Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung: „Ein Weiter-So kann es nicht geben. Wir brauchen eine neue europäische Idee, die für alle Generationen attraktiv ist."

Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung: „Ein Weiter-So kann es nicht geben. Wir brauchen eine neue europäische Idee, die für alle Generationen attraktiv ist.“ ZVEI

Für Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, ist der Brexit ein Auftrag, die EU neu zu denken – ein Weiter-So könne es nicht geben: „Wir brauchen eine neue europäische Idee, die für alle Generationen attraktiv ist.“ Für die Elektroindustrie gehört Großbritannien zu den Kernmärkten. Die Exporte der deutschen Elektroindustrie nach Großbritannien beliefen sich im Jahr 2015 auf 9,9 Mrd. Euro. „Großbritannien ist damit der viertgrößte Abnehmer weltweit und der zweitgrößte in Europa“, erläutert Dr. Andreas Gontermann, ZVEI-Chefvolkswirt. Im vergangenen Jahr entfielen von Großbritannien besonders nachgefragte deutsche Elektroerzeugnisse vor allem auf die Fachbereiche Informationstechnik (Exporte von 1,7 Mrd. Euro), Automation (1,4 Mrd. Euro), elektronische Bauelemente (1,2 Mrd. Euro), Kommunikationstechnik (0,9 Mrd. Euro), Energietechnik (0,8 Mrd. Euro) und Elektrohausgeräte (0,7 Mrd. Euro). Die höchsten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr erzielten dabei die Energietechnik (+31,1 Prozent) und die Hausgeräte (+23,0 Prozent). Die deutschen Elektroimporte aus Großbritannien erreichten 2015 einen Wert von 4,2 Mrd. Euro, was einem Anteil von 2,6 Prozent an den gesamten Elektroeinfuhren entsprach. Auch dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Jahr 2000, als die Einfuhren noch bei 8,2 Mrd. Euro gelegen und einen Anteil von 7,7 Prozent erreicht hatten.

Von wechselseitiger Bedeutung

Großbritannien ist heute die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Für die Europäische Union ist es von herausragender wechselseitiger Bedeutung. So gingen zuletzt beispielsweise 43,5 Prozent aller gesamtwirtschaftlichen britischen Ausfuhren in andere EU-Staaten. Der Anteil der britischen Elektroexporte in die EU lag mit 49,0 Prozent der gesamten Branchenausfuhren sogar noch etwas höher und in ähnlicher Größenordnung wie das Exportgewicht der EU für die Elektroindustrie hierzulande (54,9 Prozent). Für Deutschland ist Großbritannien der drittgrößte Handelspartner innerhalb der EU, im Elektrohandel die Nummer vier.

Großbritannien ist auch ein bedeutendes Investitionsziel deutscher Elektrounternehmen. Im aktuellsten Berichtsjahr 2013 betrug der Investitionsbestand (nach überarbeiteter Berechnungsmethode der Deutschen Bundesbank) der deutschen Elektroindustrie dort 2,7 Mrd. Euro. Das Land war damit hinter China und den USA sowie vor Spanien und Indien der drittgrößte ausländische Investitionsstandort der Branche.

Wie denken Vertreter der Elektroindustrie über einen möglichen Brexit? Diese Frage stellte der ZVEI seinen Gästen auf dem ZVEI-Jahreskongress 2016.