Um die Fahrstrategie beim hochautomatisierten und autonomen Fahren umzusetzen, wird in die Brems-, Lenkungs- und Motorsteuerung eingegriffen. Dabei müssen alle Aktuatoren redundant ausgelegt sein, um auch im Fehlerfall weiterhin die notwendigen Ansteuerungen durchführen zu können. Das bedeutet am Beispiel der Bremse, dass Continental das hochdynamische Bremssystem MK C1 mit dem Zusatzmodul für ein redundantes Bremssystem (HBE – Highly automated Brake Extension) kombiniert. Auf Gesamtfahrzeugebene ist die Komplexität noch wesentlich höher: Lösungsbeiträge aus allen Divisionen von Continental wirken dabei zusammen, um eine durchgehende Lösung aus einer Hand zu ermöglichen. Für den Fahrer ist vor allem wichtig, wie die Kommunikation mit dem Cruising Chauffeur erfolgt und wie der Cruising Chauffeur auf die Ansteuerung und die Anforderungen des Menschen hinter dem Steuer reagieren kann. Auch hier ist wieder Sensorik gefordert, weil sie ein wichtiger Teil des Interaktionskonzepts zwischen Mensch und Maschine ist. Die Entwicklung des Cruising Chauffeurs gemäß SAE/VDA Level 4 wird derzeit mit Hochdruck vorangetrieben. Fast alle Fahrzeughersteller haben bereits Ankündigungen für den Fahrzeugeinsatz vergleichbarer Systeme gemacht. Continental sieht technologisch die Serienreife AD Level 4 ab 2020, was allerdings auch abhängig von der Gesetzgebung ist. Aktuell liegen die Schwerpunkte in der Entwicklung des automatisierten Fahrens bei Continental auf der Umfeldmodellierung und der Algorithmusentwicklung für die Fahrstrategie.

Automatisiertes Fahren, Schritt 2: Selbstparkendes Fahrzeug

Angenommen, unser Fahrer nähert sich nach langer und entspannter, weil automatisierter Autobahnfahrt dem Großraum München und erreicht damit absehbar das Ende der Regelaufgabe des Cruising Chauffeurs. Deshalb wird der Mensch hinter dem Steuer nun rechtzeitig aufgefordert, die Fahraufgabe wieder zu übernehmen. Im Interesse einer wirklich komfortablen Mobilität kann diese Etappe der Reise zu einem Park-and-Ride-Parkplatz führen. Das ist heute noch ein Punkt, mit dem sich viele Autofahrer schwer tun, weil der Übergang vom komfortablen Pkw zum nächsten Verkehrsmittel einer kalten Dusche gleichen kann. Die Gründe sind vielfältig. Den Anfang macht die Parkplatzsuche auf einem typischerweise großen Gelände. Daran schließt sich unter Umständen ein langer Fußweg womöglich mit Gepäck – und bei schlechtem Wetter – zur nächsten Haltestelle eines öffentlichen Transportmittels an. Für weiteren Ärger kann die Taktung von Bus oder Bahn sorgen, wenn sie lange Wartezeiten verursacht. Nicht funktionierende Fahrkartenautomaten sind weitere häufige Problemquellen.

Solche Erfahrungen veranlassen viele Autofahrer, mit ihrem Fahrzeug bis direkt zum Ziel zu fahren. Und das, obwohl vermutlich die meisten schon den Stress erlebt haben, den gerade die letzten Kilometer bis zum Ziel in einer urbanen Zone bedeuten können. So komfortabel das Auto auf langen Strecken ist, so sehr kann es in der Innenstadt dank Parkplatznot und Stau zum Klotz am Bein werden – London lässt grüßen.

Seite 3 von 6123456