Ein Gehirn im Hud eines software definierten Autocockpits

Die Eclipse Foundation hat eine Mobilitäts-Arbeitsgruppe für softwaredefinierte Fahrzeuge gegründet. Zu den Mitglieder zählen namhafte Zulieferer und IT-Konzerne. (Bild: Xilinx)

Die Eclipse Foundation, eine der weltweit größten Open-Source-Organisationen, hat heute zusammen mit mehreren Branchenführern – darunter die Bosch-Tochter ETAS, Continental, ZF, Microsoft und Arm – die Gründung der Arbeitsgruppe SDV für softwaredefinierte Fahrzeuge mit speziellem Fokus auf Innovationen in der Automobilindustrie bekanntgegeben, wobei der Name SDV für Software-defined Vehicle steht. Nach dem „Code First-Ansatz“ liegt das Ziel der Arbeitsgruppe darin, für die Kernfunktionen einer neuen Fahrzeugklasse einen der ersten Software-Stacks der Branche samt dazugehöriger Werkzeuge zu entwickeln. Diese zukunftsfähigen Open-Source-Lösungen können Unternehmen für ihre eigene Fahrzeugentwicklung nutzen. Branchenprimus Bosch partizipiert auch über seine Tochter ETAS, in die Bosch seine gesamten Middleware-Aktivitäten verlagert hat. Somit arbeiten hier erstmals die Firmen Bosch, Continental  und ZF zusammen, obwohl sie direkte Wettbewerber im hart umkämpften Tier-1-Segment sind. Bosch war im Jahr 2020 (neuere Zahlen sind derzeit noch nicht erhältlich) der weltweit größte Automobilzulieferer, Continental auf Platz 3 der Top-10 und ZF auf Platz 4.

Die SDV Working Group will ein offenes Ökosystem schaffen

Damit Entwicklungsprozesse bedeutend verändert werden können, wird die SDV-Arbeitsgruppe die Grundlage für ein offenes Ökosystem schaffen, in dem Fahrzeugsoftware sicher (in punkto Safety) und geschützt (in punkto Security) eingesetzt, konfiguriert und überwacht werden kann. Fahrzeughersteller und -zulieferer können sich auf dieser Basis dann um differenzierende Kundenmerkmale kümmern sowie auf die Verbesserung der Nutzererfahrung konzentrieren. Letztlich sollen die Branchenführer davon profitieren, sich vollkommen auf Innovationen konzentrieren zu können, während sie Zeit und Kosten für nicht differenzierende Elemente wie Echtzeit-Betriebssysteme, bestimmte Komponenten der Middleware-Schichten oder Kommunikationsprotokolle einsparen. Dieses Thema wurde bereits auf dem 25. Automobil-Elektronik Kongress sehr intensiv in den Pausen diskutiert sowie zum Teil auch – zum Beispiel von BMW-Vorstandsmitglied und CTO Frank Weber – auf der Bühne thematisiert. Schon damals wurde deutlich, wie gigantisch die Komplexität der nicht-differenzierenden Software-Elemente ist und dass Kooperationen die Branche hier signifikant im internationalen Wettbewerb voranbringen können.  

Daran arbeitet die neue Eclipse Working Group SDV

Um diesen Wandel hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen zu unterstützen, arbeiten wichtige Akteure aus der Technologieszene und der Automobilindustrie gemeinsam an der Entwicklung eines Open-Source-Runtime-Stacks für Fahrzeuganwendungen, an cloudbasierten Fahrzeugabläufen sowie an hochintegrierten Entwicklungs-Toolchains. Die Open-Source-Initiative für softwaredefinierte Fahrzeuge zielt darauf ab, nutzbaren Open-Source-Code für fahrzeuginterne Software langfristig für alle Fahrzeugmodelle, Produktlinien, Marken und Organisationen bereitzustellen. Die Details darüber, wie die Zusammenarbeit aussehen wird findet sich in der Eclipse Software Defined Vehicle Working Group Charter, die derzeit in der Version 1.0 abrufbar ist.

Das sind die Mitglieder der Working Group Software-defined Vehicle der Eclipse Foundation

Zum Gründungszeitpunkt waren die Unternehmen Accenture, Arm, AVL, Bosch, Capgemini, Continental Automotive, DMI, ETAS, Futurewei Technologies, Karakun, Microsoft, Red Hat, Reycom, Suse und ZF Mitglieder der Working Group Software-defined Vehicle der Eclipse Foundation.

Die Arbeitsgruppe SDV ermuntert andere Unternehmen jedoch ausdrücklich, ebenfalls bei Mitglied der Working Group SDV zu werden, um so verstärkt im Bereich der nicht-differenzierenden Teile zusammen zu arbeiten. Das gemeinsame Ziel besteht darin, die Time-to-Market zu verkürzen, Best-Practices gemeinsam zu nutzen und dem Personalmangel aktiv entgegenzutreten.

Das bietet die Eclipse Foundation der Automotive-Branche

„So wie OSS (Open Source Software) in anderen Branchen – wie beispielsweise in der Fertigung und dem Gesundheitswesen – schnelle Innovationen und Skalierung ermöglicht hat, so profitiert auch die Automobilindustrie von der Nutzung des Open-Source-Modells“, so Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation. „Für die Nachfrage nach dieser neuen Initiative spricht, dass sich zum Start dieser Arbeitsgruppe die führenden Vertreter der Branche zusammengefunden haben. Mit ihrer traditionsreichen Geschichte in der Automobilbranche gibt es keine andere Organisation, die besser geeignet ist, diesen Wandel voranzutreiben, als die Eclipse Foundation.“

Für die Automobilindustrie bedeutet die Umstellung auf Open-Source-Software eine radikale Abkehr von den herkömmlichen Methoden. Da sich Fahrzeuge jedoch zunehmend in „Computer auf Rädern“ verwandeln, wird die Bedeutung von Software und Standardisierung zunehmen. Die Eclipse Foundation geht davon aus, dass softwaredefinierte Fahrzeuge es Fahrzeugherstellern und -zulieferern ermöglichen, zukünftig Software in den Mittelpunkt der Fahrzeugentwicklung zu stellen. Auf diese Weise lassen sich die Innovationsgeschwindigkeit, die Produktionsgeschwindigkeit und die Fähigkeit zur Skalierung der Produktion von softwarezentrierten Fahrzeugen um ein Vielfaches steigern.

Mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der Steuerung komplexer Technologie-Initiativen und Multi-Vendor-Organisationen ist die Eclipse Foundation, eine der weltweit größten Open-Source-Organisationen, nach deren eigener Meinung „die ideale Organisation, um die Umsetzung eines solchen Vorhabens zu unterstützen“, denn „ihr Einsatz für Transparenz, Herstellerneutralität sowie eine einheitliche Sprache wird allen Mitgliedern die Möglichkeit eröffnen, die Zukunft der Arbeitsgruppe gemeinsam zu gestalten“, verkündet die Foundation. Weitere Infos liefert die Website https://sdv.eclipse.org/.

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