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Udo Huneke: "Das Innovation Lab in München versetzt uns in die Lage, mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt zu halten. " (Bild: Redaktion IEE)

Herr Huneke, was bedeutet More Drive?

Udo Huneke: Wir haben uns seit 2016 intensiv damit beschäftigt, wie AMK am Markt wahrgenommen wird und wie wir uns selbst sehen. Gerade im Hinblick auf die künftige Ausrichtung des Unternehmens, war das ein wichtiger Schritt. In diesem Zusammenhang war es für uns wichtig, das auf eine pragmatische Formel zu bringen: More Drive. Das steht für mehr Leistung, mehr Performance – nicht nur in den Produkten, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Kunden. Eigentlich ist More Drive genau das, was AMK schon immer geleistet hat, nur bis dato für ein relativ kleines Kundensegment. Diese Philosophie tragen wir jetzt verstärkt in weitere Märkte und Regionen.

Wie sieht diese Ausrichtung denn aus?

Udo Huneke: AMK stellt sich internationaler auf, um den Anforderungen der Kunden und Märkte gerecht zu werden. Das bedeutet gleichzeitig aber auch die Wachstumsanforderungen unserer heutigen Kunden nicht außer Acht zu lassen. Wir haben in den letzen 18 Monaten schon erheblich in neue Maschinen für die Motorenproduktion, die Elektronikfertigung und in unsere IT-Infrastrukturen investiert. Weitere Investitionen in den Ausbau unserer Kapazitäten sind bereits gestartet. Schließlich wollen und müssen wir unser erfreuliches Wachstum stemmen und mit den aufkommenden Technologien Schritt halten.

Es steht also eine Produktionserweiterung an?

Udo Huneke: Wir gestalten bereits umfänglich an unseren Gebäuden und Laboren an allen Standorten um, bis hin zum Parkplatzangebot. Entscheidend ist aber nicht allein das Bauen von Produktionskapazität und intelligentem Sourcing. Es geht um neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Ermöglichung verstärkter Co-Kreativität und arbeiten deswegen an alternativen Konzepten für den Standort Kirchheim.

Und wie wirkt sich Ihr Claim More Drive auf Produkte und Technologien aus?

Udo Huneke: Wir alle erleben derzeit einen exorbitant schnellen Wandel. Ich selbst hätte mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können, was wir heute alles mit unserem Smartphone bewegen, was mit digitalen Brillen und Augmented Reality alles möglich ist. Sicher, manches erlebt gerade einen Hype und wird wieder verschwinden. Manches wird sich aber etablieren. Auch wir probieren im Moment Vieles aus und reflektieren gemeinsam mit unseren Kunden die Dinge, die wir wirklich vorantreiben und zur Serienreife entwickeln müssen.

Welche Technologien sind das?

Udo Huneke: Das ist beispielsweise die App-Thematik, Cloud-basierte Ansätze für die Steuerungstechnik und Services. Ein aktuelles Beispiel dafür ist eine App für die Parametrierung und konfiguration eines Delta-3-Roboters.

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Jürgen Rapp: "Unsere Cloud Solution soll in der ersten Ausführung noch 2018 verfügbar sein." Redaktion IEE

Jürgen Rapp: Vor zwei Jahren haben wir das erste Mal unsere Kompaktwechselrichter-Module MultiServo für bis zu vier Servoachsen vorgestellt und bereits damals skizziert, wie Apps die Inbetriebnahme und Predictive Maintenance des Antriebs vereinfachen könnten. Es hat seine Zeit gebraucht, bis die Kunden sich auf dieses Thema eingelassen haben. Inzwischen haben wir aber die reale Anwendung umgesetzt in Form einer App für Robotik-Applikationen.

Udo Huneke: Weitere, überaus interessante Themen sind Simulation, also der Digital Twin und die Augmented Reality. Für Predictive Maintenance und die daraus resultierenden Geschäftsmodelle ist aus meiner Sicht die Zeit reif.Aktuell sind wir dabei, diese Zukunftsthemen konkret anzugehen. Damit das im Tagesgeschäft nicht untergeht, haben wir dazu Anfang des Jahres ein Innovation Lab im Umfeld der TU München gegründet. Die Nähe zur Hochschule, Mitarbeiter mit den richtigen Skills und Ideen für unsere Projekte zu rekrutieren, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Was muss ich mir darunter vorstellen?

Udo Huneke: Wir sind mit unserer Mannschaft voll umfänglich mit bestehenden Projekten und Entwicklungsaufgaben ausgelastet und suchen eigentlich permanent Mitarbeiter. Dieses Problem hat derzeit jedes Unternehmen. Gleichzeitig sollen und müssen wir uns aber für die Zukunft ausrichten, neue Technologien qualifizieren und unsere Strategie ausrichten. Dazu Entwickler und Produktmanager für mehrere Wochen aus dem Tagesgeschäft herauszuziehen, fällt manchmal sehr schwer.

All diese Dinge in der notwendigen Tiefe und Geschwindigkeit voranzutreiben geht meines Erachtens in einem Mix aus universitätsnahen, studentischen Projekten und Partnerschaften viel besser. Im Innovation Lab werden wir unter anderem Demonstratoren und Prototypen aufsetzen, an denen wir gemeinsam mit Kunden diskutieren können, welche Technologien für ihre Applikationen sinnhaft sein könnten und wir bis zur Serienreife entwickeln sollten. Ein Nebeneffekt ist, dass wir natürlich auch Kontakt zu potenziellen, zukünftigen Mitarbeitern erhalten.

Welche Vorteile das Innovation Lab noch hat, lesen Sie auf Seite 2.

Dieses Innovation Lab wird also das Kompetenzzentrum Software?

Udo Huneke: Das Innovation Lab ist ein Zentrum für cyberphysische Systemtechnologie. Wir sehen natürlich, dass der stärkste Umschwung derzeit diese software-orientierten Technologien betrifft. Insofern liegt aktuell der Schwerpunkt auf den Software-Technologien.

Auf der SPS IPC Drives haben Sie More Drive erstmals skizziert – mit welcher Kernbotschaft?

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Udo Huneke: "Die A7-Familie ist die technologische Basis unserer Automatisierungsplattform." Redaktion IEE

Udo Huneke: In Nürnberg haben wir gezeigt wohin die Reise aus unserer Sicht geht und was auch in naher Zeit verfügbar sein wird. Denn trotz aller Apps und Clouds – die klassischen Industriesteuerungen und Motion Controller werden noch über viele Jahre Bestand am Markt haben. Die in den Geräten eingesetzten Technologien werden sich sicher verändern. Hier sehen wir OPC UA und TSN. Beide werden Bestandteile unserer kommenden Generation Motion Controller sein, der A7-Familie. Diese Hardware-Plattform wurde mit einem Partner entwickelt umfasst aber explizit alle antriebsspezifischen Funktionen, die Kunden für ihre hochdynamischen Lösungen benötigen. Das erste Gerät der A7-Familie soll Mitte 2018 verfügbar sein und wird dann konsequent um weitere Funktionen und Performanceklassen erweitert.

Der A7 ist doch ein Controller mit Bedienpanel. Brauchen Sie wegen der Durchgängigkeit nicht auch eine Variante für dezentrale Architekturen, also Servo-Verstärker mit integriertem A7-Controller?

Jürgen Rapp: Genau das denken wir an, unsere Ein- beziehungsweise Mehrachs-Verstärker entsprechend auszustatten. Neben der App-Thematik werden wir in den Servo auch eine klassische Motion Control-Steuerung integrieren, analog zu den bisherigen Multiservos.

Darüber hinaus ermöglichen OPC UA und TSN neue Steuerungsansätze: Braucht es in einzelnen Maschinenmodulen oder kleineren Anlagen künftig noch einen separaten Motion Con­troller oder lässt sich das aufteilen zwischen dem intelligenten Antrieb und einer Ablaufsteuerung in der Cloud?

Braucht es für diese Skalierung nicht ein identisches Engineering-Tool und ein einheitliches Betriebssystem auf allen Hardware-Plattformen?

Jürgen Rapp: Wir gehen bei unserem Szenario von drei Ausbaustufen aus. Die erste ist ein kompakter MultiServo mit einer Einspeisung für mehrere Achsen. Ausbaustufe 2 umfasst die erweiterten Möglichkeiten, etwa spezielle Inbetriebnahmefunktionen wie wir sie mit der Robotik-orientierten App bereitstellen. Darüber lässt sich ein 4-Achs-MultiServo komplett handeln. Das haben wir auf der Messe mit einem Delta 3-Roboter demonstriert. Und die Motion Control im MultiServo als dritte Ausbaustufe, lässt sich mit genau dem gleichen Engineering-Tool programmieren wie die separate Steuerung.

Sie erwähnten gerade eine Cloud-Lösung für die übergeordneten Abläufe. Plant AMK für Kunden eine eigene Cloud-Infrastruktur?

Udo Huneke: Wir planen hier verschiedene Ausprägungen. Einerseits sind ganz große Anbieter am Markt unterwegs, SAP mit Hana, Microsoft Azure oder Siemens Mindsphere beispielsweise. Hinzu kommen Hosting-Anbieter wie die Telekom, 1&1 oder Vodafone. Und es gibt darüber hinaus natürlich auch den Ansatz, als Unternehmen selbst eine eigene Cloud aufzusetzen.
Unser Ansatz ist, alle Varianten abzudecken. Umsetzen werden wir das zusammen mit unserem Partner, mit dem wir gemeinsam die Cloud-Lösung entwickeln.

Jürgen Rapp: Die Cloud wird so neutral sein, dass sie jeder Kunde entsprechend seinen eigenen Anforderungen bei einem anderen Anbieter integrieren oder selbst hosten kann. Gemeinsam mit unserem Partner werden wir passend dazu auch einen kleinen Cloud-Server bereitstellen, den sich jeder in eine Ecke stellen und seine eigene private Cloud betreiben kann. Dazu gibt es natürlich auch entsprechende Wartungs- und Leistungspakete.

AMK ist Antriebsspezialist, ihr Partner ein Panel- und Steuerungs­anbieter. Praktisch wäre noch Platz für weitere Partner, um das Portfolio abzurunden.

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Udo Huneke: "Wir unterstützen private wie auch offene Clouds." Redaktion IEE

Udo Huneke: Unsere Antriebs- und Cloud Lösungen decken bei weitem nicht das komplette Automatisierungsumfeld ab. Denken Sie nur in Richtung Sensorik oder andere Aktoren. Der Nutzen ist für Endanwender und einen Maschinenbauer am Größten, wenn er seine komplette Sensorik und Datenwelt integrieren und für Auswertungen nutzen kann. Nur dann kennt er die komplette Wahrheit und kann entsprechende Erkenntnisse daraus ableiten. Unsere Kooperation ist wiederum so offen, dass weitere Anbieter jederzeit andocken können.

Laufen schon erste Gespräche?

Jürgen Rapp: Selbstverständlich!

Und ihre bisher entwickelten Apps werden Bestandteil der Cloud-Kooperation?

Jürgen Rapp: Also die Technologie ist dafür ausgelegt. In dem speziellen Fall ist das wegen des starken Fokus auf einen Kunden und seine Applikation noch offen.

Udo Huneke: Unsere Cloud-Lösung wird mit dem, was sie alles kann, ein wichtiger Servicebestandteil für Kunden sein. Um bei dem aktuellen Projekt zu bleiben: Über die einfache Inbetriebnahme und das einfache Parametrieren seiner Robotik-Applikation wird der Maschinenbauer seinen Kunden weitere Services anbieten wollen, in Zukunft vielleicht auch zur Differenzierung anbieten müssen.
Viele Unternehmen werden sich damit schwer tun, solche Cloud-Services selbsttätig zu entwickeln und kein großes Interesse haben, das selbst zu machen. Hier kommen wir mit unserem Partner ins Spiel und stellen alle Hilfsmittel und Funktionen zur Verfügung.

Der Ansatz Motion Control im Antrieb, übergreifende Abläufe in der Cloud. Bis wann ist das realistisch umsetzbar?

Jürgen Rapp: Motion Control im Antrieb ist da. Gleichwohl wird sich der klassische Aufbau noch über viele Jahre im Markt halten, denn nicht jeder wird das umstellen wollen oder dazu in der Lage sein. Und es macht auch nicht überall Sinn. Daher wird es diese Technologien weiter geben. Aber die Steuerung in der Cloud wird kommen. Davon sind wir felsenfest überzeugt und wir werden definitiv auch Services in der Richtung anbieten. Wie schnell das kommen wird, muss man differenzieren. Beginnt eine Cloud-Steuerung bereits mit der Inbetriebnahme-Unterstützung über eine Cloud, sind das Service- und Wartungsfunktionen oder Data Logging über die Cloud oder Software-Updates über die Cloud? Meine Einschätzung: Bis die ersten Anwender wirklich anfangen, über eine Cloud ihre Prozesse zu steuern, wird sicher noch zwei Jahre dauern.

So schnell?

Udo Huneke: Meldungen und Datendiagnose in der Cloud mit Sicherheit. Das wird ein fließender Prozess. Mit einer Steuerungs-App auf dem Smartphone ist es ja nur noch ein kleiner Schritt zur Cloud. Ob die Anzeige oder der Informationsaustausch mit der Anlage auf dem Smartphone vor Ort über einen Webclient erfolgt oder über eine Cloud, ist technologisch eigentlich kein großer Schritt. Aber die Bereitschaft dazu, diesen Schritt zu gehen, das wird schon noch ein bisschen dauern.

Und auf der Hannover Messe zeigen Sie die nächste Ausbaustufe von More Drive?

Udo Huneke: Wir werden eine Konkretisierung dessen zeigen, was wir auf der Messe SPS IPC Drives angefangen haben und wie die einzelnen Fragmente unseren Kunden helfen werden, Antriebs­aufgaben dezentraler, flexibler und offener für die Zukunft im Sinne von IIoT zu lösen.

Das Interview führte Chefredakteur Stefan Kuppinger

(sk)

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