Mit einem USB-Stick in die Cloud

Im einfachsten Fall kann man einen USB-Stick oder ein Festplatten-Laufwerk an seinen
DSL-Router anschließen und so seine eigene private Cloud über die Router-
Software einrichten ‒ falls der Router dafür ausgelegt ist. Bild: Adobe Stock/manojkumar

Wer seine Daten – Bilder, Videos und Dokumente – nicht auf einer Cloud wie Google Drive, Dropbox oder iCloud ablegen will, für den gibt es drei Möglichkeiten, eine eigene, private Cloud-Lösung zu verwirklichen, also die Daten selbst zuhause zu speichern. Die Wege dahin erfordern mehr oder weniger viel technischen Aufwand und Geschick – und lassen sich relativ kostengünstig verwirklichen.

  • mit einem USB-Datenstick oder einer externen Festplatte am DSL-Router
  • mit einer fertig eingerichteten Netzwerk-Festplatte (NAS) für zu Hause
  • mithilfe eines Raspberry Pi als Cloud-Server und einer Speicherkarte

1. Weg: Datenspeicher am DSL-Router

Die erste Methode ist der einfachste, schnellste und kostengünstigste Weg zur eigenen Cloud. Die heute angebotenen Router wie beispielsweise die Fritz!Box 7590 haben einen USB-3.0-Steckplatz für externe Speicher wie USB-Sticks oder Festplatten. Mithilfe der Fritz!Box-Software und einigen Clicks kann fast jeder seinen eigenen Cloud-Speicher auf diesem externen Speichermedium einrichten. Gegen die USB-Sticks (Flash-Speicher) spricht, dass sie sich nicht so oft wieder beschreiben lassen wie Festplatten und dass man auf die Schreib-/Lese­geschwindiglkeiten der Sticks achten sollte. Geld spielt natürlich auch eine wichtige Rolle: Eine USB-Festplatte mit 1 TB Speicherplatz kostet kaum 50 Euro, ein brauchbarer USB-Speicherstick mit 256 GB eher mehr. Die Datenübertragungs­geschwindigkeit der privaten Fritz!Box-Cloud ist für Fotos oder Musik ausreichend, berichtete die Stiftung Warentest in einem Test vom Mai 2019, aber beim Übertragen großer Datenmengen komme es zu längeren Wartezeiten. Beim Fern­zugriff könne diese Cloud nicht mit den Möglichkeiten von NAS-Systemen (NAS, Network Attached Storage) mithalten, schreiben die Tester weiter. Und: Es gebe keine Möglichkeit, Ordner auf dem Computer automatisch mit der heimischen Cloud zu synchronisieren. Insgesamt gesehen tauge die Fritz!Box-Lösung durchaus als einfacher Netzwerkspeicher für zuhause, aber nur sehr eingeschränkt für den Zugriff von unterwegs.

Ein preiswertes Einsteigermodell für die eigene Cloud zuhause: Ein kleiner Cloud-Server (NAS) wie die Buffalo LinkStation LS520DE-EU 2-Bay mit 4 TB Datenspeicher – er kostet derzeit etwa 200 Euro.

Ein preiswertes Einsteigermodell für die eigene Cloud zuhause: Ein kleiner Cloud-Server (NAS) wie die Buffalo LinkStation LS520DE-EU 2-Bay mit 4 TB Datenspeicher – er kostet derzeit etwa 200 Euro. Buffalo Technology

2. Weg: NAS-Systeme

Die zweite Methode verwendet ein NAS-System. Das ist ein kleiner Server, der praktisch nur aus einer Festplatte besteht, und per LAN-Kabel mit dem Router verbunden ist. Diese Lösung ist technisch deutlich leistungsfähiger als die erste Methode – aber auch teurer. Hier geht es zudem nicht um Datenspeichermengen im zwei- oder dreistelligen GB-Bereich; hier geht es erst ab 2 000 GB beziehungsweise 2 TB wirklich los. Ein preiswertes NAS-Einsteigermodell ist die Buffalo LinkStation LS520DE-EU 2-Bay mit 4  TB Datenspeicher, heißt es auf der Internetseite www.eigene-cloud-einrichten.de. Sie kostet derzeit etwa 200 Euro. Für ein Mittelklasse-Modell mit mehr Funktionalität wie der Synology DS218j und 4-TB-Festplatte liegt der Preis ab etwa 250 Euro. Wer darauf allerdings mehrere Dienste betreiben will, bringt die CPU bald an ihre Leistungsgrenzen.

Der dritte Weg zur eigenen Cloud führt über den Mini-Computer Raspberry Pi 4 (Bild) als Cloud-Server und eine zusätzliche SD-Speicherkarte. Mit kleiner Speicherkarte (32 GB) kann man preislich unter 100 Euro kommen.

Der dritte Weg zur eigenen Cloud führt über den Mini-Computer Raspberry Pi 4 als Cloud-Server und eine zusätzliche SD-Speicherkarte. Mit kleiner Speicherkarte (32 GB) kann man preislich unter 100 Euro kommen. Wikimedia Commons

3. Weg: Raspberry Pi

Der dritte Weg zur eigenen privaten Cloud führt über den Mini-Computer Raspberry Pi 4 als Cloud-Server mit SD-Speicherkarte (32 GB) sowie Netzteil und Netzwerk-Kabel. Alles zusammen kostet etwa 100 Euro. Bei höheren Speichervolumen wird es teurer – eine SD-Speicherkarte mit 256 GB kostet etwa 40 Euro oder mehr – je nach Qualität. Man kann damit sogar in den unteren TB-Bereich kommen – dann aber zu Preisen ab etwa 380 Euro. Für die Einrichtung dieses Cloud-Systems gibt es Anleitungen wie bei der zuvor genannten Internetseite – dennoch ist das kein Weg für Laien, sondern ein Weg für Bastler mit soliden PC-Kenntnissen.

Ausweg: Nicht privat, aber gewusst wo

Schließlich gibt es noch Weg vorbei an den großen internationalen Cloud-Hostern wie zum Beispiel Google Drive: die kleineren Cloud-Hoster. Das ist ist natürlich keine eigene private Cloud, wenn man seine Daten bei Unternehmen wie Owncube, MagentaCloud, Tresorit, Your Secure Cloud, Luckycloud oder einem anderen Anbieter speichert. Die Daten liegen damit nicht mehr innerhalb der eigenen vier Wände. Aber je nach Anbieter weiss man wo, also in welchem Land.

Das Cloud-Hosting hat ganz unbestreitbare Vorzüge: Keine eigene Hardware erforderlich (Investition, Betrieb, Ausfall-Risiko) und die Kosten sind in der Regel gut überschaubar – etwa 24 Euro pro Jahr bei Owncube mit 100 GB Speicherplatz oder sogar kostenlos bis 5 GB. Bei der MagentaCloud sind bis 10 GB kostenlos. Ein weiterer Vorteil dieser gehosteten Cloud-Lösungen ist die Bequemlichkeit, dass man sich nicht um Updates und Backups kümmern muss, dass der Speicherplatz einfach erweiterbar ist und dass es prinzipiell sehr ausfallsichere, leistungsstarke Lösungen sind – es sei denn, der Cloud-Hoster geht bankrott, was auch schon passiert ist.