Verschiedene TPE-Leitungsarten von igus haben von der UL eine Zulassung erhalten. Insgesamt sind es über 200 Produkte, die damit für den Nordamerikanischen Markt zertifiziert sind.

Verschiedene TPE-Leitungsarten von igus haben von der UL eine Zulassung erhalten. Insgesamt sind es über 200 Produkte, die damit für den Nordamerikanischen Markt zertifiziert sind. (Bild: igus)

Andreas Muckes, Leiter Produktmanagement Leitungen bei igus
"In seiner Reinform ist TPE das Beste für eine Energiekette" Andreas Muckes, Leiter Produktmanagement Leitungen bei igus (Bild: igus)

In der Stimme von Andreas Muckes, Leiter Produktmanagement Leitungen bei igus, schwang eine ganze Menge Stolz mit. Im Gespräch mit der Redaktion – aufgrund der Absage der SPS natürlich per Videochat – stellt er die Highlights von igus im Bereich Leitungen vor. Er führte dazu eine Art Kamerawagen durch einen Teil der 400 m² großen Ausstellung.

Dabei begann er damit, dass es auf einen Schlag über 210 TPE-Leitungen im Sortiment gibt, die UL AWM Zertifizierung erhalten haben. Sie sind also durch die unabhängige Organisation Underwriters Laboratories (UL) geprüft, was den Eintritt in den kanadischen und US-amerikanischen Markt für Maschinenbauer extrem erleichtert. Doch wie ist das möglich? Auch ein Unternehmen wie igus kann kaum eine solche Menge an Innovationen entwickeln und quasi über Nacht über 210 Leitungen zulassen. In der Tat gibt es einen anderen Hintergrund.

Dafür müssen wir einen Schritt zurückgehen: Das Problem an der UL-Zulassung für thermoplastische Elastomere (TPE) ist, dass dem reinen Granulat ein Flammschutzmittel (Halogene) zugegeben werden muss, dass bei einem Brand größere Schäden verhindert. Denn die UL geht davon aus, dass ein solcher Brand durch eine gebrochene Leitung in einer Energiekette ausgelöst werden kann Die Crux ist allerdings, dass das TPE durch das Additiv an Qualität als Leitungsmaterial einbüßt. So verschlechtert sich z.B. das Abriebverhalten und die Resistenz gegenüber Kälte und Hitze nimmt ebenfalls ab. Auch ist der veränderte Werkstoff nicht das Optimum bei kleinen Radien und auf langen Verfahrwegen. Somit war das Beste aus zwei Welten, also reines TPE und eine UL-Zulassung bislang nicht möglich.

UL-zertifiziertes TPE als Alleinstellungsmerkmal von igus

Aufgrund der Zertifizierung des igus Testlabors steht das Unternehmen jedoch seit längerem mit der UL in Kontakt. In viele Gesprächen und untermauert durch die Daten der Langzeitversuche ihrer Energieketten konnte igus die UL davon überzeugen, dass deren bisherige Annahme überholt ist. Also wenn die Leitung  schlicht nicht bricht, braucht es auch kein Additiv im Kabel, das ein weiteres Ausbreiten des Brands verhindert. „Wir wissen eigentlich, dass TPE ein High End-Werkstoff ist, der in Reinform das Beste für eine Energiekette ist“, so Muckes. Beispielsweise eignen sich die Leitungen für kleine Bauräumen von bis zu 4xd, auf hochdynamischen, kurzen Verfahrwegen mit Beschleunigungen von 100 m/s² oder auf langen Wegen von weit über 400m in einem Temperaturbereich von -35 bis 100°C.

Auf die Frage, ob andere Hersteller nachziehen könnte, antwortet Muckes: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber wenn, dann benötigen sie ebenfalls eine Qualifizierung ihres TPEs und das kann Jahre dauern. Wir allein haben 30 Jahre gebraucht, bis wir soweit waren.“ Ebenfalls auf Basis der Daten aus dem hauseigenen Labor verlängert igus die Lebensdauer-Garantie für seine Leitungen um 25% auf 12,5 Mio Doppelhübe.

Umdenken erforderlich: warum Energieketten keine Verschleißteile sind

Angesprochen auf das Thema Nachhaltigkeit fordert Muckes ein Umdenken. Da die Energieketten und Leitungen so lange halten, sollten sie nicht mehr als einfache Verschleißteile betrachtet werden. Er zieht hier den Vergleich mit dem Auto „Wenn ich wüsste, dass meine Bremsbeläge 500.000 km halten, dann würde ich mir nie mehr darum Gedanken machen, da sie das Auto wahrscheinlich überleben werden.“

Single Pair Ethernet: Fehlende Messen als Innovationshemmnis

Das Thema Single Pair Ethernet war 2019 und 2020 durch den „Steckerkrieg“in den Vordergrund gerückt. 2021 ist es eher ruhig um das Thema. Muckes macht in den ausgefallenen Messen einen Mitschuldigen aus. „Der Messebesucher, der zufällig an den Stand kommt und sich über ein neues Thema informiert, den gibt es aktuell einfach nicht.“ Auch der Materialmangel an allen Ecken und Enden ist ein Problem: „Der Endanwender hat aktuell andere Dinge zu tun, als sich zu überlegen, wie er sein Bus-System austauscht.“ Damit fehle die Nachfrage am Markt. Igus auf der anderen Seite wäre bereit und könnte sofort eine Leitungslösung ab Lager anbieten und dies natürlich auch konfektioniert mit den gewünschten Steckern, wie Muckes betont.

Andreas Muckes, Leiter Produktmanagement Leitungen, stellt die Neuheiten des Kölner Unternehmens auf dem physisch-virtuellen Messestand vor.
Andreas Muckes, Leiter Produktmanagement Leitungen, stellt die Neuheiten des Kölner Unternehmens auf dem physisch-virtuellen Messestand vor. (Bild: Redaktion IEE)

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