Geht es nach Stefan Hoppe, spricht in Zukunft, das heißt in der noch zu entwickelnden Industrie-4.0-Landschaft, die Automatisierungs- und Produktionswelt alles nur noch in einer Sprache: der OPC Unified Architecture. Und die Chancen stehen nicht schlecht, wird das Kommunikationspaket in der Referenzmodellarchitektur Industrie 4.0 (Rami 4.0) in der Kategorie Communication Layer als eine mögliche Lösung angesehen, welche die Anforderungen der Industrie 4.0 erfüllt.
Dennoch, es gibt Szenarien, in denen OPC UA und deren Client-Server-Kommunikation nicht mehr so recht passen wollen. Deshalb werden gerade die Grundlagen für ein Publisher/Subscriber-Verfahren erarbeitet; für Dominik Bösl, CTO-Office von Kuka, eine wichtige Voraussetzung für viele Szenarien im Rahmen des Internets der Dinge (IoT): „Es wäre großartig, ein hart-echtzeitfähiges OPC UA mit Publisher/Subscriber-Kommunikation auf Basis von IEEE 802 Time Sensitive Networking zu haben“.
Die Ethercat Technology Group (ETG) denkt ähnlich, wenn auch nicht unbedingt an TSN als Transportschicht. „Industrie-4.0- und IoT-Architekturen fordern eine durchgängige Kommunikation durch alle Ebenen, sowohl innerhalb der Fabrik als auch extern, etwa zu Cloud-basierten Diensten“, betonte Martin Rostan, Executive Director der ETG. Dem wollen die OPC Foundation und die ETG durch eine gemeinsame Definition offener Schnittstellen für die vertikale Kommunikation zwischen ihren Technologien Rechnung tragen. Auf der Hannover Messe wurde dazu ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet.
OPC UA in der Cloud
Neben der Kommunikation an sich, spielt die Datenhaltung in IoT-Szenarien eine ebenso wichtige Rolle – Stichwort Cloud: Hier bringt Hoppe Microsoft in Stellung, die die Implementierung eines OPC-UA-Interfaces in die Azure-Cloud bekannt gaben. Smart Devices, Maschinen und Komponenten können also künftig ihre Daten über Cloud anderen Applikationen zur Verfügung stellen, beispielsweise SAP-Anwendungen oder dem Service-Team der Maschinenlieferanten.
Das Ganze funktioniert nur, wenn OPC UA in möglichst vielen Geräten, Komponenten und Tools implementiert ist – auch außerhalb der klassischen Industrieautomation. Deshalb hat die OPC Foundation eine strategische Entscheidung getroffen: Spezifikationen und Stack werden auch Nicht-Mitgliedern als Open Source zur Verfügung gestellt. „Derzeit arbeiten wir an einer Open-Shared-Source-Strategie“, erklärte Hoppe. Die freie Verwendung des Stacks ermöglicht Entwicklern einen schnellen Einstieg in die Technologie und kurze Implementierungszeiten bei Prototypen. Die Foundation nutzt dazu für den größten Teil der Software die MIT License. Der Software-Stack steht Nicht-Mitgliedern dagegen als GPL (GNU General Public License) zur Verfügung.
Stefan Kuppinger
(sk)