Seitwärtsbewegung im Leiterplattenmarkt

Der Blick auf den weltweiten Leiterplattenmarkt ist weniger euphorisch: „Der weltweite Platinenmarkt stagniert seit Jahren schon“, fährt er fort, mit einem weltweiten Umsatz von knapp 60 Mrd. Dollar. „Seit etwa sieben Jahren haben wir hier eine Seitwärtsentwicklung – vor allem in Europa und den USA.“ In Bewegung sind dafür die Märkte, mit China als größtem Gewinner, und das seit Jahren schon. Die bislang ebenfalls erfolgreichen weiteren asiatischen Länder schwächelten in 2017. Größter Verlierer hierbei ist Japan. „Europa spielt mit knapp 4 Prozent der Weltproduktion eher eine untergeordnete Rolle.“

Vor allem im Wärmemangementbereich hat sich Häusermann über die Jahre profiliert. Das ausgestellte Demoboard zeigt anschaulich, was der österreichische Platinenhersteller zu leisten vermag.

Vor allem im Wärmemangementbereich hat sich Häusermann über die Jahre profiliert. Das ausgestellte Demoboard zeigt anschaulich, was der österreichische Platinenhersteller zu leisten vermag. Marisa Robles

Die größte Botschaft jedoch ist: „Wir haben keinen Wachstum mehr in der Elektronikbranche“, mahnt Süß, der einräumt, dass dies „im Widerspruch steht, zu dem was wir gerade erleben“. Gerade in Europa sei die größte Wachstumsphase in der Elektronik zu beobachten. Jedoch haben Halbleiterhersteller das Problem, nicht schnell genug liefern zu können. Die Umsatzsteigerung von etwa 16 Prozent kumulativ spricht für sich. Das sei schon ein Problem, da die Halbleiterhersteller etwa 1,5 Jahre Vorlaufzeit benötigen, um ihre Produktion entsprechend adaptieren zu können. Absehbar ist, dass es keine kurzfristigen Entspannungen geben wird, weshalb Süß prognostiziert: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir wie damals im Jahr 2010 über Broker bestimmte Materialien einkaufen werden.“

Bei der Verknappung von Leiterplatten spielen auch die Materialien wie etwa Kupferfolien eine wesentliche Rolle. „Wir stehen da in unmittelbarem Wettbewerb mit den Batterieherstellern für die Elektromobilität, die viel Kupferfolie benötigen.“ Auch hier sind die Kapazitäten begrenzt: Heute wird eine Kapazität von rund 85 Mio. Tonnen pro Jahr für die Leiterplatten und Batterieherstellung benötigt. „Nach heutigen Hochrechnungen brauchen wir aber eine Verdreifachung des Kupferfolienbedarfs in den nächsten vier Jahren. Das beflügelt den europäischen Leiterplattenmarkt: Seit Ende 2016 verzeichnen die europäischen Leiterplattenhersteller eine deutliche Erhöhung der Auftragseingänge durch die weltweite Verknappung von Kupferfolie. Einzelne asiatische Hersteller mussten bereits aufgrund von Materialmangel ihre Fertigung einstellen.

Jubiläumsveranstaltung gibt Marschrichtung vor

Das dicht gedrängte und informative Tagungsprogramm wurde durch eine umfassende Führung durch die Fertigung am Hauptstandort Gornsdorf abgerundet. Ein weiteres Highlight stellte das Abendprogramm mit Unterhaltung und sächsischem Buffett dar: Die Kabarettisten von academixer aus Leipzig nahmen frei nach dem Motto „Alles Wurschd“ mitunter auch KSG aufs Korn.

Allerdings ist der Umsatz im Jahr 2016 in Europa erstmals seit drei Jahren um 10 Prozent seit 2010 geschrumpft. Auch die Anzahl der Leiterplattenhersteller nimmt weiter ab (-25 Prozent seit 2010), weshalb Süß betont: „Wir sind mitten im Verdrängungswettbewerb, weshalb einige Hersteller auf der Strecke geblieben sind und nicht überlebt haben. Von 2000 auf heute hat sich die Zahl der europäischen Hersteller halbiert.“ Auch hat im Jahr 2016 der deutschsprachige Raum Anteile verloren, während Frankreich und Großbritannien ein leichtes Wachstum verzeichnen konnten. Der Umsatzanteil der DACH-Länder sinkt auf knapp 59 Prozent (-2 Prozent zum Vorjahr). Punkten kann Europa jedoch hinsichtlich der Technologien: die immer komplexer werdenden elektronischen Baugruppen treiben die Nachfrage nach flexiblen und starrflexiblen Schaltungsträgern und HDI voran.

KSG im Kontext der Marktentwicklungen

Heute erreicht KSG mit rund 730 Mitarbeitern einen prognostizierten Umsatz von etwa 95 Mio. Euro. Besonders stolz ist das Unternehmen auf seine Mitarbeiter, was Achim Süß mit Zahlen belegt: „Im Zeitraum von 2004 bis 2016 wurden in Europa 44 Prozent der Beschäftigten abgebaut, hingegen konnten wir unseren Mitarbeiterstab im gleichen Zeitraum um sagenhafte 151 erhöhen. Das ist einmalig für Europa, das hat es unserer Branche noch nicht gegeben“, freut er sich. Die Messlatte ist indes hoch: „Es wird von uns erwartet, dass wir auch in der Zukunft ein ähnliches Wachstum hinlegen, unabhängig wie der Markt sich entwickelt.“ Das soll mit Häusermann nun gelingen. Wachstumspotenzial sieht er auch im Automobilbereich: „Hier sind wir etwas unterrepräsentiert.“

Auf einer Fertigungsfläche von etwa 23.000 m² produziert KSG heute jährlich 200.000 m² Leiterplatten. Auf die Umsatzentwicklung über die Jahre ist Süß besonders stolz: Von den zarten Anfängen 1997 mit gut 12 Mio. Euro Umsatz zeigten die Zeiger stets nach oben: Mit einem Umsatzziel von 95 Mio. Euro will der Leiterplattenhersteller das Jahr 2017 abschließen: „Mit Erreichen unseres Umsatzziels in 2017 werden wir unseren Umsatz innerhalb von 20 Jahren verachtfacht haben.“ Gepaart mit dem Schwesterunternehmen Häusermann wird sich die Erfolgskurve nach oben weiter fortsetzen: Auch Häusermann konnte über die Jahre ein ähnlich dynamisches Wachstum wie KSG aufweisen. Im Tandem mit Häusermann wird sich KSG auf Position 85 der Platinen-Weltrangliste bewegen, ist Süß zuversichtlich: „Wir spielen international eine Rolle, worüber wir sehr stolz sind. Aber auch in Europa sind wir gemeinsam der zweitgrößte Leiterplattenhersteller.“

Häusermann kann von jeher auf ein umfangreiches ´Leiterplattenportfolio verweisen. Besonders die Wärmemanagement-Lösung HSMtec kommt in der Leistungselektronik und LED-Technik gut an.

Häusermann kann von jeher auf ein umfangreiches ´Leiterplattenportfolio verweisen. Besonders die Wärmemanagement-Lösung HSMtec kommt in der Leistungselektronik und LED-Technik gut an. Marisa Robles

Auch hinsichtlich der Neutypen-Entwicklung konnte KSG sich erfolgreich im Markt etablieren: „Wir haben mit 50 Mitarbeitern die größe Arbeitsvorbereitungsabteilung Europas“, proglamiert er. Das erlaube eine Kapazität von 30 neuen Typen pro Tag. Zudem sind 20 Prozent der Produkte, die in die Fertigung eingefahren werden, neue Produkte. Knapp 56 Prozent der Kunden führe KSG als A- oder AB-Lieferanten, wirbt Süß: „2016 erzielten wir eine durchschnittliche Bewertung von 88 von 100 Punkten.“ Um die Lieferengpässe besser in den Griff zu bekommen, will das Unternehmen die Kapazitäten weiter ausbauen und etwa 25 Prozent des Umsatzes sowohl im sächsischen Gornsdorf als auch im österreichischen Gras am Kamp investieren. Dadurch soll eine schnelle und konsequente Anpassung auf sich ändernde Markt- und Kundenanforderungen gelingen. Kapazitätserweiterungen in Arbeitsvorbereitung und CAM gehören ebenfalls zu den Handlungsschwerpunkten des Unternehmens. Daher richtet Süß den Appell an die geladenen Gäste: „Wir wollen in Zukunft Ihr Entwicklungspartner sein. Nutzen Sie den Standortvorteil Deutschland, also die Kompetenz vor Ort, in der gleichen Sprache und Zeitzone.“

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