Wie das Unternehmen am 28. Februar bekanntgab, soll im Rahmen der Batteriezellen-Strategie das im Bereich der Lithium-Ionen-Technologie tätige Gemeinschaftsunternehmen Lithium Energy and Power beendet werden. Auch das zur Festkörperzell-Technologie forschende Tochterunternehmen, das 2015 zugekaufte US-Start-up Seeo, soll veräußert werden. Mit diesem Radikalschlag beendet Bosch sein ehrgeiziges Projekt, selbst zum Fertiger von Festkörperbatterien zu werden. Augrund ihrer deutlich höheren Energiedichte gilt es als ausgemacht, dass Festkörperzellbatterien die aktuelle Lithium-Ionen-Technologie langfristig in der E-Mobilität ablösen. Wäre Bosch nach einer bereits erfolgten dreistelligen Millioneninvestition in diesen Markt eingestiegen, wäre den aktuell dominierenden asiatischen Unternehmen ein mächtiger Konkurrent entstanden.

Batteriezellen

In E-Mobilität will Bosch zwar auch künftig investieren, von der Fertigung von Batteriezellen nimmt der Konzern dagegen Abstand. Bosch

Bosch begründet seinen Rückzug mit wirtschaftlichen Erwägungen. Im Zuge der Bewertung einer Eigenfertigung habe sich gezeigt, dass die Investition in eine Industrialisierung von sowohl weiterentwickelten als auch künftigen Zelltechnologien zu risikobehaftet sei. Laut Berechnungen beliefe sich allein die Anfangsinvestition in eine wettbewerbsfähige und marktrelevante Zellfertigung auf rund 20 Milliarden Euro. Mit dieser Summe ließen sich Fertigungskapazitäten von rund 200 Gigawattstunden aufbauen, was einem Marktanteil von 20 Prozent entspricht.

Batteriezellen

Auf der IAA 2015 erläuterte Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel noch tech­nische Details zur Batterietechnologie von Seeo/Bosch. Jetzt verabschiedet sich das Unternehmen von seinen Fertigungsplänen. Alfred Vollmer

Zu den hohen Anfangsinvestitionen kämen Betriebskosten in Milliardenhöhe hinzu. Zudem entfallen drei Viertel der Herstellkosten auf Materialkosten. In nur einem geringen Anteil der Wertschöpfung können, so der Konzern, Wettbewerbsvorteile erarbeitet und ausgespielt werden. Es bliebe mit Blick auf die dynamischen und nur schwer vorhersagbaren externen Marktfaktoren offen, ob und wann sich diese Investition für Bosch rechnen würde. Eine solch risikobehaftete Investition könnte das Gesamtunternehmen gefährden.

Unabhängig von der Entscheidung sieht Bosch großes technisches Potenzial in der Festkörper-Technologie. Auf der technischen Seite habe man sehr gute Entwicklungsfortschritte erzielt. So will der Konzern das in den vergangenen Jahren aufgebaute Batteriezellen-Know-how in einem Center of Competence weiterentwickeln. Eine mittlere dreistellige Zahl von Mitarbeitern soll zudem im Bereich Batteriesysteme tätig sein. Sie sollen Batteriemanagementsysteme und 48-Volt-Batteriesysteme entwickeln und Zellen spezifizieren.

Bleibt die Dominanz der Asiaten auf dem Fertigungsmarkt für Fahrzeugbatterien also ungebrochen? Neben Bosch haben derzeit auch deutsche Autobauer keine konkreten Pläne, zum Batteriefertiger zu werden. Lediglich Boschs Automotive-Konkurrent Continental kann sich derzeit vorstellen, in die Fertigung von Batteriezellen einzusteigen.