Welches Potenzial sehen Sie für das haptische Feedback?

Thomas Schulte: Wir sind der festen Überzeugung, dass haptisches Feedback in Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen wird, um die Ablenkung der Fahrer so gering wie möglich zu halten; es kann zum Beispiel Fühlhilfen auf der Oberfläche schaffen. Es käme niemand auf die Idee, eine mechanische Tastenleiste ohne haptisches Feedback zu entwickeln. Über ein Display bedienen Sie Funktionen, und die Nutzer wollen unseres Erachtens auch hier eine taktile Rückmeldung erhalten.

Uns freut besonders, wenn die Kunden unseren Einsatz auch würdigen. So haben wir 2017 vom Volkswagen-Konzern einen Innovation Award für das CID im Audi A6 erhalten. Mit dem haptischen Feedback in diesem Gerät haben wir aus unserer Sicht einen neuen Benchmark gesetzt.

Dr. Ralph Trapp: Mit einem großen deutschen OEM arbeiten wir gerade an einem Vorentwicklungsprojekt, in dem die Technologie von Ultrahaptics zum Einsatz kommt, die eine haptische Rückmeldung berührungslos im Raum ermöglicht. Auf der IAA 2015 haben wir einen ersten Demonstrator für diese Technologie gezeigt. In Kombination mit Gestensteuerung ergeben sich hier ganz neue Möglichkeiten. Erst vor kurzem haben wir mit der TU München eine Usability-Studie durchgeführt, in der die Fahrerablenkung bei verschiedenen Konzepten getestet wurde.

Für unser neustes Konzept, das wir auf der CES im Januar 2019 zeigen werden, sind wir für einen CES-Award vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um ein hochauflösendes Touch-Bediensystem auf einer Metalloberfläche mit haptischem Feedback.

Bernd Kuhlhoff: Hochwertige Materialien spielen zukünftig eine immer wichtigere Rolle im Fahrzeug-Innenraum. So haben wir auf der IAA 2017 auch in der Ledermittelkonsole ein Touchpad und eine Touchfläche gezeigt. Damit haben wir Handschriftenerkennung auf Leder realisiert. Mit unserer Technologie können wir praktisch jede beliebige Oberfläche als Schreiboberfläche oder als Eingabeoberfläche nutzen.

Wie hoch ist dabei der Anteil der vollkommen eigenständigen Entwicklung und des Ausprobierens neuer Technologien – noch ganz ohne einen OEM als Partner?

Dr.-Ing. Ralph Trapp (Leiter Entwicklung HMI & Vorentwicklung), hier mit einem Center Information Display: „Eine ergonomisch gut durchdachte Gestenerfassung kann durchaus die Bedienung im Fahrzeug erleichtern.“

Dr. Ralph Trapp (Leiter Entwicklung HMI & Vorentwicklung), hier mit einem Center Information Display. BHTC

Dr. Ralph Trapp: Neue Technologien werden zunächst bei uns intern vorentwickelt. Wir versuchen jedoch, dann auch möglichst schnell in gemeinsamen Konzeptarbeiten diese Technologien mit unseren Kunden in konkrete Anwendungen zu bringen. Dies hat sich als Erfolgsrezept bei immer kürzeren Entwicklungszyklen bewährt.

Welche Bedeutung hat die CES in Las Vegas für Sie?

Thomas Schulte: Die CES ist für uns sehr wichtig. In 2019 werden wir erstmals in Las Vegas ausstellen. Die CES besuchen wir seit 2013 regelmäßig. Die Messe hat sich zu einem Entscheidertreffen in der Automobilbranche entwickelt, und es wird die Brücke zu Trends und Technologien aus der Konsumgüterbranche gebaut.

Auf der nächsten Seite stehen unter anderem Aktivitäten in Asien im Fokus.

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