Aus der deutschen Elektro- und Elektroniklandschaft ist der Standort Bayern nicht wegzudenken: Von Leistungshalbleiter-Herstellern und Elektronikfertigern über Messtechnik-Anbietern und Automotive-Zulieferern bis hin zu Distributoren sind in dem weiß-blauen Bundesland Unternehmen aus vielen Branchensegmenten ansässig. Der deutschlandweite Aufwärtstrend machte sich auch in Bayern bemerkbar. Nach Angaben des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hat die Branche im Jahr 2016 hierzulande einen Erlös von über 61 Milliarden Euro erzielt. Im selben Jahr waren 210.000 Arbeitnehmer in der Industrie beschäftigt – bundesweit waren es 846.000 Personen.

Nach einer ZVEI-internen Blitzumfrage beurteilten auch im Jahr 2017 vier von fünf befragten Vorstandsmitgliedern der ZVEI-Zweigstelle Bayern die Geschäftslage als gut. „Dieser Optimismus darf uns aber nicht dazu verleiten, die Geschäftsentwicklung der Elektroindustrie als gegeben anzusehen“, sagte Stephanie Spinner-König, Vorsitzende der ZVEI-Landesstelle, in diesem Zusammenhang. „Wir sehen uns in einem harten Wettbewerb und vor großen Herausforderungen, wie zum Beispiel der Verwirklichung von Industrie 4.0.“ Besorgt zeigte sich Spinner-König auch angesichts der volatilen weltwirtschaftlichen Gemengelage. Dies fordere Flexibilität und Anpassungsbereitschaft von den Marktteilnehmern. Doch wie stellen sich Unternehmen innerhalb der bayerischen Elektronik-Branche für diese und andere Entwicklungen auf?

Das größte Chipfabrik-Vorhaben Europas

Laut einer Studie von IHS Markit ist Infineon mit einem weltweiten Marktanteil von 18,5 Prozent derzeit der größte Anbieter von Leistungshalbleitern, die etwa im Automotive-Umfeld, der Energieversorgung oder im Mobilfunk zum Einsatz kommt. Der DAX-Konzern mit Hauptsitz in Neubiberg bei München beschäftigte im Geschäftsjahr 2017 etwa 37.500 Beschäftigte. In demselben Zeitraum 2017 erzielte er einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro.

Bayern

Infineon – mit Hauptsitz im oberbayerischen Neubiberg – investiert im österreichischen VIllach 1,6 Milliarden Euro in eine 300-mm-Dünnwafer-Fertigung. Infineon

Mit der Ankündigung zweier Großinvestitionen sorgte das Unternehmen im Mai 2018 für Furore: Zum einen gab Infineon bekannt, sein Werk in Dresden zum wichtigen Forschungs- und Entwicklungszentrum für Künstliche Intelligenz und Automotive-Anwendungen ausbauen zu wollen. In Dresden, Infineons größter Fab, werden 300-mm-Dünnwafer gefertigt. Entwickelt wurde diese Technologie am Standort im österreichischen Villach, der nun um eine gigantische, vollautomatisierte 300-mm-Fertigung ergänzt werden soll. 1,6 Milliarden Euro sollen in den Aufbau der Fab fließen, die bereits zum Jahresbeginn 2021 den Betrieb aufnehmen soll. Damit handelt es sich nicht nur um die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte, sondern nach Unternehmensangaben auch um das derzeit größte Chipfabrik-Projekt in Europa. „Die globale Nachfrage nach Leistungshalbleitern steigt rasant“, erläuterte Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon, die Hintergründe des Investments. „Das Wachstum wird getragen durch globale Megatrends wie Klimawandel, demographischen Wandel und zunehmende Digitalisierung. Elektrofahrzeuge, vernetzte, batteriebetriebene Geräte, Rechenzentren oder die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen benötigen effiziente und zuverlässige Leistungshalbleiter. Diesen Trend haben wir früh erkannt.“

Neben diesen Großinvestitionen fokussierte Infineon jedoch auch sein Portfolio und dünnte das Engagement in einigen Unternehmenszweigen aus: So kaufte Hersteller Cree im März für ungefähr 345 Millionen Euro den größten Teil von Infineons Geschäfts für Hochfrequenz-Leistungskomponenten, um die Position seines Tochterunternehmens Wolfspeed auf dem Markt für Mobilfunk-Infrastruktur zu stärken.

 

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