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Über LTE gelangen die Breitband-Daten mit bis zu 100 Mbit/s ins Fahrzeug, wo ein WLAN-Router die Daten allen Passagieren für deren Smartphone, Laptop, Tablet etc. (sowie bei Bedarf auch dem Fahrzeug selbst) zur Verfügung stellt. „Wir haben es ausprobiert und konnten in München mit vier Personen im fahrenden Fahrzeug Video-Streaming in guter Qualität durchführen“, berichtet Reinhard Clemens, Telekom-Vorstand und T-Systems-Chef, aus der Praxis.

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Reinhard Clemens: „Das Angebot für BMW ist ein weltweites Thema; wir bieten diesen Hotspot weltweit an und haben Roaming-Agreements mit allen Ländern – außer drei Ländern – unterschrieben: Wir werden den Hotspot in China genauso anbieten wie in Amerika."Alfred Vollmer

Das interessante an dieser Kooperation ist die Tatsache, dass in den Fahrzeugen von BMW – und nach Angaben von Telekom-Vorstand Clemens gilt das für alle zukünftigen Fahrzeuge des Münchner OEMs – in logischer Hinsicht ein Telekom-Hotspot verbaut ist, wie er bereits aus den Zügen der Deutschen Bahn, Hotels, Lounges etc. bekannt ist. „Die Telekom hat 12.000 Hotspots in Deutschland und 50.000 weltweit aufgebaut, jetzt kommen noch Autos dazu“, ergänzt Reinhard Clemens. „Hotspots für alles ermöglicht grenzenlose digitale Mobilität während der gesamten Reise, auch in unterschiedlichen Transportmitteln.“ Um einen eigenen Datenvertrag und ein neue SIM-Karte im Auto muss sich der Nutzer nicht kümmern, weil er ja zum Vertragspartner des Telekom-Hotspots wird. Dabei zahlt der Kunde nur die normalen Hotspot-Preise. In diversen Mobilfunk- und Festnetz-Tarifen der Telekom ist bereit eine (bald auch im Auto nutzbare) Hotspot-Flatrate enthalten, aber es gibt auch Tickets für den stunden-, tage-, wochen- oder monatsweisen Zugang.

Premiere bei Sixt

Premiere feiert der „BMW ConnectedDrive Hotspot“ exklusiv mit Deutschlands größtem Autovermieter Sixt. Ab Sommer 2013 wird deutschlandweit ein großer Teil der BMW-Fahrzeuge aus der Mietwagen-Flotte – es geht dabei um einige Tausend Sixt-Fahrzeuge – mit BMW ConnectedDrive Hotspot ausgestattet. Für Sixt- und Telekom-Hotspot-Kunden ist die Neuerung in den ersten 12 Monaten kostenfrei. Perspektivisch soll das Angebot auf weitere Kundengruppen ausgeweitet werden.

Der rollende Hotspot steht derzeit trotz 320 PS einige Tage nur auf der Stelle: am Telekom-Stand auf der CeBIT 2013.

Der rollende Hotspot steht derzeit trotz 320 PS einige Tage nur auf der Stelle: am Telekom-Stand auf der CeBIT 2013.Alfred Vollmer

Individualprogramm für alle Mitfahrer

Die Vorteile: Der Fahrer kann unter anderem seine Endgeräte vor Fahrtantritt oder in Pausen synchronisieren und beispielsweise für Musik-Streaming nutzen, während die Mitfahrer direkt auf große Datenmengen zugreifen und diese downloaden können. Kinder nutzen im Fahrzeugfond Videostreaming-Angebote, hören Musik oder spielen online mit portablen Konsolen. „Zielsetzung ist es, dass Nutzer, ohne den eigenen Mobilfunktarif zu belasten, auch während der Reise oder in Pausen mit LTE-Geschwindigkeit auf große Datenmengen zugreifen können“, hebt Reinhard Clemens hervor.

Von Vodafone zu Telekom

Es ist noch gar nicht lange her, dass BMW sich für einen Internetzugang des Fahrzeugs in Kooperation mit Vodafone entschieden hat. Die Kommunikation erfolgt dabei mit einer zum Fahrzeug gehörenden M2M-SIM-Karte (M2M: Machine-to-Machine) bei Datenraten von etwa 2 Mbit/s. „Es freut mich, dass Vodafone zwar als erstes angefragt wurde, aber keine technische Lösung hatte“, kommentiert Telekom-Vorstand Clemens den Provider-„Wechsel“ für die rollenden Hotspots, um dann gleich in die Zukunft zu schauen: „Wir werden jetzt Plattform-Partnerschaften bauen, weil natürlich eine Menge von Zusatz-Services hinzukommt.“ Als Beispiel erwähnt er die Integration von Kalenderdaten in das Navigationssystem, so dass das Navi gleich weiß, wo es hinfahren soll, sowie die Tatsache, dass die Telekom schon Verträge mit dem Parkhausbetreiber Apcoa unterzeichnet hat, die beispielsweise ein Reservieren eines Parkplatzes ermöglichen.

Theoretisch lässt sich der Hotspot auch aus dem Auto entfernen und zum Beispiel im Hotelzimmer nutzen.

Theoretisch lässt sich der Hotspot auch aus dem Auto entfernen und zum Beispiel im Hotelzimmer nutzen.Alfred Vollmer

Auto-Hotspot für den Weltmarkt

„Es handelt sich hier nicht nur um ein rein deutsches Thema“, hebt Reinhard Clemens hervor. „Das Angebot für BMW ist ein weltweites Thema; wir bieten diesen Hotspot weltweit an und haben Roaming-Agreements mit allen Ländern – außer drei Ländern – unterschrieben: Wir werden den Hotspot in China genauso anbieten wie in Amerika.“ In einer Firmenpräsentation spricht die Telekom davon, dass die Telekom ihrem „Kunden BMW folgen wird und Hot-Spots in Autos in bis zu 38 Ländern implementieren“ wird. Einer in diesem Zusammenhang in der Präsentation abgebildeten Karte zufolge scheint es unter anderem in diversen Staaten Osteuropas sowie in Finnland, Island und Neuseeland keine Telekom-Hot-Spots im Auto zu geben.  Die größten Märkte sieht das Telekom-Unternehmen in China, den USA, Deutschland und Großbritannien.

Als Schlüssel für die Akzeptanz fungieren für Reinhard Clemens die Dienstleistungen, die auf der Technologiebasis zur Verfügung stehen: „Nur dann, wenn ein Service auch wirklich einen Mehrwert für den Kunden liefert, wird er sein Einverständnis geben, dass man die Daten, die er produziert, auch nutzen kann.“ Ein „Big-Brother-is-watching-you“-Modell, das zunächst einmal Daten einsammelt, will er auf keinen Fall und spricht dabei von einer „Kultur des Einverständnisses“.

In der Praxis wird der Hotspot - zumindest für Sixt - fest im Fahrzeug verbaut sein.

In der Praxis wird der Hotspot - zumindest für Sixt - fest im Fahrzeug verbaut sein.Alfred Vollmer

BMW, Daimler, Volkswagen

Allerdings bietet die Telekom ihre Hotspots nicht nur exklusiv bei BMW an: „Wir übertragen im Augenblick das, was wir hier bei BMW gemacht haben, auch auf das Daimler-Thema; wir sind auch mit VW im Dialog zu diesen Themen“, erläutert Reinhard Clemens, aber BMW prescht offensichtlich voran: „Im Augenblick sagt BMW, dass die Hotspots zum Standard in allen Fahrzeugen werden sollen, weil man einfach sagt, dass Breitbandfähigkeit im Fahrzeug eines der Key-Verkaufsargumente der Zukunft ist. … Der Hotspot wird zwar in jedem Fahrzeug (von BMW) eingebaut, aber der Unterschied besteht darin, welcher Service hinterher „for free“ sein wird.“ Die Philosophie besteht für ihn darin, eine Servicekette aufzubauen, die ähnlich wie bei den Fluggesellschaften mit ihren unterschiedlichen Status-Privilegien (zum Beispiel HON, Senator, Frequent Traveller bei der Lufthansa) ist.

Technische Details

Die gesamte Elektronik von der Außenantenne über den LTE-Empfänger und den WLAN-Router bis zur internen WLAN-Antenne stammt von Peiker. Innerhalb von Fahrzeugen ist die Feldstärke der LTE-Signale auf Grund der hohen Dämpfung der metallbedampften Scheiben (Wärmeschutzverglasung) übrigens oft so schwach, dass eine Individualkommunikation per LTE über die jeweiligen LTE-Mobilfunktarife der Endgeräte im Auto oftmals gar nicht praxisrelevant möglich wäre.

Das Handover zwischen benachbarten Funkzellen funktioniert nach Angaben von Reinhard Clemens mittlerweile so gut, dass ein Endgerät im Fahrzeug bei einer Autobahnfahrt von München nach Hamburg theoretisch die ganze Zeit über mit der gleichen IP-Adresse ins Netz geht; somit bleiben auch VPN-Tunnel erhalten. Dienste wie Skype sind im Hotspot ausdrücklich nicht blockiert und werden auch nicht behindert.

Alfred Vollmer

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ist Redakteur der Zeitschriften AUTOMOBIL-ELEKTRONIK und emobility tec sowie von all-electronics.de

(av)

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