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IEE: Als Einstieg – Was ist Blue Melt und was macht Blue Melt?

Herbert Bertram, Blue Melt: Blue Melt ist von drei Personen gegründet worden. Neben mir besteht die Geschäftsführung aus Terry O‘Sullivan, der für die Fertigung zuständig ist, und Rudolf von Bargen, unserem Vertriebsleiter, der schon seit 25 Jahren in diesem Bereich arbeitet und deshalb natürlich viele Anwender kennt. Dazu gehören auch viele Automobilzulieferer. Im Oktober 2010 haben wir Blue Melt gegründet und firmieren nun seit dem 01. Februar als GmbH.
Wir stellen Maschinen für die Verklebung von Beschichtungen aller Art her; in der Automobilindustrie zum Beispiel für die Türverkleidungen von innen – sei es aus Leder, Alcantara oder PVC-Folien. Die werden vor allem hauchdünn mit reaktivem PUR-Schmelzklebstoff beschichtet. Bei den Auftragsanlagen von uns fahren sie die Stoffzuschnitte einzeln durch ein Walzenwerk. Das sind zwei Walzen, dazwischen befindet sich der Kleber. Die eine Walze kratzt den Kleber nur von der anderen ab und die zweite trägt es dann auf das Material hauchdünn auf. Außerdem haben Sie eine Gegenwalze, damit das Ganze stabil gehalten wird. Dann werden die Stoffzuschnitte nach draußen befördert und dort wieder abgenommen.

IEE: Ihre Firma ist noch so sehr jung. Wie sind Sie anfangs an die Aufträge gekommen?

Herbert Bertram: Der Herr von Bargen hat nun mal seit 25 Jahre Kontakt zu diesen Unternehmen und darüber hinaus haben wir auch viel Glück gehabt. Außerdem haben wir von einem Geschäftspartner Aufträge erhalten. Und dadurch ist es erst mal gar nicht aufgefallen, von wem die Anlage kam. Jetzt laufen die ganzen Aufträge direkt über uns. Aber deswegen ist das vielleicht vielen gar nicht so richtig bewusst gewesen, wo sie ihre Anlagen gekauft haben. Auch haben wir viele Veränderungen in unsere Anlage reingenommen und uns ein paar Sachen von der Konkurrenz angeschaut. Wir haben gesagt, jetzt nehmen wir diese Anlagen und holen das Beste raus.

Jörg Scheerer, Phoenix Contact: Was sind eigentlich die Qualitätsmerkmale der Anlage?

Herbert Bertram: Wir haben oben zwei Walzen. Die Konkurrenz setzt teilweise einen festen Spatel als Gegenwalze ein. Und an diesem festen Spatel sammeln sich die Filzrückstände. Und dann haben Sie Streifen auf dem Klebeauftrag.

IEE: Klar, wenn ich irgendwo hängen bleibe, dann ziehe ich das Material drüber und habe keinen Kleberauftrag.

Herbert Bertram: Genau. Und dieser Fehler wird komischerweise von der Konkurrenz nie konstruktiv angegangen. Das ist eines der Hauptargumente, weswegen wir diese Walzen verkaufen können.

Jörg Scheerer,Phoenix Contact: Dazu ist die Maschine noch schön kompakt.

Herbert Bertram: Viele Konkurrenten haben sehr viel größere und umständlichere Anlagen. Auch die Bedienung ist ein großes Thema. Ein Schweizer Unternehmen hat zwar eine etwas kleinere Anlage als wir, aber das Bedienen ist umständlicher. Sie müssen immer in die Knie gehen, wenn sie etwas einstellen möchten. Wir haben alles auf Augenhöhe angebracht, sodass man von allen Seiten gut rankommen kann.

Jörg Scheerer: Worauf kommt es bei den Maschinen an? Auf die genaue Dosierung oder auf einen möglichst dünnen Klebefilm?

Herbert Bertram: Beides. Im Bereich der Automobil-Zulieferindustrie reden wir über einen Klebstoffauftrag zwischen 60 und 100 g/m². Dosieranwendungen zwischen 5 und 10 g/m² findet man in der Vliesstoffverklebung und bei der Herstellung von Verbundfolien. Wir haben jetzt eine Anwendung, eine Instrumententafel zu besprühen. Dort geht es nicht mehr mit der Walzen-Variante. Sie können die Kaschierzuschnitte der Tafel nicht mehr durchfördern, weil sie zu viele Ecken und Kanten hat. Über einen Roboter wird die Instrumententafel eingelegt und an einem Sprühkopf vorbei geführt. Und dort wird der Kleber aufgesprüht.

IEE: Wie kommt der Kleber zur Sprühdüse? Das Material muss auch wieder aufgeschmolzen werden?

Herbert Bertram: Es gibt einen Fassschmelzer. Der Kleber wird in fester Form in Fässern angeliefert und wird über einen Heißleimschlauch zu einer Pumpenstation gefördert. An dieser Pumpenstation sitzen zwei Feinprüf-Dosierpumpen mit Servomotoren und die fördern den Kleber dosiert weiter zum Kopf. Das Aufschmelzen selbst passiert im Tank, mit einer beheizten Platte. Beim Sprühen, muss man exakt auf die Temperatur achten. 1 oder 2 °C Unterschied macht schon einen riesigen Viskositätsunterschied aus. Deswegen hat ein Kunde Wert darauf gelegt, dass dort viele Regelstellen sind und auch zusätzliche Temperatursensoren, die ausschließlich den Kleber unterwegs kontrollieren, wie warm er wirklich ist. So ein Heißleimschlauch ist teilweise 4 m lang.

Jörg Scheerer: Bei einer solchen Regelstrecke müsste ich eigentlich auch direkt am Sprühkopf messen.

Herbert Bertram: Genau, das machen wir. Wir messen zusätzlich an der Pumpenstation, wir messen davor, dahinter und an den Köpfen, damit auch wirklich die Temperatur stimmt. Wenn der Kleber zu kalt wird, muss an der Platte nachgeregelt werden. Aber auch den Schlauch könnte man noch höher heizen. Aber dabei muss man aufpassen. Der Kleber darf nicht zu heiß werden, weil er sonst mit der Zeit ausreagiert respektive aushärtet. Irgendwann wird er harzig und dann setzt sich ruckzuck die Pumpe zu.

IEE: Jetzt haben wir eine ganze Menge um die Maschinen herum gehört. Wie kamen Sie zu Phoenix-Produkten? Sie könnten ja auch eine Steuerung von einem Wettbewerber einsetzen.

Herbert Bertram: Der erste Vorteil ist der Preis, das muss ich einfach so sagen. Aber in vielen Lastenheften steht heutzutage bei den Automobilherstellern drin: Siemens-SPS. Und da haben sie erst mal mal wenig Argumente dagegen. Sie müssen Vorteile haben, wie eine bessere Regelung. Damit haben wir viele Anwender schon umgemünzt, da es von der Temperaturregelung genauer ist. Phoenix Contact ist auch viel hilfsbereiter. Wir waren vor Ort in Blomberg, da wurde uns gezeigt, wie man das vernünftig einstellt. Da sitzen andere auf dem hohen Ross: ‚Hier habt Ihr die Steuerung und seht mal zu, was dabei rumkommt.‘ Und Sie können in einer Phoenix-Steuerung alles direkt auflegen. Je nachdem, was Sie dort haben wollen, kann man sich dementsprechend die passenden Klemmen, Digitaleingänge, Digitalausgänge rausholen. Sie müssen nicht mehr so viele Klemmen in einen Schaltschrank packen. In unseren Schaltschränken ist ja nichts mehr drin.

Jörg Scheerer: Platz, ist das ein Thema? Der Schrank sieht ja erst mal geschmeidig leer aus. Da passt noch was rein. Also da kenne ich andere Schränke.

Herbert Bertram: Auf jeden Fall. Hier ist jetzt nur eine Pumpe drin. Es gibt die Anlage aber auch mit zwei Pumpen und zusätzlichen Heizkreisen. Dann wird das schon voll. Der Platzbedarf einer Phoenix-Contact-Steuerung ist nicht so groß wie bei anderen Steuerungen.

IEE: Und von der Regelung her?

Herbert Bertram: Die selbst optimierten PID-Regler über PC Worx, die waren sehr gut. Wie waren mit einem Gerät bei Phoenix im Haus und haben es programmiert. So eine genaue PID-Regelung ist mir in meiner Berufspraxis noch nicht untergekommen. Das war wirklich auf 0,1 °C genau. Man konnte die Steuerung sich einmal optimieren lassen und dann lief das. Wir haben einen Druckregelung, bei der fahren wir immer mit einem konstanten Druck. Dabei muss die Temperatur nachgeführt werden. Diese Druckregelung ist sehr kompliziert, weil umso wärmer der Kleber ist, desto viskoser wird er. Der verhält sich immer unterschiedlich, je nachdem, wie er gerade hochgeheizt wird. Und da optimiert sich dieser Regler auch während des Betriebes selbst. Das heißt also, ich habe durchgehend eine konstante Druckregelung, egal, welche Temperatur ich einstelle. Auch wenn der Kunde mal sagt, ich möchte mal 5 °C weniger vorgeben. Er muss dann nicht am Druckregler noch wieder was ändern, sondern das optimiert sich selbst im Betrieb.

IEE: Wie sieht es mit der Bedienung aus?

Herbert Bertram: Ein Riesenvorteil sind auch die Touchpanels. Da kriegen sie kein Plastikdisplay. Jetzt haben wir ein Display mit unserem eigenen Logo, Edelstahloptik und in Farbe. Das kommt sehr gut bei den Kunden an. Außerdem kann man diese Displays auch von allen Seiten noch lesen. Bei anderen Displays müssen Sie direkt davor stehen. Auch die anderen Komponenten, die wir im Schaltschrank haben, zum Beispiel die Solid-State-Relais, sind sehr gut, preislich wie auch qualitätsmäßig.

Jörg Scheerer: Das ist ja letztlich nur eine Zweipunktregelung. Ich kann die Heizung nur ein- oder ausschalten. Wenn ich auf 0,1 °C genau heizen will, wie oft muss ich da schalten?

Herbert Bertram: Das kommt auf die Größe der Maschine an oder welche Klebermasse ich dort heize. Also bei unseren kleinen Tanks wird das wohl ein Schaltspiel alle 2 oder 3 Sekunden sein.

IEE: Nutzen Sie die IT- und Web-Standards der Phoenix-Kleinsteuerungen? Ist das eine Sache, die für Sie oder für Ihre Endanwender wichtig ist?

Herbert Bertram: Die Ethernet-Schnittstelle onboard, die ist natürlich sehr wichtig. Bei anderen Steuerungsherstellern zahlt man ein bisschen mehr, wenn man noch eine Ethernet-Schnittstelle haben möchte. Aber das ist jetzt Stand der Technik.

IEE: Ich habe manchmal das Gefühl, in unserem Heft reden wir nur noch über Ethernet. Ich wundere mich immer wieder, dass das oft draußen beim Anwender noch eine so große Offenbarung ist.

Herbert Bertram: Wir automatisieren derzeit noch mehr Maschinen mit Profibus, aber das wird sich auf absehbare Zeit zugunsten von Ethernet ändern.

Jörg Scheerer: Ist das tatsächlich so? Löst Ethernet Profibus als marktführendes Bussystem ab?

Herbert Bertram: Ich denke ja, wobei sich noch nicht herauskristallisiert hat, ob sich Profinet oder Ethernet TCP/IP durchsetzen wird. Ethernet ist auf jeden Fall leichter zu verdrahten. Ich muss nicht mehr irgendwo einen Ring schließen. Wenn ich man eine neue Komponente installieren möchte, dann sucht man sich den nächsten Switch an der Anlage, geht dort rein, gibt die Adresse vor und das war‘s. Außerdem kann ich konfektionierte Kabel bestellen.

IEE: Ich habe auch ein wenig rausgehört, dass der Dienstleistungs-, Beratungs-, Serviceaspekt immer wichtiger wird.

Herbert Bertram: Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die neuen Maschinen eine harte Konkurrenz haben. Wartungs- und Servicedienstleistungen sind ein wichtiges Standbein von uns, im elektrotechnischen und auch im mechanischen Bereich.

IEE: Ist Fernwartung dabei auch ein Thema?

Herbert Bertram: Da hat die Phoenix Contact mit FL MGuard ja auch ein sehr gutes System, auf das wir jetzt umstellen werden. Derzeit arbeiten wir noch mit Teleservice-Modems. Die sind zuverlässig, aber von der Geschwindigkeit her zu langsam.

IEE: Geht das dann demnächst über GSM/GPRS oder werden das kabelgebundene Modems bleiben?

Herbert Bertram: Wir würden eher bei kabelgebundenen bleiben. Die Rückfrage bei einigen Kunden hat nämlich gezeigt, dass sie einem Mobilfunkvertrag mit einer monatlichen Gebühr doch eher skeptisch gegenübersteht.

Jörg Scheerer: Erlauben die Firmen das einfach so, dass man das Werks-Ethernet tunnelt?

Herbert Bertram: Mit dem Netzwerkadministrator hat man ein bisschen seinen Spaß. Aber wenn der Produktionsleiter oder Chef hört, das geht und das bringt der Anlage etwas, dann kriegt auch schon mal der Netzwerkadministrator was zu hören. Und die Verbindung geht ja auch vom FL MGuard aus. Man kann es dem Kunden so erklären: Der Tunnel wird ja nicht von uns geöffnet, sondern Ihr öffnet den Tunnel zu uns hin und ich kann dann über unseren Server drauf zugreifen und nicht umgekehrt.

Melanie Feldmann

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: Redakteurin IEE

(mf)

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