Die Maschine kann vermutlich mit dem Smartphone nicht mithalten.

Die Maschine kann vermutlich mit dem Smartphone nicht mithalten.OSADL

Es war einmal ein Bedienpanel aus Metall mit Bohrungen für Anzeigen und Knöpfe und mit eingravierten Beschriftungen. Wenn Anzeige- oder Bedienelemente nicht mehr lieferbar waren oder sich deren Abmessungen geändert hatten, musste das Panel entsprechend angepasst werden. Dadurch waren Lagerhaltung und Reparaturen schwierig und aufwendig. Hinzu kam, dass für jede Sprache individuelle Panels erforderlich waren.

Bereits Mitte der 1980-er Jahre begannen Maschinenbauer, das gebohrte und gravierte Bedienpanel wegen der genannten Nachteile durch ein Display abzulösen. Zunächst hatte dieses allerdings noch kein Touchpanel sondern eine Cursor-Steuerung und Menüs am oberen Displayrand – im Jargon „Lotus 1-2-3-Menüs“ genannt. Seit Beginn der 1990-er Jahre kamen dann zunehmend auch Touchpanels zum Einsatz. Auf dem Display wurden die früheren Hardware-Komponenten und Beschriftungen grafisch nachempfunden. Die Entwicklung verlief relativ langsam und folgte den im Maschinenbau üblichen Entwicklungszyklen.

Das Touchpanel haben Maschinenbauer – nicht Smartphone-Hersteller erfunden

Als Apple 2004 mit der Entwicklung eines Smartphones begann, war es naheliegend, auf den Vorarbeiten der Maschinenindustrie aufzubauen. Aber die Anforderungen gingen weit über die damals bekannten Bedienkonzepte hinaus, und so bewirkte die Entwicklung des ersten Smartphones – das iPhone – im September 2007 einen gewaltigen Technologiesprung. Das erste Android-basierte Smartphone etwa ein Jahr später brachte dann keine vergleichbare äußere Weiterentwicklung mit sich. Neu war aber das offene Software-Konzept, das es im Gegensatz zum iPhone ermöglicht, die Android-Software auch für andere Anwendungsfälle, zum Beispiel für grafische Bedienoberfläche von Maschinen, zu verwenden.

Die Kosten für die Entwicklung von Maschinen-Software können mittlerweile durchaus die Kosten für Hardware-Entwicklung übersteigen. Daher ist es höchst willkommen, wenn sich für das Mensch-Maschinen-Interface ein Teil der bisher individuellen Entwicklung durch die Verwendung eines universellen Frameworks ersetzen lässt. Außerdem fasziniert an dieser Idee, dass die grundsätzlichen Bedienkonzepte den meisten Anwendern durch den Gebrauch des eigenen Smartphones bestens vertraut sind.

Ungleiches Paar: Maschine und Consumer-Software

Bringt man aber zwei für unterschiedliche Zwecke entwickelte Systeme zusammen, sollte man nicht nur auf die momentane Kompatibilität achten, sondern auch die Entwicklungsgeschwindigkeiten beider Systeme berücksichtigen. Industrielle Bedienpanels werden sich wahrscheinlich langsamer weiterentwickeln als das Betriebssystem. Wenn es stimmt, dass die beiden Systeme – Maschinensteuerungen und Smartphone-Oberfläche – in naher Zukunft auseinander laufen, sind nur diejenigen Maschinen geeignet, bei denen keine direkte Interaktion mit dem Ablauf des Maschinenprogramms erforderlich ist, zum Beispiel wenn über die Bedienoberfläche die Maschine nur eingerichtet wird. In diesem speziellen Fall lässt sich die Bedienung wohl auch mit einer App in einem unveränderten Smartphone oder Tablet-Computer realisieren. Dann ist der Maschinenbauer auch nicht auf Android angewiesen, sondern kann die App auch für iPhone anbieten. Dadurch kann er die Forderung nach einer Second Source erfüllen.

Wenn die Bedienoberfläche allerdings eng mit der Maschinensteuerung verwoben ist und diese mit der Art der Maschine zusammenhängt, ist die Verwendung des Android-Frameworks eher nicht zu empfehlen. Der Maschinenbauer müsste sich dann in einem Ökosystem zurechtfinden, das nicht für ihn gemacht wurde und bei dessen Weiterentwicklung keine Rücksicht auf ihn genommen wird. Nicht zuletzt muss er auch befürchten, in Patent-Scharmützel hineingezogen zu werden, die er im Gegensatz zu einem Smartphone-Hersteller, weniger gelassen nehmen kann.

SPS IPC Drives 2013, Halle 8, Stand 420