X2Safe arbeitet cloud-basiert und kann mit Fahrzeugen, Smartphones sowie Smartwatches kommunizieren, um so Autofahrer, Passanten und Radfahrer frühzeitig vor Kollisionen im Straßenverkehr zu warnen.

Die Videos stammen von Alfred Vollmer

Autonome oder teilautonome Systeme können daraufhin Aktionen einleiten. Dabei lässt sich der Algorithmus als Basis für Car-to-x-, x-to-Car oder x-to-x-Anwendungen einsetzen.

Ständig online zu sein, würde sich mit der neuen ZF-Technologie als Vorteil erweisen und wäre gerade in Gefahrensituationen hilfreich. Deren Nutzer können nämlich permanent Bewegungsdaten in die Cloud liefern, aus denen der Algorithmus berechnet, ob ein Zusammenstoß mit einem Fahrzeug oder anderen Verkehrsteilnehmern droht. Dabei wird eine Kollisionswarnung – im Fahrzeug und beim Träger des Smartphones – bereits ausgelöst, bevor Sichtkontakt besteht beziehungsweise Kamera- und Radarsysteme des Fahrzeugs die Gefahrensituation erfassen können. Das ermöglicht ein deutliches Sicherheitsplus, denn laut einer US-Studie sind Autofahrer am Steuer während mehr als der Hälfte der Fahrzeit abgelenkt.

Von der Warnung bis zum aktiven Eingriff

Die Intelligenz des Systems besteht darin, dass der Algorithmus das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer in der näheren Umgebung individuell analysieren kann und über eine Reaktion entscheidet. Hält ein Fußgänger etwa Rotphasen von Ampeln nicht ein oder überquert Straßen an dafür nicht geeigneten Stellen, vermag es, dieses Verhalten als besonders unsicher zu bewerten und geht von einem größeren individuellen Gefährdungspotenzial aus. In dem sich nähernden Fahrzeug wäre in diesem Fall eine Warnung des Fahrers möglich. Gleichzeitig würde auch der Fußgänger von seinem Smartphone oder Smartwatch akustisch und optisch alarmiert. Mit zunehmendem Grad vernetzter Sicherheitssysteme und Autonomie moderner Fahrzeuge kann darüber hinaus ein automatisches Eingreifen des Autos erfolgen – bis hin zum Ausweichmanöver oder zur Vollbremsung. Anders als etwa ein Abstandswarner oder eine Kamera reagiert das System nicht erst, wenn die Gefahr erkennbar und bereits real ist. Sollte es notwendig sein, antizipiert es möglicherweise auftretende Gefahren bereits im Entstehen.

So wird ein interaktiver Level erreicht, der deutlich über eine reine Car-to-x- oder x-to-Car-Kommunikation hinausgeht. Dabei spielt der Kontext eine wichtige Rolle, denn der Algorithmus von ZF kann nicht nur Bewegungsinformationen der Verkehrsteilnehmer verarbeiten, sondern er kann auch Gefahrenschwerpunkte einschätzen, wie etwa besonders unübersichtliche Straßenzüge oder Bushaltestellen. Damit wird es quasi möglich, um die Ecke zu schauen.

X2Safe ermöglicht es quasi, um die Ecke zu schauen.

X2Safe ermöglicht es quasi, um die Ecke zu schauen. ZF

Funktion ab 3G

Nach Angaben von Dr. Malgorzata Wiklinska, Leiterin der ZF-Denkfabrik, ist das System ab 3G-Kommunikation funktionstüchtig; die Latenzzeiten bei 3G seien mit 100 bis 150 ms ausreichend. „Bei 5G, wo wir Latenzzeiten von unter 20 ms erreichen, ist eine noch schnellere Reaktion möglich“, erklärt Dr. Wiklinska. „Langfristig planen wir, mit Roadside-Units zu arbeiten.“

Besonderer Nutzen für „schwächere“ Verkehrsteilnehmer

Sogenannte schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Fahrrad- und Kraftradfahrer sind besonderen Risiken ausgesetzt. Sie machen etwa 50 Prozent der weltweit rund 1,25 Millionen Unfalltoten pro Jahr aus. Besonders Heranwachsende und junge Erwachsene sind im Straßenverkehr stark gefährdet. Angaben der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben weltweit täglich 500 Kinder als Folge von Verkehrsunfällen. Bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren sind Verkehrsunfälle sogar die häufigste Todesursache. Die Ablenkung via Smartphone birgt zusätzliche Risiken – sowohl am Steuer als auch bei Fußgängern. Eine ganze Generation bewegt sich mit gesenktem Kopf durch die Städte der Welt – den Blick auf das Display gerichtet und mit Plug-ins im Ohr.