Bunsei Kure, CEO von Renesas (hier im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer und Michael Hannawald, Europachef von Renesas, v.l.n.r): „Perspektivisch wollen wir unsere Fabrik in Naka für die Produkte und Prozesse einsetzen, mit denen wir uns von der Konkurrenz abheben, und das können wir vor allem mit Analog- und Mixed-Signal-Lösungen.“

Bunsei Kure, CEO von Renesas (hier im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Chefredakteur Alfred Vollmer und Michael Hannawald, Europachef von Renesas, v.l.n.r): „Perspektivisch wollen wir unsere Fabrik in Naka für die Produkte und Prozesse einsetzen, mit denen wir uns von der Konkurrenz abheben, und das können wir vor allem mit Analog- und Mixed-Signal-Lösungen.“ (Bild: Renesas)

Seit dem letzten Sommer ist Bunsei Kure der CEO von Renesas Electronics. Zum Einstieg des Gesprächs mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK kommt er sofort zur Sache: „Wir würden gern doppelt so schnell wachsen wie unsere Zielmärkte“ – und stellt damit ein ambitioniertes Vorhaben in den Raum. Denn wo der durchschnittliche Zielmarkt in den nächsten Jahren vielleicht zwischen sechs und acht Prozent zulegen wird, soll das Segment der Hybridfahrzeuge und Elektroautos sowie der Fahrerassistenzsysteme zwischen 2015 und 2020 um 18 und 17 Prozent wachsen. Renesas müsste demnach einen enormen Sprung hinlegen.

Eine entscheidende Weiche für das Wachstum im Automotive-Sektor hat Renesas in diesem Februar bekanntermaßen mit der Übernahme von Intersil gestellt. Das Produktportfolio der Kalifornier umfasst Halbleitertechnologie zur Steuerung und Überwachung der Batterien in Hybrid- und Elektrofahrzeugen, aber auch Lösungen zur Anbindung und Ansteuerung von Kameras und Displays.  Auch im Gespräch unterstreicht  Bunsei Kure die enormen Möglichkeiten, die sich für das Unternehmen mit Blick auf das assistierte und autonome Fahren eröffnen.

Fokus auf Automotive – aber nicht nur

Speziell was Fahrerassistenzsysteme angehe, sei man mit dem aktuellen Portfolio gut aufgestellt: „Eine unserer Stärken besteht darin, dass wir als einzige von der Sensorik, über kognitive Elemente und HMI bis hin zu Steuerungselementen alles im Angebot haben. Genauso bieten wir analoge, digitale und Mixed-Signal-ICs sowie Halbleiter für das Power-Management“, fasst Kure zusammen. Investieren wolle man in Security, die sowohl im Autoinnenraum als auch in der Car-to-x- Kommunikation eine große Rolle spiele. Im Lauf der letzten Jahre habe Renesas einige HSM-basierte Lösungen entwickelt, die das Unternehmen nun ausgewählten Kunden und OEMs im Umfeld des autonomen Fahrens offeriere.

Dennoch steht nicht allein der Automotive-Bereich im Interessenfokus von Renesas. „Wenn wir uns zu sehr auf diesen Bereich konzentrieren, geht uns irgendwann der Treibstoff aus“, beschreibt Bunsei Kure das Dilemma. Denn Bereiche wie autonomes Fahren erfordern große Investitionen in Forschung und Entwicklung. Bis man Lösungen in die Massenproduktion bringen könne, vergehe unter Umständen viel Zeit. „Vor diesem Hintergrund ist der Non-Automotive-Bereich für uns sehr wichtig – nicht zuletzt, um Treibstoff zu generieren.“

 

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Rolle die Foundries-Fertigung für Renesas spielt und warum Treffen der Geschäftsführung in dem japanischen Konzern mittlerweile auf Englisch abgehalten werden.

Renesas auch mit Foundries-Fertigung

Um die in Renesas‘ jüngstem Wachstumsplan anvisierte Bruttogewinnspanne von 50 Prozent zu erreichen, nimmt das Unternehmen auch den Einsatz von Fertigungsanlagen unter die Lupe. So kann Renesas in seiner Fabrik in Naka/Japan derzeit Chips auf 8- und 12-Zoll-Wafern mit Strukturbreiten zwischen 90 und 40 nm herstellen; Strukturen kleiner als 40 nm soll künftig TSMC im Auftrag von Renesas fertigen. „Perspektivisch wollen wir unsere Fabrik in Naka für die Produkte und Prozesse einsetzen, mit denen wir uns von der Konkurrenz abheben, und das können wir vor allem mit Analog- und Mixed-Signal-Lösungen“, erläutert Kure. TSMC und andere Foundries sollen sich dann um Digitalprozessoren kümmern.

Auch das Intersil-Portfolio soll nicht zwingend in Naka hergestellt werden, was allerdings der Tatsache geschuldet ist, dass der ehemalige Mitbewerber bisher eine ähnliche Strategie verfolgte und selbst vor allem in Foundries fertigen ließ. Generell gilt es, die bereits sehr schlanken Organisationen nun so zusammenzubringen, dass die Kernkompetenzen der beiden Firmen erhalten bleiben. „Was ich nicht tun werde, ist Intersil aufzulösen und es  Renesas einzuverleiben“, sagt Renesas-CEO Kure. Eher sei es geboten, die jeweiligen Portfolien zu ergänzen.

Wie sich das auf die technischen Lösungen auswirken wird, ist noch offen. „Um Synergieeffekte zu erzielen, ist es zunächst notwendig, die Aufstellung des Gesamtsystems abzuwarten und zu sehen, wo sich letztlich der Zusatznutzen ergeben kann“, sagt Kure. Erst dann könne man entscheiden, ob man einen monolithischen oder diskreten Ansatz verfolgen wolle. Ein denkbarer Mittelweg sei beispielsweise, zwei Chips zu fertigen und diese mithilfe eines Interfaces zusammenzubringen. „Das spezifische Interface könnte eine Schaltung mit Operationsverstärker sein, sodass sich Synergieeffekte aus unseren Mikroprozessoren und Intersils analoger Kompetenz ergeben.“

Global gewinnt

Eines soll die Integration von Intersil in jedem Fall bewirken: Der japanische Konzern Renesas soll eine globalere Ausrichtung bekommen. So werden die Zusammenkünfte der Geschäftsführung bereits auf Englisch abgehalten – für ein japanisches Unternehmen ein fast schon revolutionäres Novum. „Das Headquarter muss transparent sein“, erläutert Kure. „Wenn man Prozesse und Vorgehensweisen nicht nachvollziehbar erklären kann, wird  es immer Streitigkeiten zwischen dem Headquarter und den Regionen geben, was Autonomie und die Übertragung von Autoritäten angeht.“ Um Ziele und Strategien zu teilen, sei gegenseitige Berechenbarkeit wichtig – auf regionaler wie auf globaler Ebene.

Eine Hürde, die es für ein harmonisches Miteinander, aber auch das anvisierte Firmenwachstum zu überwinden gilt, ist die der Standardisierung. „Als japanisches Unternehmen sind wir sehr gut darin, großartige Geräte und Technologien zu entwickeln“, konstatiert Bunsei Kure. „Weniger gut sind wir darin, einen globalen Standard zu definieren.“ Doch Autos, die miteinander oder mit anderen Objekten kommunizieren, kommen nicht ohne gemeinsame Kommunikations- und Sicherheitsstandards aus. Um zu sehen, in welche Richtung sich der Markt für Smart-Cars entwickelt, beobachte Renesas den europäischen Markt sehr genau. Und Teile des weltweiten Headquarters für Fahrerassistenzsysteme liegen mittlerweile in Deutschland, nicht in Japan. Wenn das kein großer Schritt in Richtung Globalisierung ist.

Therese Meitinger und Alfred Vollmer

Redaktion AUTOMOBIL-ELEKTRONIK

(tm)

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