| von Harald Wollstadt

Der Weg zur kompletten Energiewende ist noch lang und steinig.

Der Weg zur kompletten Energiewende ist noch lang und steinig.Lassedesignen – Fotolia.com

Der erste Prototyp eines Globalen Atlas für Solar- und Windenergie wurde in London auf einer hochrangig besetzten internationalen Energiekonferenz vorgestellt. Dieser verbindet existierende Datenbanken zu Solar- und Windpotenzialen aus der ganzen Welt und stellt diese in einem frei verfügbaren Internetportal zur Verfügung. Ziel ist es, mit den im Atlas enthaltenen Daten zum verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien und dem Erschließen neuer Märkte beizutragen. Angestoßen von den Regierungen Deutschlands, Dänemarks und Spaniens wird dieser Atlas derzeit unter der Koordination der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (Irena) entwickelt. Auch Forschungsinstitute wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und weiteren internationalen Organisationen wie das UN-Umweltprogramm (Unep) sind daran beteiligt.

Aber in Deutschland steht in Zeiten der Globalen Energiewende eine weitere dringende Aufgabe an, denn nach der Liberalisierung des Strommarktes 1998 wurde viele Jahre zu wenig in die deutschen Stromnetze investiert. Dieser entstandene Modernisierungsstau muss nun aufgelöst werden. Als Vorteil erweist sich dabei, dass sich das Netz nun gleich auf das erneuerbare Energiesystem der Zukunft anpassen lässt. Nun sind die Netzbetreiber am Zuge, Investitionen in ihre Infrastruktur zu tätigen. Anreize bestehen angesichts einer Rendite von mehr als 9 %. Zugleich darf das langsame Tempo bei der Modernisierung des Stromnetzes nicht als Vorwand dienen, Investitionen in den erforderlichen Ausbau Erneuerbarer Energien zu bremsen.

Herausforderungen im Stromnetz lösen

Ins Blickfeld gerückt sind die Stromnetze durch den kürzlich vorgelegten Netzentwicklungsplan der Übertragungs-Netzbetreiber. „Dass die erneuerbaren Energien den Modernisierungsbedarf in den Stromnetzen beschleunigen, ist unstrittig. Sie sind ein wichtiger Treiber für die Anpassung der Netzinfrastruktur. Gerne vergessen wird dabei allerdings, dass schon vor der Energiewende von 2011 erheblicher Investitionsbedarf bestand“, erinnert der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, Philipp Vohrer. Von den 2009 im Energieleitungs-Ausbaugesetz festgelegten rund 1.800 km an Trassen sind laut Bundesnetzagentur ­(BNetzA) bis jetzt erst 214 km gebaut. Zudem hat die BNetzA wiederholt auf Nadelöhre in den Netzen hingewiesen, die es für eine effiziente Nutzung Erneuerbarer Energien zu beseitigen gilt. Die Zahlen der BNetzA zeigen, dass die Netzbetreiber jetzt am Zuge sind, in ihre Infrastruktur zu investieren. Und damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Modernisierung und Systemwechsel. Beides in einem Zuge zu realisieren, ist volkswirtschaftlich ungemein wichtig.

Branche im Detail

Wie teuer kann es werden?

Die aktuelle energiepolitische Diskussion kreist immer wieder um die Frage, wie teuer die Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Quellen wird. Die Bewertung hängt insbesondere davon ab, wie die Kostenentwicklung der fossilen Energieversorgung prognostiziert wird. Die Differenzen bei den Preisannahmen haben entscheidende Konsequenzen für die Abschätzung der volkswirtschaftlichen Kosten. Rechnet man auf Basis der Minimalannahmen des Jahres 2011 importierten Energiemengen hoch, entstünden 2030 Importkosten von 60 Milliarden Euro. Legt man stattdessen die Studien mit den höchsten Energiepreisannahmen für 2030 zugrunde, betrügen die Ausgaben hingegen 140 Milliarden Euro. Die Ausgaben für fossile Energieimporte könnten also auch mehr als doppelt so hoch ausfallen.

Die BNetzA hat mit ihrer Analyse besonders stark beanspruchter Leitungen wie zwischen Bayern und Thüringen oder zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wichtige Hinweise auf den Bedarf gegeben. Zudem kann ein flächendeckender Ausbau der Erneuerbaren Energien in Verbindung mit einer Flexibilisierung des Kraftwerkparks und des Stromverbrauchs den Bedarf an neuen Höchstspannungstrassen verringern. Dies ist mit der dezentralen Struktur der Erneuerbaren zu begründen. Moderne Verteilsysteme, sogenannte Smart Grids, tragen zusätzlich zum Entlasten der Übertragungsnetze bei.

Tiefrote Zahlen bei der Photovoltaik

In den vergangenen Wochen und Monaten mehrten sich die Meldungen über die angespannte Lage auf dem Photovoltaik-Weltmarkt. Was ist der Hintergrund dieser globalen Entwicklungen? Bei vielen Herstellern sind die tiefroten Zahlen entstanden, obwohl 2010 und 2011 in Deutschland jeweils Photovoltaik-Module mit einer installierten Leistung von 7.500 MW ans Netz gingen. Im Jahr 2010 entsprach dies einem deutschen Anteil an den weltweit installierten Modulen von über 40 % . Und es ist absehbar, dass der Zubau in Deutschland auch in diesem Jahr den Zielkorridor von 2.500 bis 3.500 MW übertreffen wird. Darauf deutet der Zubau im ersten Quartal 2012 hin, der nach ersten Auswertungen deutlich über den Zahlen für das Vergleichsquartals im Vorjahr liegt.

Die Umsatz- und Gewinnentwicklung ausgewählter Unternehmen der Photovoltaikbranche, lässt keine positive Entwicklung erkennen. Die Frage stellt sich; wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Eine der wesentlichen Ursachen ist der rapide und ungebremste Preisverfall für Photovoltaikmodule aufgrund massiver weltweiter Überkapazitäten. Bereits im Jahr 2010 stand einem Weltmarktvolumen für Photovoltaikmodule von 19.000 MW eine Produktionskapazität von 40.000 MW gegenüber. 2011 verschärfte sich die Situation dramatisch: Einem Weltmarktvolumen von 27.000 MW stand eine weltweite Produktionskapazität von 60.000 bis 70.000 MW gegenüber. Selbst bei einem erneuten Rekord-Zubau von 7.500 MW in Deutschland könnte der Produktionsüberhang nicht abgebaut werden, da die weltweite Produktionskapazität nahezu das Zehnfache beträgt. Dieser ruinöse Wettbewerb der Hersteller kennt fast ausschließlich Verlierer. Vielleicht sollten einmal andere stromerzeugende Verfahren in den Blickpunkt gerückt werden, wie zum Beispiel der Energielieferant Biomasse.

Strom aus Biomasse

Elektrischer Strom lässt sich aus fester, flüssiger und gasförmiger Biomasse erzeugen und lässt sich wie fossile Brennstoffe in einem konventionellen Kondensationskraftwerk verbrennen. Das dadurch zum Sieden gebrachte Wasser produziert Dampf und erzeugt einen Überdruck im Kessel der Anlage. Die Druckdifferenz dient dazu, um mittels einer Dampfturbine Strom zu erzeugen. Die Stromerzeugung aus Biomasse hat sich seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 mehr als verzehnfacht und ist damit stärker gewachsen als die Stromerzeugung aus den übrigen Erneuerbaren Energien. Insgesamt wurden 2011 20,1 % des deutschen Stromverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt. Biomasse alleine deckte 6,1 % des deutschen Stromverbrauchs. Die Stromerzeugung aus Biomasse stieg von 33,9 Milliarden kWh im Jahr 2010 auf 36,9 Milliarden kWh im Jahr 2011. Insgesamt wurden damit im Jahr 2011 rund 24,7 Millionen Tonnen Treibhausgase (CO2-Äquivalent) vermieden. Im Jahr 2011 wurden rund 2 Milliarden Euro in neu errichtete Bioenergieanlagen zur Stromerzeugung und 880 Millionen Euro in neu errichtete Bioenergieanlagen zur Wärmeerzeugung investiert. Die Gesamtumsätze aus dem laufenden Anlagenbetrieb von Bioenergieanlagen (Strom- und Wärmeerzeugung) beliefen sich auf rund 5,9 Milliarden Euro.

Harald Wollstadt

Chefredakteur der IEE

(hw)

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