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Der neue Türöffnungstaster PK52 der Escha TSL kommt in diesem Doppelstockzug zum Einsatz.
Das einteilige Gehäusesystem der PK-Reihe schützt vor Schäden durch aggressive Reinigungsmittel und garantiert die Funktion auch unter extremen klimatischen Bedingungen.
Der CK71-Taster: Flacher Aufbau, große Tastoberfläche, einfache Bedienung, gute Auffindbarkeit und Brailleschrift unterstützen Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität oder Sehschwächen.
Dank der integrierten Mikroprozessortechnologie im WM87 kann sogar der Zugbetreiber  die akustischen Signale programmieren.

Bitte einsteigen

Türöffnungstaster im Zug müssen enorme Herausforderungen meistern: Das Wetter ist mal heiß oder kalt, mal trocken oder feucht – der Taster muss immer zuverlässig arbeiten. Heftige Druckgradienten bei der Einfahrt in einen Tunnel dürfen ihn nicht verwirren, er muss dem Benutzer mannigfaltige Rückmeldungen geben und sich an die verzwickten Normen der möglichen Einsatzländer halten. Menschen jeder Altersgruppe und mit Behinderungen sollten die Tasten problemlos bedienen können, zudem stellen die Betreiber Sonderwünsche. Dennoch müssen die Kosten überschaubar bleiben. Wie ein Hersteller diese Ansprüche erfüllt, erklärt Escha TSL in diesem Beitrag.

Kaum jemand registriert sie bewusst, aber jeder drückt sie: Die Türöffnungstaster an Straßenbahnen, Regionalbahnen und Fernzügen. Ihre Funktion klingt simpel: Taster betätigen, warten bis sich die Tür öffnet, einsteigen. Dahinter stecken je nach Einsatzbereich aber unterschiedliche Vorschriften und Normen, die für Taster- und Zughersteller gleichermaßen gelten. Strenge Prüfungen und Abnahmeprozeduren der Zugbetreiber entscheiden letztlich, welche Türbetätigungstaster sich wirklich eignen. Für die technischen Eigenschaften, die ein Türöffnungstaster aufweisen muss, spielt der Einsatzort des Zuges eine entscheidende Rolle.

Der Taster muss unterschiedliche Interessensgruppen zufriedenstellen: Den Fahrgast am Bahnsteig, den Verkehrsbetrieb als Betreiber der Züge und natürlich den Zughersteller. Dabei gibt es schwer vereinbare Ziele: Die Verkehrsbetriebe wünschen sich höchste Individualität, zum Beispiel in Gestaltung und Design, bei Piktogrammen sowie bei optischen und akustischen Signalen. Auf der anderen Seite fordern die Türhersteller Standardprodukte, um die Züge möglichst kosteneffizient zu produzieren. Hier sind die Tasterhersteller gefordert: Sie müssen modulare Lösungen anbieten, die eine schnelle, kostengünstige Montage und Verdrahtung beim Zughersteller ermöglichen, und es gleichzeitig erlauben, auf die individuellen Wünsche der Betreiber mit ihren Kunden – den Fahrgästen – einzugehen.

Nah- und Regionalverkehr

Im Nahverkehr kommen Taster überwiegend in Bussen, U- und Straßenbahnen zum Einsatz. Die Personenzüge im Straßenbahnverkehr fahren innerhalb des Stadtnetzes. Sie sind eng vernetzt mit den übrigen Verkehrsmitteln im öffentlichen Personenverkehr. Somit sind die Züge für den schnellen Fahrgastwechsel konzipiert – mit hoher Betätigungsfrequenz der Taster durch ein- und aussteigenden Fahrgäste.

Im Regionalverkehr bedienen Personenzüge den Nah- und Fernverkehr. Regionalbahnen fahren zumeist innerhalb eines in­teg­rierten Fahrplans im Stundentakt auf festgelegten Linien. Dabei halten sie regelmäßig an allen Bahnhöfe und Haltestellen einer Strecke. Im Parallelverkehr mit der S-Bahn beschränken sie sich hingegen auf Haltestellen mit hohem Fahrgastaufkommen.

An alle Fahrgäste denken

Für beide Einsatzbereiche gelten dieselben Anforderungen bezüglich Türbetätigungstaster: Am Bahnsteig herrscht in der Regel reges Treiben mit unterschiedlichen Fahrgasttypen wie ältere Personen, Kindern, Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen und Fahrgäste mit Kinderwagen. Um diesen individuellen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Taster wesentliche Kriterien erfüllen:

  • Schnelle Auffindbarkeit an der Tür.
  • Visuelle und taktile Erkennbarkeit des Tasters (also Blindenschrift Braille und selbsterklärende Piktogramme).
  • Große Tastoberflächen.

In seinen Tasterfamilien hat der sauerländische Hersteller Escha TSL diese Anforderungen besonders im Hinblick auf eingeschränkt mobile Personen umgesetzt. Die neue PK52-Reihe verfügt über die größte Tastfläche in dieser Baugröße. Der konstruktive Aufbau sowie die Verwendung von High-Power-LEDs ermöglichen dem Fahrgast, den Taster auch im Dunkeln schnell aufzufinden und dank der sehr guten seitlichen Erkennbarkeit auch treffsicher zu drücken. Der Benutzer erhält beim Betätigen direkt eine spürbare Rückmeldung (taktiles Schalten) sowie eine optisches (über LEDs) und/oder akustisches Signal.

Wunschliste des Betreibers

Für den Bahn-Betreiber spielen neben den kundenfreundlichen Eigenschaften der Türbetätigungstaster noch weitere Kriterien eine entscheidende Rolle:

  • Hohe Ausfallsicherheit.
  • Wartungsfreiheit.
  • Robuster Aufbau gegen Vandalismusschäden.

Eine weitere Herausforderung für die Verkehrsbetriebe sind die berüchtigten Graffiti-Sprayer. Nicht selten verewigen sich unbekannte Möchtegern-Künstler auf den Wänden der Züge. Bei der Säuberung kommen dann so genannte Graffiti-Remover zum Einsatz. Das Reinigungspersonal trägt die Chemikalien auf die verunstalteten Zugwände auf, lässt sie einige Zeit einwirken und wäscht die Lösung wieder ab. Dabei wird die Chemikalie auch in Öffnungen und Spalten von mechanischen Tastern gedrückt.

Das Problem dabei: Graffiti-Remover verharzen nach einer bestimmten Zeit. Das kann zu Fehlfunktionen bis hin zum endgültigen Ausfall (kein Hub mehr) eines mechanischen Tasters führen. Innerhalb der PK-Baureihe hat Escha TSL daher einige Taster speziell für diese Applikation entwickelt. Diese Ausführungen verfügen über ein hermetisch geschlossenes einteiliges Gehäusesystem. Hierbei handelt es nicht um einen Sensortaster, sondern um einen komplett mit Kunststoff ummantelten mechanischen Taster.

Der Kunststoff im Bereich der Tastfläche ist so ausgeführt, dass sich bei Betätigung die Tastoberfläche leicht durchbiegt. Ein auf der Rückseite montiertes Metallplättchen berührt dabei einen Kontakt im Tastergehäuse. Der Taster schaltet. Dieser so genannte Kurzhubtaster ist absolut dicht gegenüber Umwelteinflüssen und somit auch resistent gegen Reinigungsmittel aller Art.

Züge im Fernverkehr

Bei Bahnen im Fernverkehr weichen die technischen Anforderungen etwas ab. Die Ein- und Aussteigefrequenz ist wesentlich geringer als im Regional- und Nahverkehr. Andererseits sind diese Züge besonderen Umweltbedingungen ausgesetzt. Wegen der hohen Geschwindigkeiten kommt es gerade in Tunneln oder bei Begegnungen auf offener Strecke zu extremen Druckunterschieden am Zug und somit auch an den Tastern. Hier müssen die Geräte so ausgelegt sein, dass es zu keiner Fehlfunktion (unbeabsichtigte Türöffnung) kommen kann.

Oft fordern die Betreiber extrem flache Taster. Eine weitere Herausforderung an die Hersteller stellen die klimatischen Randbedingungen dar: Die Kundenklientel der Hochgeschwindigkeitszüge ist der globale Personenbeförderungsmarkt. Der gleiche Zugtyp kann sowohl in Sibirien als auch in Dubai zum Einsatz kommen. Die Taster müssen daher bei Eis, Schnee und Regen genauso sicher funktionieren wie bei Hitze, Staub und hoher Luftfeuchtigkeit. Besonders in Breitengraden mit extremen Temperaturen werden Varianten aus der PK-Reihe erfolgreich eingesetzt. Ein patentiertes Druckluftausgleichssystem innerhalb dieser Bauteile sorgt dafür, dass der Schaltdruck (Betätigungskraft) über einen Temperaturbereich von -50 bis +80 °C gleich bleibt.

Die PK-Reihe setzt der Vielfalt an Betreiber-Wünschen keine Grenzen. Sie können sich bezüglich Design, Farben, Schriften oder Piktogrammen bei ihren Fernzügen und im Nahverkehr frei entfalten. Dabei sind Sonderwünsche nicht auf europäische Bahnen beschränkt: Internationale Betreiber sind bei Vorschriften und Anforderungen ähnlich kreativ wie die europäischen Verkehrsbetriebe.

Internationale Herausforderung

Züge fahren häufig im länderübergreifenden Fernverkehr. Um die nationalen Anforderungen an Taster zu standardisieren, wurde die TSI PRM (Technische Spezifikation für Interoperabilität) ins Leben gerufen. Sie beschreibt Eigenschaften wie Tastflächengröße, Farbkontraste, optische (Blinken) und akustische Signale.

Als besonders schwierig erweist sich das Einstellen von Signaltönen. Die Betreiber geben die Parameter vor, zum Beispiel Tonhöhe, Tonlänge, Frequenz und Lautstärke. Die Messung erfolgt aber nicht am Gerät, sondern an zuvor definierten Messpunkten innerhalb des Zugabteils. In der Praxis ist es für den Zughersteller allerdings nahezu unmöglich, alle Parameter vorab genau zu bestimmen. Das unweigerliche Resultat lautet, dass er bei den Messungen (der Zug steht bereits zur Abnahme beim Kunden) einige Parameter anpassen muss. Die Geräte werden dazu ausgebaut und umgetauscht.

Abgesehen vom Zeitverlust und den entstandenen Kosten entstehen selbst nach erfolgreicher Abnahme noch häufig Änderungswünsche im Einsatz beim Betreiber. Ein vollbesetztes Abteil weist andere akustische Eigenschaften auf als ein leeres, nur mit Richtmikrofonen bestücktes Abteil. Durch enge Kooperationen mit Zugherstellern hat die Escha TSL eine innovative Lösung für diese komplexe Problematik entwickelt und die Elektronik der Signalgeber der WM-87-Reihe komplett auf Mikroprozessortechnologie umgestellt. Die gewünschten optischen und akustischen Parameter können direkt in den Signalgeber programmiert werden. Mit einer hierfür entwickelten Software ist der Zughersteller in der Lage, die entscheidenden Parameter über eine serielle Schnittstelle direkt vor Ort zu verändern. Mit einem Signalgeber lassen sich nun die unterschiedlichsten Funktionen realisieren. Auch der Betreiber kann später bei Bedarf jeden Taster individuell nachjustieren.

Den richtigen Taster finden

Im Markt der Tasteranbieter gibt es unterschiedliche Philosophien bei der technischen Ausführung: mechanische Taster, Sensortaster, Kurzhubtaster, flache Bauformen, unterschiedliche Materialen – die Liste der Varianten und Möglichkeiten ist lang.

Wichtig ist eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Betreibern, den Zugherstellern und den Tasterlieferanten, um im Vorfeld bereits das richtige Produkt für den jeweiligen Einsatzbereich zu definieren.

Kleines Gerät – große Verantwortung

Bei allen Anforderungen gewinnt der Fahrgast zunehmend an Einfluss. Sicherheitsanforderungen steigen, unsere Gesellschaft bleibt bis ins hohe Alter mobil, Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen nehmen verstärkt am öffentlichen Verkehr teil, der Schienenverkehr nimmt international zu. Gleichzeitig wächst der Kostendruck der Zughersteller und die Produktionszeiten eines Zuges inklusive Fahrzeugabnahmen bei den Betreibern sinkt.

Das sind Herausforderungen, denen sich auch Taster-Entwickler und -Produzenten stellen und Verantwortung übernehmen müssen – auch wenn es sich bei ihren Produkten um eine vergleichsweise simple Funktion in einem hochkomplexen Personentransportmittel wie einem Zug handelt: Tür auf – Tür zu!