Martin Goetzeler (im – Corona-bedingt per Videokonferenz abgehaltenen – Interview mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer): „Software ist die Schlüsselkomponente im intelligenten Fahrzeug. Das bedeutet nicht nur, die im IT-Bereich üblichen agilen Entwicklungsmethoden anzuwenden, sondern auch die datengetriebene Entwicklung und Absicherung der KI-basierten Funktionen eines autonomen Fahrzeugs.“

(Bild: dSPACE)

Herr Goetzeler, wie entwickeln sich die Geschäfte – 2019 und jetzt?

Martin Goetzeler: 2019 war ein solides Jahr für dSPACE. Wir sind im Umsatz weltweit um 11 Prozent gewachsen. Deshalb konnten wir unsere Zukunftsaufwendungen erhöhen. Wir haben uns organisch verstärkt, aber auch in Technologie und M&A investiert. Allein in den letzten beiden Jahren haben wir unser Team um zirka 400 Mitarbeiter auf jetzt insgesamt 1800 erweitert; davon sind über 1400 Ingenieure und Informatiker. Für das laufende Jahr sind die Auswirkungen der Pandemie derzeit noch nicht absehbar. Wir sehen Zurückhaltung bei unseren Kunden, Kosten und Projekte stehen auf dem Prüfstand. Das gilt es weiter zu beobachten. Jedoch gibt es auch viele wichtige Produkt-Launches, die es erfolgreich einzuführen gilt. Um unsere Kunden dabei optimal zu unterstützen, begleiten wir sie eng bei der Umsetzung, sind lieferfähig und arbeiten konsequent an der Weiterentwicklung unseres Portfolios. Dafür haben wir die Mittel und den Willen.

Wie gelingt es dSPACE, den Betrieb in Zeiten der Pandemie aufrecht zu erhalten?

Martin Goetzeler (im – Corona-bedingt per Videokonferenz abgehaltenen – Interview mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer): „Software ist die Schlüsselkomponente im intelligenten Fahrzeug. Das bedeutet nicht nur, die im IT-Bereich üblichen agilen Entwicklungsmethoden anzuwenden, sondern auch die datengetriebene Entwicklung und Absicherung der KI-basierten Funktionen eines autonomen Fahrzeugs.“

Martin Goetzeler (im – Corona-bedingt per Videokonferenz abgehaltenen – Interview mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer): „Software ist die Schlüsselkomponente im intelligenten Fahrzeug. Das bedeutet nicht nur, die im IT-Bereich üblichen agilen Entwicklungsmethoden anzuwenden, sondern auch die datengetriebene Entwicklung und Absicherung der KI-basierten Funktionen eines autonomen Fahrzeugs.“ dSPACE

Martin Goetzeler: Eine wesentliche Maßnahme war die umgehende Einführung von mobilem Arbeiten. Über 80 % der Belegschaft befanden sich zwischenzeitlich im Home-Office. Mitarbeiter-Kommunikation mit einem regelmäßigen Update zu den Entwicklungen im Unternehmen ist sehr wichtig, denn wir bewerten die Gesamtsituation kontinuierlich neu. Aktuell befinden wir uns auf dem Weg, viele neue Chancen der neuen Arbeitsrealität zu nutzen.

Wie stellen Sie sich auf die aktuellen technischen Umwälzungen ein?

Martin Goetzeler: Mobilitätstrends wie Connectivity, autonomes Fahren oder neue Mobilitätsdienstleistungen haben natürlich signifikante Auswirkungen auf die Entwicklung und die Absicherung. Software ist die Schlüsselkomponente im digitalisierten und intelligenten Fahrzeug. Fahrzeuge sind Mobile Devices auf Rädern. Das bedeutet nicht nur, die im IT-Bereich üblichen agilen Entwicklungsmethoden anzuwenden, sondern auch die datengetriebene Entwicklung und Absicherung der KI-basierten Funktionen eines autonomen Fahrzeugs. Hinzu kommen umfassende Kompetenzen im Cloud Computing, um mit den Datenmengen umzugehen. Die meisten Unternehmen haben zur Bewältigung dieser Herausforderungen eigene Bereiche oder gar neue Gesellschaften mit einer eigenen Kultur gegründet.

Aber auch andere Mobilitätstrends erfordern ein Umdenken. So basiert die Elektromobilität auf einem neuen Ökosystem, denn es geht nicht nur um neue Fahrzeugtechnik wie Batterie oder Leistungselektronik. Vielmehr sind auch die Infrastruktur, die Informationssysteme sowie der Service und die Wartung neu zu definieren. Auch wenn die Elektrifizierung des Antriebsstrangs auf bekannten Methoden, insbesondere der modellbasierten Entwicklung, aufsetzt, müssen die Bausteine im Ökosystem über Software integriert, entwickelt und getestet werden.  Die größte Herausforderung in allen Trends ist, die Komplexität beherrschbar zu machen und dabei neue Wege zu gehen. Dazu wird dSPACE seinen Beitrag leisten.

Wie sieht dieser Beitrag von dSPACE aus?

Martin Goetzeler: Wir haben unsere Strategie vor dem Hintergrund der Herausforderungen und Komplexität hinterfragt. Das Ergebnis: eine neue dSPACE. Wir bieten unseren Kunden heute eine ganzheitliche Absicherungslösung – mit der richtigen Architektur für die modell- und datenbasierte Entwicklung, mit Software- und Hardware-Simulationen und durch unsere integrierte, skalierbare Toolkette. Mit dieser End-to-End-Lösung ermöglichen wir den Kunden effiziente Prozesse und Strukturen, kurze Time-to-Market und optimale Kosten. Daran haben wir die vergangenen zwei Jahre gearbeitet, mussten uns zum Teil neu erfinden.Dabei sind unsere Stärken im Prototyping, im Hardware-in-the-Loop-Testing und in der Embedded-Software-Entwicklung oder bei Bussen – hier arbeiten wir seit vielen Jahren mit Leitkunden an Innovationsprojekten – eine wichtige Basis. Auch unsere Software-in-the-Loop-Lösungen sind essenzielle Bausteine für die End-to-End-Lösung. Aber es gab noch weiße Flecken.

So haben wir unsere Kompetenzen im Bereich Software-Simulation, Cloud Computing und KI massiv verstärkt. Der Kompetenz-Aufbau bei KI hat für uns zwei Dimensionen. Zum einen machen wir unsere Tools fit, damit sie mit den Anforderungen der neuronalen Netze unserer Kunden optimal umgehen können. Zum anderen hilft uns KI, effizienter zu werden – hochautomatisierte Annotation wird zum Beispiel durch künstliche Intelligenz erst möglich.

Die Software-Aktivitäten haben wir nun in einer eigenen Geschäftseinheit gebündelt. Darin integrieren wir die datengetriebenen Simulations- und Absicherungslösungen genauso wie unsere Kompetenzen im Bereich Software-Codierung, Testautomatisierung und Datenmanagement. So sprechen wir die Sprache vieler neuer Ansprechpartner bei unseren Kunden und können flexibel und schnell auf ihre Bedürfnisse reagieren. Auch stellen wir sicher, dass wir mit agilen Entwicklungsmethoden und kompetenzübergreifenden Teams unsere Kunden optimal unterstützen können. Damit sind wir heute kompetenter Partner für die gesamte Software-Entwicklung im Fahrzeug.

Bei der Neuausrichtung des Unternehmens ist mir eines wichtig: Unser angestammtes Geschäft mit Testlösungen und unser Software-Geschäft sind beide für sich und im Zusammenspiel von zentraler Bedeutung. Wir stärken beide Bereiche, um so die Komplexität zu bewältigen.

Wie dSPACE die komplette Lösungskette bearbeiten will, welche Bedeutung die Elektromobilität für das Unternehmen hat, welche großen technischen Herausforderungen sich ergeben und wie es bei dSPACE weitergeht, das erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Was heißt das konkret für die Anwender?

Martin Goetzeler: Unser End-to-End-Lösungsangebot in den verschiedenen Anwendungen bis hin zur Elektromobilität und dem autonomen Fahren deckt die Breite der Simulation und Validierung ab. Dieses ganzheitliche Verständnis schätzen unsere Kunden, denn es beschleunigt ihre Prozesse und senkt Kosten. Zudem kann der Kunde jederzeit eigene Tools in unsere Lösungen integrieren. Auch sind wir bereit, mit dem Kunden zu investieren, und mit dSPACE Consulting haben wir eine eigene Einheit gegründet, die Kunden bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Teststrategien bis hin zur Homologation berät – auch in Zusammenarbeit mit den technischen Diensten wie dem TÜV.

Wie schafft es dSPACE, wirklich die komplette Lösungskette zu bearbeiten?

Wir bieten durchgängige Lösungen an, mit denen wir den Verkehr und das Auto mit all seinen Sensoren sowohl in einer rein software-basierten Simulation als auch in der Hardware-Simulation testen können – und zwar für alle Sensortypen. Martin Goetzeler, dSPACE.

Martin Goetzeler, dSPACE: „Wir bieten durchgängige Lösungen an, mit denen wir den Verkehr und das Auto mit all seinen Sensoren sowohl in einer rein software-basierten Simulation als auch in der Hardware-Simulation testen können – und zwar für alle Sensortypen.“ dSPACE

Martin Goetzeler: Natürlich können wir nicht die komplette Bandbreite ganz alleine abdecken. Deshalb prüfen wir regelmäßig Zukäufe, um technologische Lücken zu schließen. Und wir arbeiten heute mit immer mehr Partnern zusammen. Dabei kann es um technologische, Infrastruktur- oder Implementierungsaufgaben gehen. Bei technologischen Themen wie Sensoren oder Software-Tools sind das unter anderem Partner wie NXP Semiconductor, Intempora, BTC oder MES. Die Zusammenarbeit betrifft hier die datengetriebene Entwicklung oder die Code-Generierung. Ähnliche Ansätze verfolgen wir bei Cloud Computing oder im Engineering. Dadurch können wir je nach Kunden spezifische Lösungs- und Leistungsangebote unterstützen.

Nehmen Sie aktuell wahr, dass Hersteller Entwicklungsbudgets neu bewerten?

Martin Goetzeler: Wir sehen, dass einige Hersteller und Zulieferer ihre Entwicklungsprojekte beim autonomen Fahren fokussieren, während andere mit fast unveränderter Geschwindigkeit ihre Roadmaps umsetzen. Sicherheits- und komfortgetriebene Assistenzfunktionen, basierend auf Software- und Sensor-Technologie, werden in beiden Fällen unverändert vorangetrieben. Auch bei der Elektrifizierung ist das Entwicklungstempo unvermindert hoch. In China sehen wir schon wieder ganz konkret, dass sich die Auftragssituation verbessert. Unverändert spielen hier Lösungen zum Test von Batteriemanagement-Systemen (BMS) eine große Rolle. Speziell Hersteller von Trucks und Bussen fragen verstärkt auch nach HIL-Testsystemen für die Brennstoffzellen-Technologie. Selbst aus den USA erhalten wir trotz Corona weiterhin Anfragen und Bestellungen. Gefragt sind dort Testlösungen für Batteriemanagement-Systeme, komplexe Motormodelle oder Hochvolt-Motor-Emulatoren.

Welche Bedeutung hat die Elektromobilität für dSPACE?

Martin Goetzeler: Elektromobilität ist für uns kein neues Thema, aber auch hier handelt es sich um komplexe Herausforderungen. Aktuelle Schwerpunkte sind für uns Leistungselektronik und Lade-Infrastruktur. Die On-Board-Charger in den Fahrzeugen müssen mit der weltweiten Vielfalt unterschiedlicher Ladeinfrastruktur kompatibel sein. Leistungselektronik wird aus Effizienzgründen bei immer höheren Schaltfrequenzen betrieben, folglich müssen wir auch unsere Simulationsmodelle schneller machen.

Wie unterstützen Sie dabei konkret?

Martin Goetzeler: Mit unserer neuen Smart Charging Solution testen unsere Kunden On-Board-Charger für alle relevanten Ladestandards. Auf Wunsch kombinieren wir das mit echter Leistungselektronik. Damit bilden wir die vielen unterschiedlichen Ladesäulen nach. Im Bereich der Motoren oder der Leistungselektronik simulieren wir mit unseren Modellansätzen hochgenau und schnell auf leistungsfähigen FPGAs. Eine große Nachfrage erleben wir auch bei unseren Batterie- und Motor-Emulatoren. Wir setzen hier patentierte Hochvolt-Systeme zur präzisen Nachbildung der Spannungen und Ströme ein. Damit kann die Leistungselektronik mit voller elektrischer Leistung getestet werden. Und der Kunde profitiert von der Durchgängigkeit beim Testen – von der Signal- über die Leistungsebene bis hin zu hochdynamischen mechatronischen Prüfständen. Auch bei der Elektromobilität leisten wir mit der skalierbaren End-to-End-Lösung einen wichtigen Beitrag zur Beherrschung der Komplexität des Zusammenspiels von Elektromotoren, Batteriemanagement, Leistungselektronik und Ladeinfrastruktur. Bei dieser Aufgabe unterstützen wir unsere Kunden weltweit und tragen damit maßgeblich zu ihrer Entwicklungsproduktivität bei.

Wie überzeugt sind Sie, dass autonomes Fahren funktioniert?

Martin Goetzeler: Das autonome Fahren revolutioniert die gesamte Welt der Mobilität – egal ob im Individualverkehr oder bei serviceorientierten Mobilitätskonzepten oder im Nutzfahrzeugbereich. Natürlich sind wir bei dSPACE davon überzeugt, dass autonomes Fahren funktioniert. Wichtig ist aus meiner Sicht stets die Frage, für welche Use Cases sich ein Business Case darstellen lässt und wie lang die Zeitleiste ist. Meine Wahrnehmung ist, dass viele Hersteller die Entwicklung im Robotaxi- und Pkw-Bereich weiter vorantreiben, wenn auch durch die Pandemie teilweise verzögert. Auch Anwendungen im Nutzfahrzeugbereich sind wirtschaftlich attraktiv – zum Beispiel für den Einsatz auf Baustellen oder in anderen abgegrenzten Bereichen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Einführung von Level-3, -4- und perspektivisch Level-5-Systemen ist die Absicherung und Homologation. Denn genauso wichtig wie die Frage, ob es uns aus rein technischer Sicht gelingt, Autos autonom und sicher fahren zu lassen, ist die Frage, wie man die Entwicklungsketten und Prozesse so aufbaut, dass die Fahrzeuge am Ende auch für die Straße zugelassen werden.

Mehr über die großen technischen Herausforderungen und die (Radar-)Sensorik erfahren Sie im letzten Teil des Interviews – inklusive Infos, wie es bei dSPACE weitergeht.

Wo sehen Sie die großen technischen Herausforderungen, und wie unterstützen Sie die Bewältigung dieser Herausforderungen?

Martin Goetzeler: Die große Herausforderung besteht darin, die Komplexität des Gesamtsystems beherrschbar zu machen. Dazu ist eine robuste Architektur mit Hard- und Software-Komponenten erforderlich. Alle Entwicklungsschritte müssen aufeinander abgestimmt und in einen durchgängigen Prozess gegossen werden, so dass sowohl die Einzelkomponenten als auch das Gesamtsystem absicherbar werden. Bei dSPACE haben wir das gemacht, indem wir jeden Schritt mit einer Lösungskomponente hinterlegt haben. Wir bieten Tools für das Einfahren der Daten, zur Speicherung in Datencentern, über die Datenannotation bis hin zu Simulations- und Re-Simulationssystemen an. Dabei schließen wir die Lücke von der Annotation der Daten zur Simulation mit einem Service zur Generierung von Simulationsszenarien aus Messdaten, um die reale Fahrsituation in die Simulation zu überführen. Sind die Szenarien virtualisiert, können wir mit szenariobasiertem Testen die Situation aus der Realität immer und immer wieder in vielen unterschiedlichen Varianten simulieren und so eine immense Testabdeckung erzeugen. Dabei unterstützt das gerade erfolgreich gelaunchte Autera-System beim Einfahren der Daten und beim Re-Simulieren.

Was heißt das für die Entwicklungspraxis?

Martin Goetzeler: Die Sensorsimulation ist ein gutes Beispiel aus der Praxis: Ein Fahrzeug muss in einer definierten Umgebung, zum Beispiel im Kreuzungsverkehr, abgetestet werden – und zwar mit vielen Parametern: Verkehrsteilnehmer, Geschwindigkeit, Wetter etc. Das kann man in der realen Welt nicht leisten, weil die Vielzahl der abzutestenden Situationen sich dort nicht reproduzierbar darstellen lässt. In der Simulation geht das.

Wir bieten durchgängige Lösungen an, mit denen wir den Verkehr und das Auto mit all seinen Sensoren sowohl in einer rein software-basierten Simulation als auch in der Hardware-Simulation testen können – und zwar für alle Sensortypen: von der Kamera über Radar- und Lidar- bis hin zum Ultraschallsensor.

Auch bei der Elektromobilität leisten wir mit der skalierbaren End-to-End-Lösung einen wichtigen Beitrag zur Beherrschung der Komplexität. Martin Goetzeler, dSPACE

Martin Goetzeler, dSPACE: „Auch bei der Elektromobilität leisten wir mit der skalierbaren End-to-End-Lösung einen wichtigen Beitrag zur Beherrschung der Komplexität.“ dSPACE

In unseren Kundenprojekten arbeiten wir sehr eng mit den Sensorherstellern und Sensorspezialisten zusammen, um nicht nur die Physik realitätsnah abzubilden, sondern auch die Algorithmen beziehungsweise die reale Hardware der Hersteller in den Testaufbau integrieren zu können. Denn nur beides – die möglichst genaue Darstellung der Physik und die Integration der Signalverarbeitung – ermöglicht Testsysteme, die auch belastbare Ergebnisse erzielen können. Das ist für mich ein schönes Beispiel, wie die Erfahrungen von dSPACE im Bereich Algorithmik mit unserem Simulations- und Software-Know-how auf der einen Seite und der Hardware auf der anderen Seite Hand in Hand gehen.

Wie konnten Sie das AD-Know-how in so kurzer Zeit aufbauen?

Martin Goetzeler: Vor allem organisch durch den Auf- und Umbau unseres Teams, aber wir haben auch zugekauft. Zur Stärkung des Portfolios haben wir das Start-up understand.ai, kurz UAI, erworben. Durch die Akquisition konnten wir mehrere Ziele erreichen: Erstens die Komplettierung unseres Lösungsangebotes für das autonome Fahren durch das direkte Schließen der Lücke zwischen Datenaufzeichnung und Simulation. Mit der Software von UAI werden die eingefahrenen Daten hochautomatisiert und kostenoptimal annotiert. Durch das so genannte Labeling werden die Daten erst nutzbar, um Algorithmen zu trainieren und zu validieren.

Mit unserer automatisierten Generierung von Szenarien können wir dann Verkehrssituationen mit veränderten Parametern beliebig oft in unserer Simulationswelt nachspielen. Zweitens haben wir mit der Akquisition unsere KI- und Cloud-Kompetenz gestärkt und Möglichkeiten zur agilen Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur geschaffen.

Zurück zur Sensorik: Warum hat sich dSPACE im Bereich Radar verstärkt?

Martin Goetzeler: Radar ist eine Schlüsseltechnologie für ADAS- und AD-Funktionen. Deshalb haben wir Anfang 2019 unser Portfolio durch eine enge Partnerschaft mit den Radarspezialisten ITS und miro·sys erweitert. Das bestehende DARTS-Angebot entwickeln wir konsequent weiter. Erst vor Kurzem haben wir zwei Produkte für den Test automotiver Radarsensoren mehrzielfähig gemacht. Damit lassen sich jetzt mit nur einem Gerät mehrere unabhängige Radarechos durch intelligente Software gleichzeitig simulieren. Das kam im Markt sehr gut an.

Wie erfahren Sie frühzeitig Neues im Bereich der Sensorentwicklung?

Martin Goetzeler: Durch direkte Kooperation mit Chipherstellern. Mit einem führenden Hersteller entwickeln wir in einem Pilotprojekt einen Zielsimulator mit 5 GHz Bandbreite für neue hochauflösende Radargenerationen. Und mit Uhnder arbeiten wir eng zusammen, um die Entwicklung ihrer 4D-Radar-Chips voranzutreiben. Bei Radar-Testlösungen wollen wir unseren Innovationsvorsprung ausbauen – schließlich werden die Lösungen in der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Werkstattbereich eingesetzt. Übrigens arbeiten wir parallel am Aufbau von Lidar-Know-how, um unser Over-the-Air-Test-Portfolio neben Radar, Kamera und Ultraschall auch auf Lidar ausdehnen zu können.Es ist aber noch etwas zu früh, über die konkreten Ergebnisse zu reden.

Wie geht es bei dSPACE weiter?

Martin Goetzeler: Meine wichtigste Aufgabe ist es, dSPACE gestärkt aus der Krise herauszuführen. Um nachhaltig die enge Partnerschaft mit unseren Kunden fortzusetzen, treiben wir mit unserem ganzen Team die Anwendung neuester IT-Technologien, den Ausbau unserer Kooperationen, unsere Simulationskompetenz und unsere End-to-End-Lösungen für die verschiedenen Domänen konsequent voran – und das immer mit dem Ziel, Komplexität agil zu beherrschen und den Mehrwert für den Kunden zu erhöhen.

 

Alfred Vollmer

Chefredakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK

(aok)

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