Können Leiterplatten Leidenschaft entfachen? Ja, sagt Marget Gleiniger in ihrer Begrüßungsansprache: „Innovation und Zuverlässigkeit sind unser Ansporn, Höchstleistungen aus einer Hand zu bieten.“ Die Geschäftsführerin von KSG Leiterplatten gewann das Auditorium ohne Mühe für sich. Schließlich will das Unternehmen die bereits intensive Kommunikation mit den Kunden noch weiter schüren. Das gegenseitige Vertrauen im Verbund mit einer engen Zusammenarbeit sollen den erstrebten gemeinsamen Erfolg fördern. Die alle zwei Jahre stattfindenden Technologietage sind da ein probates Instrument, was sich auch an der hohen Resonanz zeigte. Der Einladung nach Chemnitz zu den 10. Technologietagen mit dem Motto „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“ folgten etwa 110 Kundenvertreter.

Marget Gleiniger begrüßte die Teilnehmer und stellte das Motto der 10. Technologietage vor: „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“

Marget Gleiniger begrüßte die Teilnehmer und stellte das Motto der 10. Technologietage vor: „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“ Marisa Robles

Gute Expansionsmöglichkeiten mit Häusermann

Den Fokus legte KSG auf die weiteren Wachstumsbestrebungen des Unternehmens: „Wie Sie es gewöhnt sind von uns, haben wir uns auch in den letzten Jahren stürmisch entwickelt“, bekräftigt sie und zeichnet dabei den künftigen Wachstumspfad auf. Seit dem im Jahr 2007 während der 6. Technologietage vorgestellten Neubauprojekt „Fabrik 6000“ mit einem Investitionsvolumen von über 50 Mio. Euro (Produktionsstart im Jahr 2008), wurde nicht nur die Fertigungsfläche um 11.000 m² vergrößert, sondern auch 200 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Doch kaum 10 Jahre später attestiert Gleiniger: „Wir sind nun an den Wänden angekommen, wir können kaum mehr Maschinen installieren – kurzum: wir stehen an unseren Kapazitätsgrenzen.“ Wie lässt sich also die steigende Nachfrage bewältigen, sodass auch weiterhin die Zeichen auf Wachstum stehen können? „Wir haben alle nur denkbaren Optionen geprüft“, nimmt sie Anlauf mit Blick auf die Übernahme des österreichischen Leiterplattenherstellers Häusermann.

Achim Süß analysierte den weltweiten, europäischen und deutschen Leiterplattenmarkt. Parallel dazu stellte er auch die jüngsten Entwicklungen bei KSG vor.

Achim Süß analysierte den weltweiten, europäischen und deutschen Leiterplattenmarkt. Parallel dazu stellte er auch die jüngsten Entwicklungen bei KSG vor. Marisa Robles

Die Vorteile, die Häusermann dem sächsichen Unternehmen bieten kann, waren nicht nur die freien Produktionsflächen, sondern auch der Umstand, dass die ehemaligen Eigentümer den Plan hatten, Häusermann zu verkaufen. Nach gut 15 Monaten intensiver Prüfung und Vorarbeit wurde der Kauf am 30.06.2017 besiegelt. „Häusermann ist unser Weg für künftiges Wachstum und gemeinsam wollen wir expandieren“, bestätigt Gleiniger. Dass dem so ist, zeigen die Investitionsbestrebungen: Am Standort Gars am Kamp will KSG Leiterplatten als neuer Eigentümer in den nächsten drei bis vier Jahren mindestens 16 Mio. Euro für neue Maschinen und Anlagen in die Hand nehmen. Ziel sei es, den derzeitigen Häusermann-Umsatz von derzeit knapp 30 Mio. Euro auf 50 Mio. Euro zu steigern. Dabei soll der Maschinenpark erneuert und vergrößert werden, eine bauliche Erweiterung schließt Gleiniger genauso wenig aus wie eine Vergrößerung des Betriebsgeländes in fernerer Zukunft. Auch die beiden langjährigen heimischen Häusermann-Chefs Rudolf Janesch (technischer Geschäftsführer) und Christoph Jarisch (kaufmännischer Geschäftsführer) zeigen sich sehr zufrieden über diese Maßnahmen und auch dem Versprechen der KSG-Chefin: „Die Produktion in Zitternberg bleibt wie bisher erhalten, auch die Technologie, nur die Menge wird größer.“ Gemeinsam mit Dirk Deiters (Vertrieb) stellten sie das Häusermann-Portfolio an Platinen in einer Table-Top-Ausstellung begleitend zur Konferenz vor.

Die passende Leiterplatte für jede Anwendung zur Verfügung zu stellen, vespricht Häusermann mit den Platinen für Hochstrom- und LED-Anwendungen. Mit der Technologie HSMtec gibt es eine probate Wärmemanagementlösung für die Leistungselektronik. Dreidimensionale Leiterplatten – sei es als starr- oder semiflex-Ausführung – sind ebenfalls erhältlich und zwar als Einmalbiegung für selbsttragende 3D-Leiterplattenstrukturen oder auch mit Mehrfachbiegungen mittels Starrflex. Für Hochfrequenz-Anwendungen stellt Häusermann zudem impedanzkontrollierte Leiterplatten her. Als Leiterplattentechnologien sind einseitige und Doppelseitige Leiterplatten genauso erhältlich wie Multilayer und HDI/Microvia.

Im Scheinwerfer der Digitalisierung

Das Tagungsmotto „Geniale Geistesblitze – Bestens vernetzt: Mit Braincoaching und Lean Management zum Erfolg“ war mit Bedacht gewählt: Es orientiert sich an den wachsenden Anforderungen, die durch Industrie 4.0 entstehen. Für Gleiniger erschöpft sich die vierte industrielle Revolution nicht nur in der weltweiten Vernetzung von Industrien und Anlagen, linienübergreifenden Softwarelösungen oder das weite Feld des Internet der Dinge. Auch der in raschen Entwicklungsschritten begriffene Bereich des autonomen Fahrens gehört ihrer Ansicht nach zu den massiven Digitalisierungsbestrebungen dazu. Zudem stellt auch die zunehmende Sensorik einen Treiber für die rasante Digitalisierung dar. Wie wirkt sich dies auf die Leiterplattenindustrie aus? Welche Schritte muss ein Platinenhersteller unternehmen, um am Ball bleiben zu können? Mit einem Mix aus Theorie und Praxis wollte das Unternehmen in seiner zweitätigen Konferenz Antworten liefern. Denn die Vorträge und Anwenderberichte sollten die Einflüsse von Industrie 4.0 in der Elektronik wiedergeben.

Mit der Akquisition Ende Juni 2017 wollen KSG Leiterplatten und Häusermann gemeinsam expandieren (v.l.n.r.): Christoph Jarisch (kaufmännischer Geschäftsführer), Dirk Deiters (Produktmanager Leiterplatten und Eingabesysteme) und  Rudolf Janesch (Technischer Geschäftsführer, alle Häusermann).

Mit der Akquisition Ende Juni 2017 wollen KSG Leiterplatten und Häusermann gemeinsam expandieren (v.l.n.r.): Christoph Jarisch (kaufmännischer Geschäftsführer), Dirk Deiters (Produktmanager Leiterplatten und Eingabesysteme) und Rudolf Janesch (Technischer Geschäftsführer, alle Häusermann). Marisa Robles

Den Auftakt bildete Achim Süß, Leiter Vertrieb von KSG Leiterplatten, der sich den Fragen annahm, wie sich der Leiterplattenmarkt entwickelt hat und was die derzeitige Situation ist. Der Elektronikmarkt weltweit wird von Marktforschern auf rund 4.128 Mrd. Euro geschätzt. Berücksichtigt sind 53 Länder, die für 97 Prozent des Weltmarktes verantwortlich sind. „Die Elektronikmärkte sind relativ dynamisch und vor allem in Europa konnte man eine tolle Entwicklung beobachten“, merkt er an und erläutert, dass man für 2017 von einem weltweiten Wachstum von 3,5 Prozent ausgehe. „Das ist ein Spitzenwert im Elektronikmarkt seit den letzten 20 Jahren.“ Asien nimmt mit 61 Prozent den Löwenanteil des weltweiten Elektronikmakt ein, wovon China 40 Prozent des Marktvolumens beisteuert. Weit abgeschlagen auf Platz 2 hat sich Amerika mit 20 Prozent etabliert, wovon 15 Prozent auf die USA abfallen. Im Windschatten folgt Europa mit 17 Prozent, wovon Deutschland den größten Beitrag mit 3 Prozent liefert.

Für diese Marktentwicklung sieht er „Smart Living“ als Überbegriff von Smart Home als wesentlichen Treiber: „Wenn man sich die Urbanisierung der Welt anschaut, das ist eine der vier großen Veränderungen die wir in Zukunft erwarten, dann wissen wir heute schon, dass im Jahr 2030 ungefähr 78 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden.“ Heute leben etwa 41 Prozent der Menschheit in Städten. Parallel dazu wird sich im gleichen Zeitraum die Anzahl der Menschen um gut 4 Mrd. erhöhen, sodass die Weltbevölkerung im Jahr 2030 die 10-Milliarden-Marke knacken wird. Absehbar ist, dass von den zehn größten Städten der Welt in 2030 heute neun noch gar nicht gebaut sind. „Diese Entwicklungen werden sich vor allem in Asien abspielen. In Europa werden wir davon kaum etwas mitbekommen. Jedoch wird sich die Weltwirtschaft dahingehend verändern“, wagt er die Prognose. Als zweitgrößter Treiber hat Achim Süß die Medizintechnik ausgemacht. „Wir gehen von einem dauerhaften Wachstum von 6 Prozent aus“, erläutert er. Damit hebt sich die Medizinelektronik gegenüber etablierten Märkten wie Industrieelektronik oder Automatisierung mit jeweils 4 Prozent prognostizierten Wachstum ab.

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