Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 502 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im Auftrag des Bitkom zeigen: Je kleiner das Unternehmen, umso häufiger hat es keine Plattform-Strategie.

Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 502 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im Auftrag des Bitkom zeigen: Je kleiner das Unternehmen, umso häufiger hat es keine Plattform-Strategie. Bitkom

Inwieweit es jedoch gelingen werde, die unterschiedlichen Anforderungen der Nutzer an dieses Projekt gleichzeitig so zu erfüllen, dass der Erfolg am Markt möglich werde, das könne sich erst mit der Erarbeitung der Details abschließend zeigen, meint der Industrieverband der Digitalwirtschaft. Die Frage nach der Sicherheit zentraler Infrastruktur sowie der einseitigen Abhängigkeit in der digitalen Welt habe sich zuletzt etwa durch Handelskonflikte noch einmal völlig neu gestellt, heißt es bei Bitkom. Der Verbandspräsident Achim Berg erklärte dazu: „Ob man will oder nicht, wir müssen uns jetzt fragen: Wo müssen wir digitale Souveränität zurückerlangen?“ Gaia-X solle von Anfang an europäisch gedacht werden. Zudem müssten Funktionalität, Nutzerfreundlichkeit und Kosten im Wettbewerb bestehen können. „Wenn Gaia-X zum Erfolg werden soll, muss die öffentliche Hand eine Vorreiterrolle einnehmen“, so Berg weiter.

Was nach Ansicht von Bitkom bei der Schaffung einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur beachtet werden sollte, beschreibt der Verband in seinem Eckpunktepapier (Link dazu am Textende). Zusammenfassend heißt es da: „Momentan wird unter dem Stichwort Gaia-X die Schaffung einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur diskutiert, die der Stärkung der digitalen Souveränität und Datensouveränität von Deutschland und Europa dienen soll. Diese Debatte wird schon länger geführt. Im Kern steht dabei die Frage, wie wir uns in der digitalen Welt die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln bewahren. Dies bezieht sich sowohl auf staatliches, als auch auf unternehmerisches und individuelles Handeln. Souverän heißt dabei sowohl in zentralen Technologiefeldern und Diensten über eigene Fähigkeiten auf Spitzenniveau zu verfügen, als auch selbstbestimmt und selbstbewusst zwischen Alternativen leistungsfähiger und vertrauenswürdiger Partner zu entscheiden. Soweit bislang bekannt, soll Gaia-X sowohl die Governance im Hinblick auf die Souveränität staatlichen Handelns als auch des unternehmerischen Handelns stärken.“

Plattformbasierte Geschäftsmodelle stärken

Berg forderte eine Politik, die die Chancen der Plattform-Ökonomie in den Mittelpunkt rückt „Wir brauchen einen Rechtsrahmen, der neue, plattformbasierte Geschäftsmodelle fördert und sie nicht erschwert“, sagte der Bitkom-Präsident. Dazu gehöre, Regulierung nur dort vorzunehmen, wo bestehende Gesetze und Regeln nicht greifen. Außerdem dürfe man die oft sehr unterschiedlichen Plattformen nicht über einen Kamm scheren. Mit Blick auf die Vorschläge der Datenethikkommission zur Algorithmen-Regulierung warnte er zudem vor Regulierungswut: „Algorithmen sind Werkzeuge. Es kommt auf die Anwendungen an, in denen sie eingesetzt werden.“

Unternehmen sollten eine Plattform-Strategie entwickeln

„Digitale Plattformen sind viel mehr als ein zusätzlicher Vertriebskanal, sie verändern die Wirtschaft grundlegend und stellen sie auf völlig neue Beine“, sagte Berg auf dem Digital-Gipfel. „Wer Verantwortung für ein Unternehmen trägt und heute noch keine Plattform-Strategie entwickelt hat, der sollte jetzt damit anfangen.“ In Deutschland und Europa gebe es viele Unternehmen, die erfolgreich digitale Plattformen aufgebaut haben oder auf ihnen aktiv sind. „In der Öffentlichkeit diskutieren wir aber lieber darüber, wo wir vermeintlich abgehängt sind und welche Gefahren Plattformen bergen könnten. Deutschlands Unternehmen müssen sich die Plattform-Welt erobern“, meinte Berg.

Aktuell gibt jedes dritte deutsche Unternehmen ab 20 Mitarbeitern (35 %) an, keine Strategie zum Einsatz von digitalen Plattformen zu verfolgen. Jedes Vierte (23 %) hat eine zentrale Strategie, weitere 34 % haben zumindest eine Strategie in einzelnen Unternehmensbereichen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 502 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im Auftrag des Bitkom. Vor allem kleinere Unternehmen bis 100 Mitarbeiter verzichten auf eine Plattform-Strategie (38 %). Bei Unternehmen mit 500 bis 1.999 Mitarbeitern sind es dagegen nur 20 % und von den Unternehmen ab 2.000 Mitarbeitern ist nur noch jedes zehnte (10 %) ohne Plattform-Strategie.