Cross-Domain Computing Solutions wird der neue Geschäftsbereich von Bosch heißen, der rund 17.000 Mitarbeiter an mehr als 40 Standorten in über 20 Ländern umfassen wird. Dafür führt das Unternehmen Mitarbeiter aus der Software-, Elektrik- sowie Elektronikentwicklung aus den Bereichen Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren, Car Multimedia sowie Antrieb und Body Electronics in der neuen Einheit zusammen. Als Geschäftsführer wird Harald Kröger für den neu entstehenden Geschäftsbereich verantwortlich sein. Ab 2021 (geplant ist der 1. Januar) soll der Geschäftsbereich dann Elektroniksysteme mit passender Software für alle Fahrzeugbereiche bieten. „Bereits in heutigen Autos stecken rund 100 Millionen Zeilen Software-Code“, erklärt Dr. Stefan Hartung, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. „Die Zukunft der Mobilität kann nur gestalten, wer über umfassende Elektronik- und Softwareexpertise verfügt.“

E/E-Architektur mit zentralen Hochleistungsrechnern

Autonomes Fahrzeug auf Kreuzung

Die Entwicklung hochkomplexer autonomer Fahrsysteme wird vor allem durch Fortschritte in der Software- und Elektronikentwicklung vorangetrieben – mit E/E-Architekturen, die auf zentralen Hochleistungscomputern basieren. Bosch

Neben der Softwareentwicklung will Bosch auch die E/E-Architektur von Fahrzeugen weiterentwickeln und bündelt deshalb auch die Entwicklung von Fahrzeugcomputern, Steuergeräten und Sensoren in der Geschäftseinheit Cross-Domain Computing Solutions. „Kernaufgabe von Cross-Domain Computing Solutions wird es sein, die Komplexität der Elektroniksysteme beherrschbar und darüber hinaus so sicher wie möglich zu machen“, erläutert Harald Kröger. Besonderen Fokus legt Bosch dabei auf Hochleistungsrechner als technische Basis für die Digitalisierung moderner Fahrzeuge. Sie bündeln in allen Fahrzeugbereichen die immer umfassenderen Funktionen und übernehmen die Aufgaben einzelner Steuergeräte. „Mehr als 100 einzelne Steuergeräte sind in aktuellen Premiumfahrzeugen verbaut, selbst in Kleinwagen sind es heute bereits 30 bis 50“, erklärt Kröger weiter. „Mit Hochleistungsrechnern lässt sich diese Anzahl zukünftig deutlich reduzieren.“ Da diese Fahrzeugcomputer sowohl für Cockpit- und Vernetzungsfunktionen, für Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren sowie den Antrieb nun erstmals in einer übergreifenden Einheit entwickelt werden, entsteht eine durchgängige IT-Architektur für das gesamte Fahrzeug.

In diesem Rahmen wird Harald Kröger zudem auch für die neue Halbleiterfabrik in Dresden verantwortlich sein, die Bosch derzeit baut und deren Inbetriebnahme für das Ende der ersten Jahreshälfte 2021 geplant ist.

Fahrzeug mit Umgebungssensoren

Bosch will künftig auch die Entwicklung von Hardwarekomponenten wie etwa Sensoren im Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions übernehmen. Bosch

Bereits im April 2020 hat Bosch die gesamte Elektronikfertigung des Unternehmensbereichs Mobility Solutions gebündelt. Im Geschäftsbereich Automotive Electronics wird nun die Produktion von Steuergeräten und Fahrzeugrechnern übergreifend für alle Fahrzeugbereiche koordiniert. Damit realisiert das Unternehmen Synergien auch in der Fertigung. Im neuen Fertigungsverbund arbeiten rund 24 000 Mitarbeiter in 21 Werken und 14 Ländern.

Warum der neue Bereich Cross-Domain Computing Solutions?

Bosch begründet die Umstrukturierung vor allem mit der starken Veränderung des Geschäftsumfeldes rund um das Auto, das derzeit vor allem von Software und Elektronik getrieben wird. Der Trend zu einer immer anspruchsvolleren Elektronik sowie immer mehr Software beschleunigt sich zunehmend. In Folge steigt die Komplexität in der Fahrzeugentwicklung erheblich an. Ziel des neuen Geschäftsbereichs ist es, diese Komplexität mit übergreifenden Software- und Elektroniklösungen zu reduzieren. Zudem sollen neue Fahrzeugfunktionen künftig deutlich schneller auf die Straße kommen.

Software spielt Schlüsselrolle im Auto der Zukunft

Hatte ein Auto vor zehn Jahren noch rund zehn Millionen Zeilen Software-Code, wird die Software von automatisiert fahrenden Fahrzeugen zwischen 300 und 500 Millionen Codezeilen umfassen. „Software bestimmt künftig maßgeblich die Fähigkeiten und Eigenschaften von Fahrzeugen. Sie sorgt dafür, dass Autos immer smarter werden und liefert Autofahrern einen erlebbaren Mehrwert“, sagt Harald Kröger, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Bosch entwickelt bereits seit rund 40 Jahren selbst und investiert dafür jährlich rund drei Milliarden Euro. Der Konzern hat jedoch auch erkannt, dass die traditionelle Softwareentwicklung in einzelnen, voneinander unabhängigen Bereichen an ihre Grenzen stößt. Der neue Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions wird künftig sowohl die Basissoftware der Fahrzeugcomputer und Steuergeräte als auch die Software der Fahrzeugfunktionen entwickeln. In Folge kommen neue Funktionen künftig deutlich schneller und via Software-Update zu den Nutzern.