E-Mobilität

Es ist davon auszugehen, dass die Menschen in Europa sich 2025 zunehmend elektrisch angetrieben fortbewegen werden und die batterieelektrische Antriebsform bis 2030 weit verbreitet sein wird. (Bild: AdobeStock.com/hkama)

Mobility
Frank Hubbert, Geschäftsführer von Lapp Mobility, glaubt, das es heute schon ein erhebliches Risiko für die Zukunft bedeutet, noch einen reinen Verbrenner zu kaufen. (Bild: LAPP)

Das Team von Lapp Mobility, ein Corporate Startup von LAPP, hat jetzt den Mobility Dock entwickelt. Dabei handelt es sich um ein neues, platzsparendes Ladegerät, das in Kombination mit jedem Typ 2-Ladekabel das Laden an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose ermöglicht. Die IEE-Redaktion sprach mit Frank Hubbert, Geschäftsführer von Lapp Mobility, über den Megatrend „Mobilität“ und die wichtigsten Bausteine, um der Elektromobilität einen weiteren Schub zu geben.

IEE Welchen Handlungsbedarf sehen Sie für eine weitere Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland?

Frank Hubbert: Vor allem müssen wir aufhören mit den Vergleichen zwischen Verbrennern und E-Autos. E-Autos sind relativ einfach herzustellen, sie erlauben völlig neue Raumkonzepte. Sie können in Zukunft ge- und wieder entladen werden und damit auch netzdienlich aktiv sein – ähnlich wie bei einer Powerbank. Außerdem lässt sich ein elektrisches Fahrzeug durch elektrische Impulse leichter teilautonom bewegen und kann damit z.B. selbständig einen Parkplatz suchen.

Der Handlungsbedarf besteht vor allem im Ausbau der Netze. Das Netz der Zukunft ist eine große Gemeinschaftsaufgabe und wir sollten gestern damit begonnen haben. Hier geht es auch um die energetische Unabhängigkeit des Landes und eine Bewahrung der Kohlenstoff-Chemie, die wir für die vielen Annehmlichkeiten des Lebens auch weiterhin brauchen werden.

IEE Ein Ziel der Bundesregierung ist es, Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität zu entwickeln. Sehen Sie hier Chancen für die deutsche Industrie sich entsprechend global zu positionieren?

Frank Hubbert: Absolut – unser Land hat eine ausgezeichnete Vielfalt von Unternehmen in allen Größen, die gemeinsam das sehr robuste deutsche Elektrizitätsnetz aufgebaut haben. Warum sollte so etwas nicht auch in anderen Ländern möglich sein? Die Liste der renommierten Namen, die sich bereits mit der Elektromobilität seit vielen Jahren beschäftigen, ist lang. Unser eigenes Unternehmen baut immerhin seit 2009 eigene Ladelösungen, da ist also viel Erfahrung vorhanden. Und im Exportieren waren wir Deutschen ja schon immer gut.

IEE: Es bleibt noch viel zu tun, bis eine lückenlose Lade-Infrastruktur geschaffen ist. Experten sagen voraus, dass daraus eine selten gesehene Chance für die Anbieter von Ladeausrüstungen resultiert. Wäre hier eine intensivere Zusammenarbeit mit den Lösungsanbieter von Verbindungstechnik sinnvoll, um die Infrastruktur voranzubringen? Beziehungsweise, ist man von Seiten der Regierung schon auf Sie zugekommen?

Frank Hubbert: Mit der Regierung direkt haben wir bisher noch nicht gesprochen, aber wir arbeiten trotzdem auf vielen Gebieten mit Lösungsanbietern von Verbindungstechnik. Unser Mode 2 Ladekabel wurde zusammen mit einem börsennotierten High-Tech Unternehmen entwickelt und bei unserem neuen Produkt, dem Mobility Dock arbeiten wir mit externen Engineering-Dienstleistern und einem Elektronikspezialisten zusammen. Allein kann man heute nicht mehr wirklich alles machen – daher setzen wir sehr auf eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Partnern.

Mit dem Mobility Dock hat Lapp ein leichtes, platzsparendes Ladegerät entwickelt. Wie war die Nachfrage bisher, also wieviel Geräte haben Sie bereits verkauft?

Frank Hubbert: Die Nachfrage ist überaus gut. Wir sind offiziell seit dem 01. April 22 im Verkauf mit dem Produkt und werden ab Anfang Mai mit der Auslieferung beginnen.

In vielen Fällen sehen Autofahrer das Laden eines Elektroautos als Problem an. Wovon hängt die Ladedauer ab?

Frank Hubbert: Leider von sehr vielen Faktoren. Unter anderem ist der Zustand der Batterie ein wichtiges Kriterium. Daneben spielen die Temperatur aber auch die technischen Lade-Fähigkeiten des jeweiligen E-Autos eine wichtige Rolle. Und nicht zuletzt hängt es davon ab, wieviel Leistung an der jeweiligen Steckdose über das Kabel gezogen werden kann. Eine pauschale Vorhersage ist damit leider nicht möglich. Der Trend geht allerdings zu immer höheren Spannungen und damit letztendlich auch schnelleren Ladezeiten.

Zeigten auch die Automobilhersteller schon Interesse an Mobility Dock?

Frank Hubbert: Wir sind aktuell mit ersten OEM-Kunden im Gespräch. Das Interesse ist groß, da wir Platz und Gewicht sparen – beides sind immer gute Argumente in der Automobilindustrie. Allerdings haben wir bei einigen Kunden auch die Situation, dass die Autos weltweit verkauft werden. Aktuell bieten wir nur europäische Varianten an – ein Export zum Beispiel nach China und in die USA ist aktuell aufgrund der elektrotechnischen Normen in diesen Regionen nicht möglich bzw. nicht vorgesehen.

E-Mobility
Robert Metzger, CEO & Publisher der MunichExpo Veranstaltungs GmbH, übergibt an Fabian Gläser, Projektmanager Lapp Mobility, den Preis. (Bild: LAPP)

Ist die Konkurrenzsituation für Mobility Dock nicht immens groß?

Frank Hubbert: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Allerdings gibt es mit unserem Produkt weltweit erstmalig eine kabellose Version des MODE-2 Ladens. Das Produkt erleichtert das Laden als auch das Verstauen des Gerätes. Wir haben sehr großes Interesse insbesondere bei den E-Auto Fahrerinnen. Diese schätzen die Handlichkeit, das geringe Gewicht und die Verstaumöglichkeit (z .B. in einer Handtasche). Dies erlaubt einen Zugewinn an Freiheit, die heute von vielen E-Auto-Fahrerinnen noch nicht erlebt wird.

Lapp Mobility verfügt über ein umfangreiches Programm an Produkten rund um das Laden von Elektrofahrzeugen. Sie entwickeln nach eigenen Angaben auch für diverse Hersteller. Wie kann man sich eine solche Entwicklungsarbeit vorstellen und was sind die ausschlaggebenden Gründe das die Unternehmen auf ihr Unternehmen zu gehen?

Frank Hubbert: Tatsächlich sind wir ein TS19649-zertifizierter Automobilzulieferer. Das heißt, unsere Prozesse und Qualitätsmaßstäbe sind im Gegensatz zu vielen Marktbegleitern auf die Automobilindustrie ausgerichtet. Unser Team setzt sich aus erfahrenen Spezialisten aus der Automobilindustrie und langjährigen LAPP-Mitarbeitern zusammen. Wir leben und verstehen Automotive als unseren Unternehmenskern und jeder Mitarbeiter arbeitet mit viel Einsatz und Know-how daran, die Anforderungen der Automobilindustrie jeden Tag zu erfüllen. Das unterscheidet uns eben auch von vielen Marktbegleitern, die traditionell z. B. aus dem Schaltschrankbau kommen. Wir können Auto.

Im Jahr 2021 waren in Deutschland 13,6 Prozent der Neuzulassungen reine Elektroautos, 12,4 Prozent waren Plug-in-Hybride, die kurze Strecken elektrisch fahren können. Gründe für den Boom sind unter anderem die hohen Förderungen der Bundesregierung. Besteht nicht die Gefahr, dass bei Auslaufen der Förderungen der Boom abebbt?

Frank Hubbert: Ja und Nein. Tatsächlich würde bei einem Auslaufen der Förderung für die Hybridfahrzeuge von den Kunden Alternativen gesucht werden. Heute noch einen reinen Verbrenner zu kaufen, bedeutet aber schon ein erhebliches Risiko für die Zukunft. Der Trend wird also zu den reinen Batteriefahrzeugen gehen, aber das gesamte Volumen an gekauften Fahrzeugen, würde durch das Auslaufen der Förderung nach unserer Einschätzung nicht zurückgehen. Wir erleben einen Wandel in der Form der Mobilität, aber dass die Menschen in Zukunft weiterhin mobil bleiben wollen, ist unbestritten. (hw)

E-Mobilität – so vereinfacht man das Laden

Ladegerät
Das Ladegerät für die Haushaltssteckdose. (Bild: LAPP)

Oftmals benötigen E-Autofahrer mehrere Ladekabeltypen, um ihr Fahrzeug an den jeweils verfügbaren Steckdosen aufzuladen. Das Team der Lapp Mobility hat jetzt den Mobility Dock entwickelt. Dabei handelt es sich um ein neues, platzsparendes Ladegerät, das in Kombination mit jedem Typ 2-Ladekabel das Laden an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose erlaubt. mit seinen Maßen von 255 x 135 x 105 mm wiegt die Einheit nur 730g und beansprucht kaum Platz im Kofferraum.

Um den Ladevorgang zu starten, wird das Mode 3-Ladekabel in dieTyp2-Steckdose der Ladeeinheit gesteckt. Der Mobility Dock wiederum wird mit verbundenem Ladekabel in die SchuKo-Haushaltssteckdose gesteckt, und los geht’s. Eine LED zeigt den Gerätestatus an. Dabei sind alle Komponenten absolut stabil und fest verankert. So ist zur Sicherung an der Gebäudewand an der Geräteseite eine Stütze integriert, die durch Betätigung eines Druckknopfs entriegelt wird. Damit erfolgt die Feinjustierung der Stütze an der Gebäudewand. Das gesteckte Mode3-Ladekabel wird über eine Mechanik am Gehäuse verriegelt und kann über den auf der Rückseite befindlichen Entriegelungshebel wieder gelöst werden. So lässt sich das Mode3-Ladekabel mit geringem Kraftaufwand aus dem Ladegerät ziehen.

Die Kommunikation zum Fahrzeug erfolgt über eine im Ladegerät integrierte Kontrolleinrichtung, die den Ladestrom bis maximal 10A einstellt und den Ladevorgang steuert. Somit wird eine Ladeleistung von maximal 2,3 kW erreicht. Das Gerät überwacht die Gerätetemperatur sowie die Temperatur an der SchuKo-Haushaltssteckdose. Wird eine erhöhte Temperatur am Netzstecker erkannt, reguliert das Ladegerät selbstständig die Ladeleistung, um eine Überhitzung zu vermeiden. Als weitere Schutzfunktion für den Anwender ist eine Erdleiterüberwachung sowie das Erkennen von Gleichstrom- und Wechselstromfehlern im Ladegerät enthalten. Gleichstrom- und Wechselstromfehler werden bis 6mA DC und 30mA AC erkannt und abgesichert. Dies entspricht den Vorgaben der Gerätenorm IEC62752. Durch die im Gehäuse integrierte Typ 2-Steckdose ist die Ladeeinheit kompatibel mit dem europäischen Ladekabelstandard und kann somit von jedem Elektro- und Hybridfahrzeug in Europa genutzt werden.

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