Wie kam BHTC auf die Idee, seine Aktivitäten auf das komplette HMI auszudehnen?

Thomas Schulte: Die Trends zu höherer Integration von HMI-Funktionen im Innenraum sowie Einflüsse aus der Consumer-Elektronik zeichneten sich ab. Deshalb haben wir vor etwa zehn Jahren die Entscheidung getroffen, in das Thema HMI als logische Weiterentwicklung unserer Kompetenzen im Bereich Anzeige und Bedienung einzusteigen. Als Mechatronik-, Elektronik- und Softwarespezialist bringen wir hierzu alle Fähigkeiten mit.

Bereits 2010 haben wir ein Touch-Bediengerät mit GM entwickelt. So haben wir schon relativ früh erste Erfahrungen mit Touchtechnologie gemacht. Parallel zu diesem Entwicklungsprojekt haben wir uns 2013 schon mit Gestensteuerung beschäftigt und auf der IAA entsprechende Lösungen vorgestellt.

Dr. Ralph Trapp: „Für unser neustes Konzept, das wir auf der CES im Januar 2019 zeigen werden, sind wir für einen CES-Award vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um ein hochauflösendes Touch-Bediensystem von BHTC auf einer Metalloberfläche mit haptischem Feedback.“

Dr. Ralph Trapp: „Für unser neustes Konzept, das wir auf der CES im Januar 2019 zeigen werden, sind wir für einen CES-Award vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um ein hochauflösendes Touch-Bediensystem auf einer Metalloberfläche mit haptischem Feedback.“ Alfred Vollmer

Welche Perspektive sehen Sie für die Gestensteuerung im Fahrzeug?

Thomas Schulte: Es gibt hier noch keinen eindeutigen Trend. Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Gestensteuerung im Fahrzeug immer noch kontrovers wird. Dennoch gibt es bereits einige Serienanwendungen im Markt.

Dr. Ralph Trapp: Eine ergonomisch gut durchdachte Gestenerfassung kann durchaus die Bedienung im Fahrzeug erleichtern. Einfache Wischgesten, um einen Telefonanruf wegzuwischen, ohne den Blick auf das Display richten zu müssen, reduzieren die Fahrerablenkung. Ferner kann bei der Annäherung an den Bildschirm die genaue Position der Hand oder des Fingers dazu genutzt werden, die Bildschirminhalte selektiv zu vergrößern. Hierdurch kann die Ablesbarkeit des Bildschirms während der Fahrt verbessert werden. Auch das ist Gestensteuerung. Ein ähnliches System bringen wir derzeit in Serie.

Auf welches Verfahren setzen Sie hier: Kamera oder ToF?

Dr. Ralph Trapp: Wir haben die ToF-Technologie und Kameras bei uns im Technologieportfolio, aber das Projekt, von dem ich gerade sprach, nutzt eine Kombination aus Infrarotsensorik, die über Triangulation funktioniert, und kapazitiver Sensorik. Dieses System ist erheblich günstiger als kamerabasierende Verfahren oder ToF.

Was war denn Ihr erstes Großserien-Touchprojekt?

Bernd Kuhlhoff: Nach der ersten Einführung mit GM kamen zahlreiche weitere Projekte, unter anderem aus dem Hause Audi. Im Porsche Panamera wurde die Touch-Technologie dann erstmals mit haptischem Feedback kombiniert, was heute sicherlich immer noch eins der innovativsten Bedienkonzepte in der Automobilindustrie ist.

… und im Bereich Display?

Bernd Kuhlhoff: …sind es die beiden in der Mittelkonsole befindlichen CIDs im neuen Audi A6.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass haptisches Feedback in Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen wird, um die Ablenkung des Fahrers so gering wie möglich zu halten; es kann zum Beispiel Fühlhilfen auf der Oberfläche schaffen“, betont das Management von BHTC. Im Bild v.l.n.r.: Thomas Schulte, Alfred Vollmer (Chefredakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK), Dr. Ralph Trapp und Bernd Kuhlhoff.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass haptisches Feedback in Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen wird, um die Ablenkung des Fahrers so gering wie möglich zu halten; es kann zum Beispiel Fühlhilfen auf der Oberfläche schaffen“, betont das Management von BHTC. Im Bild v.l.n.r.: Thomas Schulte, Alfred Vollmer (Chefredakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK), Dr. Ralph Trapp und Bernd Kuhlhoff.

Alfred Vollmer

Welche Fertigungstiefe auf der Display- und Touchseite hat BHTC?

Dr. Ralph Trapp: Bevor ich diese Frage beantworte, lassen Sie mich kurz auf unsere Kompetenzen im Bereich der Display-Entwicklung eingehen. Von der Auslegung des Displays, des Deckglases und des Touchsensors bis hin zur Entwicklung des Backlights haben wir alle Kompetenzen an Bord. Dies ermöglicht es uns, maßgeschneiderte OEM-Lösungen flexibel zu konzeptionieren. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden Backlight, Display sowie Deckglas zuzukaufen und diese Komponenten elektrisch, mechanisch und optisch zu kombinieren. Die Elektronik fertigen wir selbst. Somit können wir gewährleisten, dass wir bei der Integration des Gesamtsystems kritische Faktoren wie zum Beispiel EMV, ESD oder Entwärmung optimal und automotive-gerecht umsetzen.

Auf der nächsten Seite ist unter anderem das Potenzial für das haptische Feedback Thema.

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