Bediensystemen erfolgt auch in China.Alfred Vollmer

„Forschung und Entwicklung müssen wir dort haben, wo auch unsere Kunden sind“, führt Jeff Wang weiter aus. „Da wir auf den Markt der qualitativ hochwertigen Fahrzeuge abzielen, sind wir mit Prehs Standort Bad Neustadt bestens aufgestellt. So bekommen wir die neusten Informationen mit und können gleichzeitig unsere Kunden optimal unterstützen.“ Die Fertigung der hohen Stückzahlen erfolgt dann in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau wie beispielsweise in Rumänien, Mexiko oder China. Weil aber auch in diesen Regionen die Lohnkosten steigen, hat Prehs Automationssparte das Unternehmen IMA Automation aus Amberg übernommen.

Auch die für das Kunststoffspritz­gießen erforderlichen Werkzeuge fertigt Preh vor Ort in China.

Auch die für das Kunststoffspritz­gießen erforderlichen Werkzeuge fertigt Preh vor Ort in China.Alfred Vollmer

„Jetzt tritt der neu entstandene Automationsspezialist Preh IMA Automation – PIA – an, mit seinen Montagesystemen und Fertigungslinien neben dem europäischen vor allem auch den chinesischen Automationsmarkt zu erobern. In seinem 12. Fünfjahresplan hat China als Ziel formuliert, High-end-Produktionsausrüstungen zu entwickeln – und genau das tun wir mit PIA China.“ Jeff Wang äußert sich konkret zu seinen Zukunftsplänen: „Derzeit suchen wir nach guten Möglichkeiten in das Geschäft mit Connectivity und Telematik einzusteigen.“ Joyson sucht dabei nach Lösungen, die Fahrzeuge sicherer, sparsamer und intelligenter zu machen. Als klassisches Produkt in diesem Bereich sieht er in diesem Rahmen E-Call. Joyson will bereits vorhandenes Know-how ausbauen und beispielsweise ein auf Software-Lösungen im Bereich Connectivity spezialisiertes Unternehmen zukaufen – und zwar bevorzugt in Europa oder auch in Nordamerika.

Mitarbeiter im Prüffeld der Preh-Fertigung in Ningbo.

Mitarbeiter im Prüffeld der Preh-Fertigung in Ningbo.Alfred Vollmer

Die große Stärke seines Unternehmens sieht Jeff Wang in der starken F&E-Basis und in der Möglichkeit, die OEMs mit neuen Ideen zu unterstützen.