Man kann zunehmend den Eindruck gewinnen, dass der rasante technische Fortschritt letztendlich dazu führt, dass Menschen in der Arbeitswelt nicht mehr gebraucht werden. Automatisierung, webgestützte Roboter der Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz entwickeln sich aktuell mit einer enormen Geschwindigkeit – da ist es nachvollziehbar, dass viele befürchten, dass wir schon bald als letzte Arbeitshandlung das Licht an unserem Arbeitsplatz ausschalten müssen. Aber ist diese Einschätzung auch realistisch?

Parallel zum technischen Fortschritt werden Prognosen, Ideen und Überlegungen dazu vorgelegt, wie die mittel- oder langfristige Zukunft aussehen könnte. Unsere Gesellschaft hat in der Vergangenheit schon viele ähnliche Umbrüche erlebt. Als Büros in den 1980er-Jahren digitalisiert wurden, wurde das massenweise Verschwinden von Jobs vorhergesagt und das papierlose Büro war in aller Munde. Gut dreißig Jahre später stellen die Unternehmen immer noch Arbeitnehmer ein und das papierlose Büro ist ferner als je zuvor.

Es liegt in der Natur von Prognosen, positive oder negative Extrementwicklungen aufzuzeigen. Es stimmt zwar, dass durch Computer einige Berufe verdrängt wurden, gleichzeitig entstanden aber auch völlig neue Berufsbilder in den Bereichen IT und Software. Und der Papierverbrauch ist zwar definitiv zurückgegangen, aber die Verwendung von Papier gehört keineswegs der Vergangenheit an. Wenn wir also eine etwas pragmatischere Perspektive einnehmen: Welche Jobs werden Roboter wirklich übernehmen beziehungsweise werden sie überhaupt menschliche Arbeitskräfte vollständig ersetzen?

Roboter haben zunehmend mehr Fingerspitzengefühl

Bisher haben die meisten Roboter repetitive Aufgaben übernommen, bei denen sie bestimmte Vorgänge, für die sie entsprechend programmiert wurden, präzise wiederholt haben – etwa das Aufnehmen und Positionieren von Komponenten oder das Lackieren von Fahrzeugkarosserien. Der Mensch wurde von belastenden Aufgaben befreit, die mit Ermüdung, ungesunder Körperhaltung oder Luftbelastung einhergingen. Roboter können diese Aufgaben ohne Eigengefährdung und mit größter Genauigkeit durchführen, wodurch sich höhere Stückzahlen bei höherer Qualität der Endprodukte erzielen lassen.

Roboter

Roboter kamen bisher vor allem bei repetitiven Aufgaben zum Einsatz, bei denen es um hohe Wiederholungsgenauigkeit ging. iStock

Durch neue Technologien, die den Robotern mehr „Fingerspitzengefühl“ verleihen, wie beispielsweise Kraft-Moment-Sensoren, können Roboter inzwischen jedoch auch Aufgaben durchführen, die „menschliches Gespür“ erfordern. Roboter können mittlerweile etwa nicht gleichförmige Objekte schleifen und polieren, eine Arbeit, die bisher von einem geschulten Facharbeiter durchgeführt wurde. In solchen Fällen ist die Sorge, dass menschliche Arbeitsplätze wegfallen, durchaus berechtigt.

In anderen Fällen werden Roboter an unserer Seite arbeiten und unsere Arbeit durch die Übernahme von Aufgaben ergänzen, die in der Regel geistig wenig anspruchsvoll oder für Menschen zu gefährlich sind. Ingenieure bei Ocado Technology arbeiten etwa an einem kollaborativen Roboter mit dem Namen Second Hands, der menschliche Techniker bei der Durchführung von Reparaturen unterstützen soll. Ziel ist dabei, dass der Roboter den Techniker proaktiv unterstützt und seine Umgebung wahrnimmt, sodass er bei den zu erledigenden Arbeiten als kompetenter Partner fungieren kann. In Logistikzentren kann der Roboter im laufenden Betrieb sicher visuelle Inspektionen an laufenden Anlagen durchführen, was für Menschen ein zu hohes Risiko darstellen würde.

Auf der nächsten Seite geht es unter anderem um kollaborative Roboter in der Medizin.

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