Murata Autonomes Fahrzeug

(Bild: Murata)

Die Automobilindustrie macht zurzeit zwei grundlegende Revolutionen durch, die das gesamte Konzept eines Fahrzeugs völlig neu definieren. Der erste und offensichtlichste Kreuzzug besteht darin, dass die gewohnten, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Verbrennungsmotoren nach nunmehr hundert Jahren von Akkus und Elektromotoren verdrängt werden. Parallel dazu werden wir Zeuge einer weiteren beträchtlichen Entwicklung, nämlich der Ausstattung von Automobilen mit immer mehr Intelligenz.

Die technischen und sozialen Herausforderungen, die mit der Abkehr von den Verbrennern verbunden sind, dürfen zwar keineswegs unterschätzt werden, aber aus Sicht der Entwicklung sind die Veränderungen geringer, als man vielleicht vermuten würde. Die Kunden heißen möglicherweise anders und auch die Anforderungen wandeln sich unter Umständen, aber die Grundlagen des Designs bleiben im Wesentlichen gleich und die Wertsteigerung erfolgt durch die Bauteile und die mechanische Konstruktion. Murata zum Beispiel liefert Bauteile an Tier-1-Zulieferer, die ihrerseits beispielsweise elektronische Steuergeräte (Electronic Control Units, ECUs) gemäß den Spezifikationen der OEMs entwickeln.

Komplexer und fundierter sind dagegen die Veränderungen, die mit der autonomen Funktionalität eines Fahrzeugs einhergehen. Der Wert eines Fahrzeugs wird hier weniger von der Hardware, sei es von den Bauteilen, der Karosserieform oder der Qualität des Innenraums bestimmt, sondern vermehrt von der Software. Die Fähigkeiten eines Fahrzeugs und das Spektrum seiner Fahrassistenzsysteme hängen also von der Software ebenso ab wie von der Hardware. Dies gilt übrigens nicht nur in dem Moment, in dem das Fahrzeug den Verkaufsraum verlässt, sondern während seiner gesamten Nutzungszeit, da seine Funktionalität mithilfe von Over-The-Air-Updates (OTAs) erweitert oder aufgewertet werden kann.

Revolution in der Automobil-Lieferkette

In der Vergangenheit konnten Automobilhersteller und ihre Zulieferer nur zu einem Zeitpunkt während der Lebensdauer eines Fahrzeugs nennenswerte Einnahmen erwirtschaften, nämlich beim Verkauf. Dank der rapiden technischen Fortschritte im Bereich des autonomen Fahrens werden die Fahrzeuge jedoch so konstruiert, dass sie sich problemlos updaten lassen, sodass während ihrer Nutzungszeit weitere Einnahmen mit ihnen erwirtschaftet werden können.

Dies hat eine Revolution in der Automobil-Lieferkette angestoßen, denn die Automobilhersteller möchten mittlerweile tiefer in das Design ihrer Fahrzeugsysteme eingebunden sein und auf der Bauelementeebene Lösungen diktieren, um noch fundierter sicherstellen zu können, dass sie die gewünschte Funktionalität erhalten. Tier-1-Zulieferer wandeln sich zu EMS-Anbietern (Electronics Manufacturing Services), während die traditionellen EMS-Unternehmen bestrebt sind, sich als Auftragsnehmer auf dem "Build-to-Print"-Markt zu betätigen. Hinzu kommt, dass auf dem Automobilmarkt inzwischen eine neue Art von Unternehmen auf den Plan tritt, deren Angebote ausschließlich damit zu tun haben, hochentwickelte SoCs (Systems on Chip) anzubieten. Diese SoCs fungieren für die künftigen Fahrzeuge als eine Art Supercomputer und legen die ultimative Funktionalität eines Fahrzeugs ebenso fest wie seine Upgradefähigkeiten.

Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dies auf Bauelementehersteller wie Murata haben wird. Zunächst einmal werden dadurch neue geschäftliche Schnittstellen entstehen. Darunter verstehen wir Unternehmen, die normalerweise nicht unmittelbar elektronische Bauteile von Herstellern wie Murata beziehen, aber künftig eine entscheidende Rolle im Entscheidungsprozess spielen.

Warum ist die Upgradefähigkeit der Systeme so entscheidend?

Die Automobilhersteller sind nach wie vor die vorrangigen Akteure. Tesla etwa ist ein bekanntes Beispiel für einen Hersteller, der Komponenten wie etwa ECUs selbst entwickelt und deren Produktion an Fremdunternehmen auslagert. Viele weitere OEMs werden diesem Beispiel schon bald folgen.

Renommierte Marken wie Mercedes oder BMW können ihre Alleinstellungsmerkmale mittlerweile nicht mehr ausschließlich an besonders wirtschaftlichen, leistungsfähigen oder leisen Motoren festmachen, sondern werden neue Möglichkeiten finden müssen, den Wert ihrer Marke zu rechtfertigen und neue Verkaufsargumente erarbeiten müssen, die die Kunden aktiv einbeziehen. Zur Realisierung einer aus der Masse herausragenden, mit ihrem Markenimage in Einklang stehenden Kundenerfahrung nehmen die Automobilhersteller in sämtlichen Bereichen der Fahrzeugelektronik eine prominentere Position ein und üben ihren Einfluss auf die Konstruktion bis in die einzelnen Bauteile hinein aus, um einen maximalen Nutzen zu extrahieren. Die meisten modernen Automobilhersteller wollen nicht mehr als Unternehmen gesehen werden, die lediglich Standardbauteile zusammenfügen und auf Räder stellen. Ziel ist vielmehr eine individualisierte Nutzererfahrung im Interesse höchster Kundenzufriedenheit – nicht nur zum Zeitpunkt des Kaufs, sondern auch in der Zeit danach. Genau aus diesem Grund betrachten die Hersteller die Upgradefähigkeit ihrer Systeme als so entscheidend.

Robotaxis an vorderster Front der autonomen Fahrzeuge

Wichtige Komponenten, die effektiv sein können, also beispielsweise Kommunikationsmodule oder intelligente Sensoren, werden von den OEMs ausgewählt – und dies meist gemäß den Empfehlungen eines SoC-Unternehmens. Obwohl diese neuen Ökosysteme für Unternehmen wie Murata noch eher unbekanntes Terrain sind, wurden bereits Änderungen vorgenommen, um sicherzustellen, dass alle umfassend für diese Herausforderungen gerüstet sind. Die Teams des Bereichs Business Development and Sales arbeiten gemeinsam mit mehreren Product Divisions daran, sich effektiv mit allen Beteiligten der entstehenden Ökosysteme zusammenzutun, um sich einen Platz zu sichern, was dieses expandierende Segment der intelligenten, elektrifizierten Fahrzeuge von morgen betrifft.

An vorderster Front der autonomen Fahrzeuge sind die Robotaxis einzuordnen. Auch wenn es gewisse Verzögerungen gegenüber den optimistischen Prognosen gab, wurde die Konstruktion von Robotaxis bereits nach kurzer Pause wieder aufgenommen. Die Nachfrage nach Murata-Inertialsensoren für das nächste Jahr hat die Produktionszahlen des ersten Roadstermodells von Tesla schon überschritten. Murata geht zwar nicht davon aus, dass sich Robotaxis in den kommenden 15 Jahren zum nächsten Tesla entwickeln werden, aber vielversprechend ist dieser Bereich zweifellos. Natürlich werden Innovationen wie die Robotaxis einige Zeit brauchen, bis sie zu allgemeiner Verbreitung gelangen, aber der Markt hat inzwischen gut Fahrt aufgenommen.

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