Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Friedhelm Loh Group und Präsident des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie Vizepräsident des BDI.

Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Friedhelm Loh Group und Präsident des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie Vizepräsident des BDI.

 

Deutschland hat die einmalige Chance, auch bei der Elektromobilität international an der Spitze zu stehen. Unsere Unternehmen haben das Potential dazu – das ist so bei elektrischen Antrieben, bei Automobilelektronik, bei Hochtemperatur- und Leistungselektronik. Wir sind stark bei Systemlösungen und darauf kommt es bei der Elektromobilität an: Sie ist nicht nur das Fahrzeug, sondern Teil eines neuen intelligenten Energie- und Transportsystems.

Aber Deutschland hat beim Herz der Elektromobilität, der Batterie, einen Rückstand aufzuholen. Die Batterie ist der entscheidende Teil der Wertschöpfung im Elektrofahrzeug. Die Leistungsdichte und das Leistungsgewicht heutiger Batterien sind allerdings noch bei weitem nicht befriedigend. Deshalb brauchen wir mehr staatliche Unterstützung, auch angesichts der chinesischen Ankündigung, dass dort schon im nächsten Jahr 500.000 Elektrofahrzeuge auf den Straßen fahren sollen.

Der Staat muss deshalb für die Forschung und Entwicklung bei der Batterietechnik mehr tun. Die bisher angesetzten 500 Millionen Euro reichen bei weitem nicht; nötig sind mindestens eine Milliarde Euro, wenn wir tatsächlich das Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 auf deutschen Straßen erreichen wollen.

Um den auch für die Elektromobilität gewünschten Ausbau der Erneuerbaren Energien bewältigen zu können, brauchen wir zugleich die Weiterentwicklung des Stromnetzes zum Smart Grid. Dies ist eine vielfach unterschätzte Aufgabe – auch was die Akzeptanz beim Bürger angeht.

Zur Beschleunigung der Elektromobilität fordern wir, der ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, mehrere Schritte: Wir brauchen vergleichbare Förderbedingungen in Europa, denn wir wollen keine wettbewerbsverzerrenden Kaufprämien. Wir wollen den Betrieb von Elektrofahrzeugen fördern, nicht deren Erwerb. Dazu gehören steuerliche Anreize wie die Befreiung des Fahrstroms von den staatlichen Abgaben wie Stromsteuer, EEG- und KWK-Abgabe und der Mehrwertsteuer. Fahrer von Elektroautos sollten die Busspur und städtische Parkplätze kostenlos benutzen dürfen. Ferner sollte die Dienstwagenbesteuerung entfallen.

Die öffentliche Hand sollte mit gutem Beispiel vorangehen und bis 2020 jedes zweite Fahrzeug in ihrem Fuhrpark als Elektromobil erwerben. Damit entstünde auch zügig ein Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge. Diese Erleichterungen sollen nicht dauerhaft gelten, sondern nur die Einführung der neuen Technik beschleunigen. Es geht nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und – nicht zu vergessen – um Steuereinnahmen.

Es geht nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und – nicht zu vergessen – um Steuereinnahmen.

Wir wollen Deutschland zum Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität machen. Um was es dabei geht, zeigt ein Blick auf die Bedeutung der heutigen Automobilindustrie, die rund 800.000 Personen beschäftigt.

Wir alle stehen vor einer der größten technischen Herausforderungen. Um Sieger im internationalen Wettlauf um die Spitzenposition bei der Elektromobilität zu sein, müssen drei Dinge zusammenkommen – der politische Wille, die technologische Kompetenz und der Unternehmergeist. Und zu allem muss Schnelligkeit kommen! Denn das Rennen um die Elektromobilität ist eröffnet.