Joseph Chamberlain Wilson, ehemaliger Verwaltungsratspräsident von Xerox, in der Produktionsstätte in Rochester, mit dem Modell "914".

Joseph Chamberlain Wilson, ehemaliger Verwaltungsratspräsident von Xerox, in der Produktionsstätte in Rochester, mit dem Modell „914“.

Vor genau 70 Jahren, am 22. Oktober 1938, präsentierte der Physiker und Patentanwalt Chester Carlson ein Verfahren, mit dem sich Schriftzeichen auf elektrostatischem Weg kopieren lassen. Der von ihm entwickelte Prozess machte es weltweit erstmals möglich, Texte, Bilder oder Zeichnungen nahezu beliebig zu vervielfältigen. Die Technologie, die er Elektrophotografie nannte und später als Xerografie bekannt wurde, bildet heute die Basis jedes Digitaldruckers, Kopierers oder Faxgerätes. Durch seine Erfindung legte Chester Carlson die Grundlage eines ganzen Wirtschaftszweigs.
Die Grundidee hinter den Forschungsarbeiten von Chester Carlson lautete: Zeichen und Buchstaben müssten sich mit Hilfe von Ladungsunterschieden duplizieren lassen. Um dies zu beweisen, experimentierte er drei Jahre lang in einem winzigen Appartement in Astoria, einem Bezirk des New Yorker Stadtteils Queens. Ihn interessierte vor allem der Einfluss von Licht auf Materie. Er begann gezielt, mit Schwefel auf seinem Herd zu arbeiten, da er gelesen hatte, dass die elektrische Leitfähigkeit von Metallen durch Lichteinwirkung verändert werden kann. Nach vielen übel riechenden Experimenten gelang ihm im Oktober 1938 der Durchbruch: Mit Tusche hatte sein Partner, der Physiker Otto Kornei, den Schriftzug «10-22-38 ASTORIA» auf einen Objektträger aus Glas geschrieben und diesen auf eine mit einer frischen Schwefelschicht überzogenen Zinkplatte gelegt. Die Schwefeloberfläche hatte Kornei zuvor kräftig mit einem Taschentuch abgerieben, um eine elektrostatische Ladung zu erzeugen. Nach einer kurzen Belichtung entfernten die Forscher das Mikroskopglas und streuten Bärlappsamen über die Schichtoberfläche. Ein Duplikat der Schriftzeichen trat auf der Glasplatte in Erscheinung. Dies war die Geburtsstunde der Xerografie.
Im Jahr 1944 erwarb das Non-Profit-Forschungsinstitut Battelle Memorial eine Lizenz für den Xerographie-Prozess und entwickelte ihn weiter. 1947 schloss Battelle einen Vertrag mit der kleinen Fotopapier-Firma Haloid ab, die damit das Recht erwarb, eine Xerographie-Maschine zu bauen. Haloid wurde zu Xerox, und nach einigen Vorläufern präsentierte das Unternehmen 1959 die legendäre «914». Diese machte mit nur einem Knopfdruck rasch und einfach Kopien auf ganz normalem Papier. Die «914» wurde zum phänomenalen Erfolg auf der ganzen Welt. Aus den ersten Experimenten in Astoria entwickelte sich in den letzten 70 Jahren ein eigener Wirtschaftszweig mit Tausenden von Beschäftigten und Milliarden-Umsätzen: Das Marktforschungsinstitut Pira International beispielsweise schätzt, dass sich die Umsätze im weltweiten Digitaldruckmarkt von den heutigen 68 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2012 voraussichtlich verdoppeln werden. Als erstes Unternehmen, das die Erfindung von Chester Carlson zur Serienreife brachte, gehört Xerox heute zu den erfolgreichsten Unternehmen in dieser Branche. Alleine im vergangenen Jahr wurden über 40 Milliarden Farbseiten auf Xerox-Systemen gedruckt. Das Untenehmen nutzt seine Erfahrung, um Kunden dabei zu unterstützen, ihre Gewinne durch digitale Druckverfahren zu steigern.