Björn Rosengren, CEO von ABB: „Die COVID-19-Pandemie hat unser Ergebnis im zweiten Quartal wie erwartet deutlich beeinträchtigt.“

Björn Rosengren, CEO von ABB: „Die COVID-19-Pandemie hat unser Ergebnis im zweiten Quartal wie erwartet deutlich beeinträchtigt.“ ABB

„Allerdings haben wir uns gleichzeitig konsequent darauf fokussiert, die Kosten zu senken, und damit unsere Widerstandsfähigkeit erhöht“, sagte Björn Rosengren, CEO von ABB. Deshalb seien die operativen Margen des Konzerns „besser als erwartet ausgefallen“, wobei sich der Geschäftsbereich Antriebstechnik besonders gut entwickelt hat. Trotz der großen wirtschaftlichen Unsicherheiten durch die Pandemie und den damit verbundenen Schwierigkeiten für die Geschäftsentwicklung will ABB sein neues Betriebsmodell „wie angekündigt“ einführen, also das Geschäftsportfolio einer genauen Prüfung unterziehen und mit dem Aktienrückkaufprogramm beginnen.

Wann die Auswirkungen von Covid-19 nachlassen werden, ist derzeit nach wie vor nicht abzusehen. ABB rechnet jedoch bereits im 3. Quartal mit einer leichten Verbesserung des Auftragsrückgangs gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz dürfte im Vergleich zum Vorjahresquartal weiter stark beeinträchtigt sein und sich frühestens im 4. Quartal etwas erholen.

Wichtige Geschäftszahlen des 2. Quartals von ABB

Aufgrund der sich ausweitenden Covid-19-Pandemie im 2. Quartal kam es zu einem deutlichen Nachfragerückgang im kurzzyklischen Geschäft – dies führte zu einem verringerten Produktabsatz. Gleichzeitig waren Systeminstallationen und Serviceaktivitäten von weitreichenden Mobilitätseinschränkungen betroffen. Diese Entwicklungen ließen konzernweit Auftragseingang und Umsatz (-14 % auf 6,2 Milliarden US-Dollar) in nahezu allen Abnehmerbranchen erheblich sinken. Das Ergebnis der Geschäftstätigkeit belief sich auf 571 Millionen US-Dollar; dies entspricht einer Marge von 9,3 %. Das operative Ebitda1 sank um 21 % (20 % in Lokalwährungen) auf 651 Millionen US-Dollar; die operative Ebita-Marge1 verringerte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 90 Basispunkte auf 10,6 %. Der Geschäftsbereich Antriebstechnik konnte seine Margen gegenüber der Vorjahresperiode erhöhen, während alle anderen Geschäftsbereiche trotz verstärkter Kostensenkungsmaßnahmen rückläufige Margen verzeichneten, hauptsächlich bedingt durch geringere Absatzmengen.

Der Konzerngewinn stieg um 398 % auf 319 Millionen US-Dollar; dieser immense prozentuale Anstieg beruht vor allem auf einer großen Belastung im Zusammenhang mit dem Verkauf des Solarwechselrichtergeschäfts, die im 2. Quartal 2019 gebucht worden war. Der operative Gewinn je Aktie sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 35 % auf 0,22 US-Dollar.

Quartalszahlen der Geschäftsbereiche

Der Auftragseingang im Geschäftsbereich Elektrifizierung sank im 2. Quartal um 18 % (-12 % auf vergleichbarer Basis) auf 3,339 Milliarden US-Dollar. Er wurde durch die rückläufige Nachfrage im kurzzyklischen Geschäft einschließlich des Haus- und Gebäudesektors belastet. Auch der erhebliche Abschwung in der Öl- und Gasindustrie und Erneuerbare-Energien-Branche wirkte sich negativ aus. Einige Märkte wie Energieverteilerunternehmen, Bahn, Elektromobilität und Rechenzentren zeigten sich vergleichsweise robust.

Im Geschäftsbereich Industrieautomation ging der Auftragseingang um 20 % (-17 % auf vergleichbarer Basis) auf 1,305 Milliarden US-Dollar zurück. Die Rückgänge kamen vor allem aus der Energie- und Prozessindustrie, aber auch aus dem Schifffahrtssektor.

Im Geschäftsbereich Antriebstechnik verringerte sich der Umsatz lediglich um 10 % (-7 % auf vergleichbarer Basis) auf 1,586 Milliarden US-Dollar. Der breite Abschwung im kurzzyklischen Geschäft beeinträchtigte den Auftragseingang, wenngleich die Aufträge im Bahnsektor und in der Chemiebranche stabil blieben. Der massive Auftragsrückgang auf dem amerikanischen Kontinent konnte durch die kräftige Erholung in China deutlich abgefedert werden.

Im Geschäftsbereich Robotik & Fertigungsautomation verminderte sich der Auftragseingang um 28 % (-25% auf vergleichbarer Basis) auf 638 Millionen US-Dollar. Die Aktivitäten schwächten sich auf wichtigen Absatzmärkten erheblich ab, darunter die Automobilindustrie, die allgemeine Industrie und die Maschinenbaubranche. Zudem war das Vorjahresquartal durch bedeutende Großaufträge gekennzeichnet.

Power Grids an Hitachi verkauft

Am 1. Juli 2020 hat ABB wie geplant 80,1 % der Anteile an Power Grids an Hitachi verkauft, der Rest verbleibt bei ABB. Das Gemeinschaftsunternehmen von Hitachi und ABB erzielt etwa 10 Milliarden US-Dollar Umsatz und beschäftigt 36.000 Mitarbeiter. Die Nettobarerlöse in Höhe von 7,6 bis 7,8 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf von Power Grids will ABB an die Aktionäre ausschütten. Um seine Kapitalstruktur weiter zu verbessern, will ABB in Kürze zunächst den Rückkauf von 10 % des ABB-Aktienkapitals einleiten. Dies entspricht rund 180 Millionen Aktien zusätzlich zu den durch ABB selbst gehaltenen Aktien.

Die Transformation von ABB im Blick

Am 10. Juni 2020 präsentierte der CEO von ABB in einem Webcast für Investoren, wie ABB künftig Mehrwert für Aktionäre, Kunden und Mitarbeitende schaffen will. Mit dem neuen Betriebsmodell ‚ABB Way‘ wird das Unternehmen die Umstellung auf eine vollständig dezentralisierte Struktur beschleunigen. Das neue Modell umfasst vier Geschäftsbereiche – Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebstechnik und Robotik & Fertigungsautomation – mit insgesamt 18 Divisionen und einem schlanken Corporate-Center. Die 18 Divisionen werden in Zukunft die volle Verantwortung für ihre Ergebnisse und Bilanzen tragen. Das Führungsteam von ABB wird seinen Fokus vorrangig auf die Verbesserung der finanziellen Leistung (Profitabilität) des Konzerns sowie auf ein aktives Portfoliomanagement legen.

Im 3. Quartal 2020 wird auf Ebene der Divisionen ein neues Scorecard-System mit standardisierten Kennzahlen für die Leistungsmessung und zur Förderung einer kontinuierlichen Verbesserung eingeführt. Zudem ist ABB auf gutem Weg, die jährlichen Nettoeinsparungen von circa 500 Millionen US-Dollar im Rahmen des Vereinfachungsprogramms ABB-OS schneller als geplant zu erzielen.

Im November 2020 will ABB auf einem Kapitalmarkttag weitere Details zur Portfolioentwicklung und den Strategien der Geschäftsbereiche und Divisionen bekanntgeben sowie die Nachhaltigkeitsziele bis 2030 vorstellen.